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Die Merowinger von Scholz, Sebastian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.10.2015
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (PDF)
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Die Merowinger

Die Dynastie der Merowinger hat rund 250 Jahre lang die Geschichte und Geschicke Westeuropas mitgestaltet. Geprägt wurde diese Zeit durch den Rückgriff auf römische Verwaltungspraktiken und antikes Kulturgut ebenso wie durch neue Herrschaftstechniken und eine dynamische gesellschaftliche Entwicklung. Das Buch bietet eine Verschränkung der Personen-/Dynastiegeschichte mit zentralen Feldern der allgemeinen Geschichte (Kirche, Gesellschaft, Personenverbände). Die Auswertung der bisher in den Darstellungen wenig berücksichtigten Rechtsquellen, insbesondere des Kirchenrechts ermöglicht eine neue Sichtweise auf die Herrschaftsstrukturen im Merowingerreich. Zudem werden die Beziehungen zu den Nachbarreichen, die Wirtschaft sowie die soziale Situation der Menschen behandelt.

Professor Dr. Sebastian Scholz hat den Lehrstuhl für frühmittelalterliche Geschichte an der Universität Zürich inne.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 342
    Erscheinungsdatum: 28.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170250338
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 2478 kBytes
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Die Merowinger

1 Die Frühzeit der Franken

In historischen Abhandlungen zum frühen Mittelalter haben die Franken unter den Völkern der damaligen Zeit ihren festen Platz. Doch wer waren sie? Woher kamen sie? Gregor von Tours, der sein Werk Decem libri historiarum ("Zehn Bücher Geschichten"), die wichtigste Quelle für diese Zeit, zwischen 573 und 594 verfasste, verweist auf eine mündliche Überlieferung, laut der die Franken aus Pannonien kamen, sich zunächst am Rhein niederließen, dann den Rhein überschritten und nach Thoringia zogen. Dort hätten sie in den verschiedenen Gauen und Städten Könige aus ihrer vornehmsten Familie gewählt. Wo das von Gregor genannte Thoringia gelegen haben könnte, ist bis heute in der Forschung umstritten. 1 Eine andere Erklärung bietet eine Legende, die zum ersten Mal im 7. Jahrhundert schriftlich festgehalten wurde, aber vielleicht schon um die Mitte des 6. Jahrhunderts entstand, und derzufolge die Franken Nachfahren der Trojaner waren. Diese Konstruktion diente dazu, durch eine gemeinsame Abkunft von den Trojanern die Gleichwertigkeit der Franken mit den angeblich ebenfalls von den Trojanern abstammenden Römern zu propagieren. 2 Eine weitere Legende des 7. Jahrhunderts erklärt den Namen "Merowinger":

"Man sagt, Chlodio (ein fränkischer König) habe sich zur Sommerzeit mit seiner Frau an den Strand des Meeres gesetzt; als die Frau mittags zum Baden ins Meer ging, habe sie ein Ungeheuer, ähnlich einem im Meer lebenden Minotaurus, angegriffen. Ob sie daraufhin entweder von dem Ungeheuer oder ihrem Mann schwanger wurde, sie gebar jedenfalls einen Sohn namens Merowech, nach dem später die Könige der Franken Merowinger genannt wurden." 3

Der Ursprung dieser Erzählungen liegt ebenso im Dunkeln wie die tatsächliche Ethnogenese der Franken, über deren Situation in der Frühphase ihrer Entstehung kaum etwas bekannt ist. Nur wenige Erkenntnisse über ihre Organisation sind gesichert und vieles bleibt Spekulation. 4 Die Franken selbst haben aus dieser Zeit keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterlassen, da sie noch keine Texte anfertigten.

Die römischen Quellen, die allein über die Frühzeit der Franken berichten, sagen nichts darüber, wie sich die Franken allmählich formierten und organisierten. Man kann aufgrund der Quellenlage lediglich vermuten, dass in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts ein Prozess begann, in dem aus kleineren Stämmen langsam eine größere Einheit, das Volk der Franken, entstand. Dabei behielten die einzelnen Stämme zunächst ihre eigenen Anführer. Unklar ist, ob sich die Mitglieder dieses Verbands selbst schon als Franken verstanden und bezeichneten. Wahrscheinlicher scheint, dass ihnen der Name erst aus einer später erfolgten Rückschau beigelegt wurde, denn die frühesten, heute noch fassbaren Belege für den Begriff Frankus finden sich erst in einer 291 gehaltenen Lobrede ( Panegyricus ) 5 auf Kaiser Maximian und 297 in einer weiteren Lobrede auf den Cäsar Constantius Chlorus (293-306), den Vater Konstantins des Großen. 6 Spätere römische Quellen sprechen dann immer wieder von den gentes Francorum , also den Stämmen der Franken.

Isidor von Sevilla erklärt den Namen Frankus in seinem zwischen 620 und 630 entstandenen Werk Etymologiae sive origines auf folgende Weise:

"Man glaubt, dass die Franken nach einem gewissen eigenen Anführer benannt wurden. Andere sind der Meinung, sie würden wegen der Wildheit ihrer Sitten so genannt. Es herrschen nämlich unter ihnen raue Sitten, eine natürliche Zügellosigkeit der Gemüter." 7

Vermutlich lag Isidor mit seiner zweiten Erklärung gar nicht falsch. Die Namenkunde geht heute davon aus, dass de

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