text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Der Heilige Gral Geschichte und Legende von Egeler, Matthias (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.08.2019
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
7,49 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Der Heilige Gral

Der Heilige Gral gehört zu den machtvollsten Mythen des Abendlandes. Aber was ist er überhaupt? Der Kelch des letzten Abendmahls, ein Gefäß mit Jesu Blut, ein Stein? Matthias Egeler folgt in dieser ebenso spannenden wie kenntnisreichen Darstellung der Spur des Grals von keltischen Mythen über die Ritter der Tafelrunde bis hin zu Dan Brown und zeigt, wie der Heilige Gral in seiner langen Geschichte immer wieder zum Kristallisationspunkt von Sehnsüchten wurde und bis heute nichts an Faszination eingebüßt hat. Matthias Egeler ist Privatdozent an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er am Institut für Nordische Philologie und im Interfakultären Studiengang Religionswissenschaft lehrt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 28.08.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406739736
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 3527 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Der Heilige Gral

2. Der Gral als christliches Symbol und als Ziel ritterlicher Suche:
von Robert de Boron bis zu den großen Gralszyklen

Von der Welt des Mythos ins christliche Glastonbury:
Robert de Boron

Der Ursprung des Grals mag im Nebel der vorchristlichen Mythologie der Britischen Inseln verschwinden, und wie genau Chrétien den Gral auffasste, bleibt unklar, da er seinen Perceval nie vollendete. Spätestens in den 1190er Jahren jedoch machte der Dichter Robert de Boron den Gral zu einem durch und durch christlichen Symbol. Dies tat er vor allem durch seinen Joseph d'Arimathie oder Joseph von Arimathäa , einen altfranzösischen Versroman, der seine Wirkung jedoch vor allem durch eine etwas spätere Umarbeitung in Prosa entfaltete. Mit diesem Roman verfasste Robert de Boron geradezu ein neues apokryphes Evangelium; dabei verarbeitete er vor allem Material aus der Bibel und dem apokryphen Nikodemusevangelium.

Roberts grundlegende Neuerung, mit der er fast die gesamte weitere Geschichte des Gralsstoffs prägte, war die Verknüpfung der Gralslegende mit der Passionsgeschichte. Diese Verbindung stellt der Joseph d'Arimathie her, indem er eine Handlung entwirft, die sich vor allem in Palästina im Umfeld der Kreuzigung entfaltet, es dann aber schafft, einen Bogen auf die Britischen Inseln zu schlagen:

Joseph von Arimathäa, der Held von Roberts Roman, ist ein Soldat im Dienste des Pontius Pilatus; in seinem Herzen ist er ein Anhänger Christi, aber er hat nicht den Mut, seinen Glauben offen zu zeigen. Nach der Kreuzigung wendet er sich jedoch an seinen Herrn Pontius Pilatus und bittet ihn, als Lohn für seine langjährigen treuen Dienste, um den Leichnam des Gekreuzigten. Pilatus gewährt ihm diesen Wunsch, und darüber hinaus gibt er ihm das Gefäß, das Jesus während des letzten Abendmahls verwendet hatte: Ein Jude hatte diesen Kelch nach der Gefangennahme Jesu an sich genommen und Pilatus überbracht, der ihn aber nicht behalten will, weil er die Tötung Christi als Unrecht betrachtet. Joseph nimmt den Leichnam Christi mit der Hilfe des Nikodemus vom Kreuz ab, wäscht ihn und benutzt das Abendmahlsgefäß, um das Blut aufzufangen, das noch aus seinen Wunden tropft. Darauf folgen Jesu Begräbnis und Auferstehung. Als nach der Auferstehung der Leichnam Jesu verschwunden ist, beschuldigen die Juden Joseph von Arimathäa, ihn gestohlen zu haben; in einer Nacht-und-Nebel-Aktion nehmen sie Joseph gefangen und werfen ihn in ein Verlies, das sie mit einem großen Stein verschließen. Dort erscheint ihm jedoch Jesus und bringt ihm das Abendmahlsgefäß. Er macht Joseph zum Hüter des Gefäßes und weist ihn an, dass nur er selbst und diejenigen, die Joseph zu diesem Amt berufen wird, Hüter des Abendmahlsgefäßes sein werden; dies dürfen jedoch nie mehr als drei Männer gleichzeitig sein, die das Gefäß im Namen der Heiligen Dreifaltigkeit bewachen sollen. (Ein geradezu exzessiv wiederholtes Bekenntnis zum Glauben an die Dreifaltigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist ist ein Leitmotiv von Roberts Text; ebenso betont er immer wieder die Autorität der Kirche und die Bedeutung der Taufe mit Wasser. Damit dürfte Robert sich implizit gegen die Bewegung der Katharer aussprechen, die all diese Elemente herkömmlichen katholischen Christentums ablehnte und die zur Abfassungszeit des Joseph d'Arimathie in Südfrankreich so sehr an Zulauf gewann, dass Papst Innozenz III . wenig später, im Jahr 1209, zum Albigenserkreuzzug aufrief.) Ferner erläutert Jesus den Symbolismus des Abendmahlssakraments, das fortan stets an den Dienst erinnern werde, den Joseph ihm erwiesen hat. Hier wird nun explizit verdeutlicht, dass das Abendmahlsgefäß in Josephs Händen symbolisch dem Messkelch entspricht, und Robert de Boron verwendet zum ersten Mal ausdrücklich die Bezeichnung "Gral" f

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen