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Die Anfänge der Deutschen Der Weg in die Geschichte von Fried, Johannes (eBook)

  • Verlag: Ullstein
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Die Anfänge der Deutschen

WORUM GEHT ES? Wer waren die Menschen, die Deutschland schufen? Woher kamen sie, was prägte sie, was wollten sie? Welche Sprache sprachen sie, wie lebten sie, was dachten sie? Strebten sie nach staatlicher Einheit, oder war ihnen ihre Stammeszugehörigkeit genug? Diesen und zahlreichen anderen Fragen zu den Anfängen der Deutschen in der Mitte Europas geht Johannes Fried, führender Mediävist unseres Landes, in seinem großen Werk auf den Grund. Er entwirft ein weites Panorama der Epoche zwischen dem 6. und dem 11. Jahrhundert, als mit der Herausbildung des karolingischen Reiches die Wurzeln des späteren Deutschland gelegt wurden. Der Band erscheint in einer überarbeiteten, mit aktuellem Vorwort des Autors versehenen Neuausgabe. WAS IST BESONDERS? Eindringlich und fesselnd schildert Fried die Anfänge der Deutschen in der Mitte Europas, ihre vielfältigen Wurzeln in Ost und West und ihren mühsamen Weg zu sprachlicher und kultureller Einheit. Geschichtsschreibung, wie man sie sich wünscht. WER LIEST?- Leser der Bestseller von Johannes Fried ("Karl der Große", "Das Mittelalter") - Liebhaber historischer Epochendarstellungen Johannes Fried, geboren 1942 in Hamburg, zählt zu den international renommiertesten Mediävisten unserer Zeit. Von 1983 bis 2009 hatte er den Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt/Main inne. Er war lange Vorsitzender der Historischen Kommission, ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gremien und wurde mit vielen Auszeichnungen geehrt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 1056
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843711692
    Verlag: Ullstein
    Größe: 15280 kBytes
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Die Anfänge der Deutschen

Land und Leute

Das Land

Wälder, wohin die Blicke reichten, wirkliche und sagenhafte. Andernorts Sümpfe. Das Land war unwegsam. Auerochsen, Bären, Wildschweine, reißende Wölfe, auch barbarische Menschen machten es gefährlich. "Wer würde schon ohne Gefahr Asien, Afrika oder Italien aufgeben, um nach Germanien zu ziehen, in jenes abstoßende Land mit seinem rauen Klima, seiner unfreundlichen Kultur und Erscheinung!" Nicht ohne Hintersinn zeichnete Tacitus sein Bild von den Gebieten östlich des Rheins und nördlich der Donau. Ein moderner Geograph, Otto Schlüter, publizierte 1952 eine Karte "Die Siedlungsräume Mitteleuropas" während des früheren Mittelalters, welche, wohin man sieht, nur Wälder, Sümpfe, Ödländer zeigte.

Schlüters Karte präsentierte den einzigartigen, bis heute nicht wiederholten Versuch, genetische Landschaftsforschung großräumig ins Kartenbild umzusetzen - ein schwieriges, ein mutiges Unternehmen, das mit vielen Unbekannten rechnen musste. Die wissenschaftliche Kritik blieb deshalb nicht aus; zahlreiche Einzelheiten waren und sind zu korrigieren. Das Beste an dieser Karte sei, dass es sie gäbe, meinte der französische Siedlungshistoriker Charles Higounet. Die neue Methode der Landschaftsarchäologie, die sich weiträumig und vergleichend vor allem auf die systematische Pollenanalyse in den einzelnen übereinanderliegenden Erdschichten stützt, wird ein in mancherlei Hinsicht präzisiertes Bild liefern und vielerorts eine offene, von Menschen besiedelte Landschaft zeigen. Doch der Gesamteindruck bleibt und bestätigt aufs Ganze Tacitus. Ein Meer von Grün, Orange und Rot - Schlüters Symbole der siedlungsabweisenden Regionen - verschlingt die kleinen weißen, von Menschen bewohnten Inseln.

Kein mittelalterlicher Zeitgenosse beschrieb indessen, was diese Karte des 20 . Jahrhunderts erfasste und was Tacitus schaudern ließ. Mochten auch die Dichter des früheren oder hohen Mittelalters den Wald als bedrohliche Einöde, als düstere Gegenwelt, ungeformtes Chaos, als die rohe Materie, aus der Gott die Welt erschuf, apostrophieren, Grundherren und freie Unternehmer mühsam rodend in diese Urwälder eindringen, keiner überschaute, wie endlos, wie unberührt diese Wüste, wie herb das Land war, das er bewohnte, und keiner beschrieb, wie dünn gestreut die menschlichen Behausungen sich in ihm verteilten. Tacitus dachte an keine wirklichkeitsgemäße Landesbeschreibung; er folgte einem Klischee. Alles, was das römische Imperium auszeichnete, fehlte in Germanien. Keine großartigen Bauten, keine prunkvollen Tempel, Foren, Theater, keine Städte, nicht einmal geschlossene Siedlungen milderten den Eindruck erbärmlichster Armseligkeit, den der vom Glanz der Hauptstadt, des "goldenen Rom", und des Reiches verwöhnte Literat von jenen fernen Regionen besaß; allenfalls heilige Haine, bunt bemalte Hütten und mit Mist gedeckte Erdlöcher als Wohnstätten galt es zu erwähnen. Getreide gedieh hier, Edelobst aber nicht. Viehherden bildeten den Reichtum der Landesbewohner. Abstoßend schrecklich, bestenfalls kurios war das alles für die urbanen Römer, die - vergebens - versucht hatten, das Land zu erobern.

Die Deutschen betraten und bestellten ihr künftiges Land nicht als Erste. Es hatte, bevor es zu Deutschland wurde, eine lange Natur- und Kulturgeschichte hinter sich, die es bewahrte und deren Erbe die Deutschen übernahmen. Denn diese waren die Kinder des Landes, dessen formender Kraft sie unterlagen. Die Jahrtausende seit der letzten Eiszeit hatten ihm einen Charakter aufgeprägt, der fortwirkte, unabhängig davon, welche Menschen und welche Völker sich hier etablierten. Die naturräumlichen Gegebenheiten, Bodenrelief, Klima, Bodenqualität, Wasserhaushalt, Flora und Fauna, beherrschten alle kulturelle Entfaltung und Zivilisation. Sie zwangen die vorgeschichtlichen Jäger wie die späteren Siedler dazu, günstige Gebiete aufzusuchen, andere zu meiden, leiteten das Kulturwerk

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