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Die Ottonen von Keller, Hagen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2016
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Die Ottonen

Dieses Buch erzählt die Geschichte des sächsischen Herrscherhauses, das die Geschicke Mitteleuropas in einer prägenden Phase mehr als ein Jahrhundert lang bestimmte. Die 'Ottonen' selbst - von den Historikern so genannt nach drei Kaisern namens Otto, die von 936 bis 1002 nacheinander regierten - stehen im Zentrum der Darstellung. Sie zeigt auf, in welcher Situation Heinrich I. 919 zum Königtum gelangte und sein Sohn Otto I. 961/962 das Königreich Italien und das römische Kaisertum erwarb, und sie verfolgt, wie sich mit der Geschichte des Königshauses allmählich die Strukturen des von beiden geschaffenen Reiches veränderten. Als Heinrich II., der als Sproß einer Seitenlinie 1002 dem kinderlos gebliebenen Otto III. nachgefolgt war, 1024 selbst ohne Nachkommen starb, hatten das 'Römische Imperium' und in diesem Imperium ein 'deutsches Königreich' eine langfristig wirkende Gestalt erhalten, nicht nur als politische Gebilde, sondern vor allem auch in ihrer inneren Ordnung. Das religiöse Verständnis der Herrschaftsordnung sowie die Förderung der Kirchen durch das Königshaus, seine Verwandten und Helfer haben diese Gestalt entscheidend mitgeformt. Wie die dynastische, politische, ereignisgeschichtliche und kulturelle Entwicklung verlief, auf welchen Grundlagen die Macht der Ottonen beruhte und was von ihrem Wirken bis heute geblieben ist, wird von Hagen Keller in diesem Buch kompetent, anschaulich und allgemeinverständlich beschrieben. Hagen Keller lehrte bis 2002 als Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Unter seinen zahlreichen Publikationen zur Geschichte des Früh- und Hochmittelalters haben die Beiträge zum Zeitalter der Ottonen ein großes Gewicht. So war er in besonderer Weise als Autor für dieses Buch prädestiniert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 130
    Erscheinungsdatum: 01.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406692901
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 3470 kBytes
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Die Ottonen

I. Interesse an den Ottonen - Wissen über die Ottonen

Die Ottonen finden gegenwärtig großes Interesse bei einem breiten Publikum. Allerdings besteht eine Diskrepanz zwischen dieser Anziehungskraft der Zeit um die erste Jahrtausendwende und dem Stellenwert, der in unserer Gesellschaft historischem Wissen über ferne Zeiten eingeräumt wird. So stellt sich die Frage: Was verbinden Menschen bei uns heutzutage mit den Ottonen?

Vor hundertfünfzig, auch noch vor fünfzig Jahren hätte man die Frage zumindest in Deutschland nicht auszusprechen gewagt. Wer die Ottonen sind und wofür sie stehen, das zu wissen gehörte hier zur Allgemeinbildung. Mit festen Vorstellungen über die Ottonen und ihr Reich begeisterten sich Menschen oft für dieselben Phänomene und Objekte, die auch heute noch faszinieren. Und doch hätten frühere Generationen in einer Ottonen-Ausstellung vielfach wohl anderes gesucht als das heutige Publikum; Ausstellungsmacher hätten mit denselben Objekten anderes vermittelt. Was sie machten, hätten sie nicht erklären müssen, denn von der nationalen Bedeutung der Ottonen waren alle überzeugt. Die vermeintlichen Selbstverständlichkeiten sind von der Geschichtsforschung der letzten Jahrzehnte erschüttert worden. Was es vielen Generationen ermöglicht hatte, die Geschichte der Ottonen mit der eigenen Vergangenheit zu identifizieren, hat sich in entscheidenden Punkten als anachronistische, zeitbedingte und ideologieanfällige Sichtweise erwiesen. Unberührt davon suchen Menschen in ihrem Interesse für die Ottonen heute anderes als frühere Generationen. Doch mischen sich in ihre Neugier unbemerkt alte Klischees?

Vom 19. Jahrhundert bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg galten die Ottonen als die ersten deutschen Könige. Nicht immer wurde ihnen diese Rolle so eindeutig zugeschrieben. Nach 1840 hatte man Ludwig "den Deutschen" (833/840-876) als "ersten deutschen König" entdeckt. Die Teilung des Karolingerreiches im Vertrag von Verdun, der Ludwig 843 ein "ostfränkisches Reich" zusicherte, wurde als Beginn eigenstaatlicher Existenz Deutschlands bewertet. Doch Ludwig teilte sein Reich wieder unter seine Söhne; umgekehrt regierte der jüngste von ihnen noch einmal das ganze fränkische Großreich, weil ihm durch den Tod seiner Verwandten alle Teilreiche zugefallen waren. Nach seiner Absetzung 887 begannen sich die Teile des Frankenreiches langsam voneinander zu lösen, ohne daß die zukünftige Gestalt des Karolingererbes schon zu erkennen war.

So lenkte die Suche nach der Entstehung des deutschen Reiches den Blick auf die Ottonen. Das geschah nicht ohne historische Berechtigung. 919 wurde der Sachsenherzog Heinrich im ostfränkischen Reich zum König erhoben; seit 925 brachte er auch Lothringen, bisher ein eigenes Teilreich, unter sein Szepter. Indem er 936 diese Herrschaft an seinen Sohn Otto I. weitergab, begründete er gleichzeitig ein neues Königshaus und ein selbständiges Reich. Dieses wurde bis 1806 nie mehr geteilt; von seiner geographischen Ausdehnung her war es über weite Strecken mit dem modernen Deutschland deckungsgleich. Im 19. Jahrhundert bezweifelte fast niemand, daß das Reich Heinrichs "das Deutsche Reich" war. Unter Heinrichs Herrschaft hatte, wie man meinte, das deutsche Volk erstmals und zugleich dauerhaft in einem eigenen Staat zusammengefunden.

Im Zeitalter der Romantik suchte man, wenigstens soweit man es sich monarchisch wünschte, ein wiedererstehendes Deutsches Reich in der Kontinuität des alten Kaiserreiches. Man träumte nach 1815 von Kaiser Friedrich Rotbart, der nach alter Sage im Kyffhäuser schlief und, wie man hoffte, bald - vielleicht in der Gestalt des preußischen Königs - wieder heraustreten würde, um den Deutschen ihr Reich, ihre nationale Einheit und den Glanz des Kaisertums zurückzubringen. Die Reichsgründungsgeneration von 1870/71 aber dachte in Gründerfiguren, die dem deutschen Volk seinen Staat geben und dem deutschen Reich imperiale Größe

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