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Das Maurische Spanien Geschichte und Kultur von Bossong, Georg (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.01.2016
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Das Maurische Spanien

Im 8. Jahrhundert drangen die Mauren über die Meerenge von Gibraltar nach Norden vor und läuteten damit eine neunhundertjährige Präsenz des Islam auf der Iberischen Halbinsel ein. In dieser Zeit kam es zu einem einzigartigen Miteinander von Muslimen, Christen und Juden und einer Blüte von Wissenschaft, Philosophie, Literatur und Kunst. Die Moschee von Cordoba und die Alhambra von Granada zeugen bis heute von diesem 'Goldenen Zeitalter'. Georg Bossong beschreibt anschaulich die wechselvolle Geschichte des Maurischen Spanien mit ihrem Glanz, aber auch mit ihren Konflikten, die am Ende des Mittelalters im Zuge der christlichen Reconquista immer härter wurden und zur Vertreibung von Juden und Muslimen führten. Georg Bossong, geb. 1948, ist, nach Stationen in Heidelberg, Paris, München und Mannheim, Professor em. für romanische Philologie der Universität Zürich. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die semitisch-romanischen Sprach- und Kulturkontakte auf der Iberischen Halbinsel.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 15.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406691300
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 3851 kBytes
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Das Maurische Spanien

1. Was war al-Andalus?

Die Bedeutung des Namens

Fast achthundert Jahre dauerte die islamische Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel, von 710 bis 1492; die Präsenz des Maurentums währte sogar noch über ein Jahrhundert länger, bis zur Ausweisung der Moriscos, die 1614 abgeschlossen war. Tiefer und nachhaltiger als alle anderen Regionen Westeuropas wurde Hispanien durch den Islam geprägt. Was wir gewöhnlich als das "Maurische Spanien" bezeichnen, ist eine historische Epoche von größter Tragweite für die iberoromanischen Nationen und für ganz Europa, eine Epoche voller Glanz und Tragik, deren Auswirkungen bis in die Gegenwart reichen.

Der arabische Name für diese Epoche ist al-Andalus . Dies war zunächst einmal die arabische Bezeichnung für die Iberische Halbinsel. Das Wort hat sich zur Bezeichnung für den islamischen Machtbereich auf der Halbinsel entwickelt, der dann im Laufe der Jahrhunderte immer mehr zurückgedrängt und eingeschränkt wurde. Al-Andalus ist also ein zugleich historischer und geographischer Begriff; er steht für eine untergegangene Zivilisation, das islamisch beherrschte Hispanien.

Gehen wir zunächst auf den Namen ein. Die Bezeichnung al-Andalus erscheint bereits sehr früh. Wenige Jahre nach der Eroberung der Halbinsel, zwischen 715 und 717, im Jahre 97/98 der Hidjra, wurde eine Münze geprägt, die auf der einen Seite eine lateinische, auf der anderen eine arabische Schrift aufweist; dabei entsprechen sich die Ausdrücke Spania und al-Andalus . Demnach stand der Name schon damals fest. Wie ist er zu erklären? Man hat ihn mit den Wandalen in Verbindung gebracht. Dieses germanische Volk errichtete während der Völkerwanderung ein kurzlebiges Reich in Hispanien, von 411 bis 429, und ließ sich dann in Nordafrika nieder. Die traditionelle Theorie besagt, die Iberische Halbinsel sei für die nordafrikanischen Berber seither das "Land der Wandalen" gewesen, und von den Berbern hätten die Araber die Bezeichnung übernommen. Dagegen spricht allerdings, daß der Name in den drei Jahrhunderten zwischen der Wandalenherrschaft und der arabischen Eroberung nirgends belegt ist; außerdem gibt es bei dieser etymologischen Herleitung unüberwindbare lautliche und semantische Schwierigkeiten. Der Orientalist Heinz Halm hat einen kühnen Alternativvorschlag gemacht: Er leitet den Namen von einem hypothetischen gotischen land-hlauths ab, "Land-Los", was dem in lateinischen Quellen belegten gotica sors entsprechen soll, also Land, das einem durch Los zugeteilt wird. Gegen diese These spricht - neben lautlich-grammatischen Gründen - allerdings, daß die Goten, als sie ihr iberisches Reich errichteten, schon gar nicht mehr Gotisch sprachen, sondern längst latinisiert waren. Woher sollten also die Araber, dreihundert Jahre nach der westgotischen Eroberung Hispaniens, eine solche, nirgendwo belegte gotische Bezeichnung übernommen haben? Meiner Auffassung nach ist der Name vorromanischen, ja vorindogermanischen Ursprungs. Er gehört zur ältesten Schicht von Ortsnamen auf der Halbinsel, die ein baskisches Gepräge zeigen. Vermutlich war Andalus der Name der kleinen Insel, die das berberische Vorauskommando unter der Führung von Tarîf Abû Zur a als ersten Punkt der Halbinsel erreichte; jedenfalls lassen sich so die arabischen Quellen plausibel deuten. Diese Insel ist der Stadt Tarifa vorgelagert, die von Tarîf gegründet und nach ihm benannt wurde; sie ist heute durch einen Damm mit dem Festland verbunden und bildet die südlichste Spitze von Festland-Europa, auf dem 36. Breitengrad gelegen. Von der afrikanischen Küste aus gesehen ist sie zum Greifen nahe. Dieser uralte Name wurde dann von der kleinen Insel auf die große Halbinsel übertragen, so wie der Name "Asien" von der anatolischen Westküste auf den ganzen Kontinent oder der Volksname der grenznahen "Alemannen" auf die Deutschen schlechthin. Der Name Andalus kommt ü

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