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Die Salier Das erste deutsche Königshaus von Laudage, Johannes (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2016
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Die Salier

Im Jahre 1024 wurde Konrad II. als erster Salier zum König gekrönt. Mit ihm begann das erste deutsche Königshaus. Drei weitere Salier - Heinrich III., Heinrich IV. und Heinrich V. - sollten ihm auf den Thron folgen. Ihre Zeit, das "Jahrhundert der Salier" (1024-1125), war gekennzeichnet von schweren Auseinandersetzungen der Herrscher mit den Reichsfürsten und dem Papsttum. Sowohl das Streben der Fürsten nach vermehrter Teilhabe an der Herrschaft als auch eine machtvolle kirchliche Reformbewegung verlangten nach konsensualem Handeln, um die aufbrechenden Konflikte zu entschärfen, doch kaum einmal zeigte sich einer der Salierkönige in der Lage, diesen Erfordernissen gerecht zu werden. So zerbrach die Einheit von Kirche und Reich - für jeden sichtbar am berühmten Gang nach Canossa. Erst im frühen 12. Jahrhundert wurde eine neue Ordnung geschaffen. Johannes Laudage zeichnet in seinem anregend geschriebenen, informativen Buch ein facettenreiches Bild dieser dramatischen Epoche des Mittelalters. Johannes Laudage (1959-2008) lehrte als Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seine wichtigsten Publikationen sind: Priesterbild und Reformpapsttum im 11. Jahrhundert, Köln-Wien 1984; Gregorianische Reform und Investiturstreit, Darmstadt 2006; Alexander III. und Friedrich Barbarossa, Köln-Weimar-Wien 1997; Otto der Große, Regensburg 2006. Friedrich Barbarossa. Eine Biografie, Regensburg 2009.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 01.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406692840
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 3876 kBytes
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Die Salier

II. Ein gelungener Auftakt: Die Regierungszeit Konrads II. (1024-1039)

Die salische Dynastie ist bisher noch ohne Leben geblieben, sozusagen ein Gerippe ohne Fleisch und Blut. Aber dies ändert sich, sobald man erfährt, daß Konrad II. von einem seiner Zeitgenossen idiota genannt wurde. Damit war gemeint, daß er nicht schreiben und lesen konnte, und das war für einen Laienadligen nicht untypisch. Je nachdem, ob man bereits als Kind für das Königsamt ausersehen war oder sich lediglich als Fürst bewähren sollte, fiel die Erziehung junger Knaben recht unterschiedlich aus: Die einen lernten lediglich die "sieben Fertigkeiten" des adligen Kriegers, also Reiten, Schwimmen, Bogenschießen, Faustkampf, Jagd mit Greifvögeln, Schachspielen und Verseschmieden. Die anderen wurden hingegen zugleich in die "sieben freien Künste" eingeführt, vor allem in das "Trivium" (die Grammatik, Rhetorik und Dialektik), so wie es uns etwa für Heinrich III. und Heinrich IV. bezeugt ist. Die Zeit besaß also durchaus ein waches Empfinden dafür, daß es gut sei, wenn ein König die von ihm erlassenen Urkunden lesen könne. Aber als notwendige Voraussetzung betrachtete man das nicht - die "Eingangsqualifikationen" waren vielmehr ganz anderer Art.

Wiederum ist es Wipo, der uns davon eine anschauliche Vorstellung gibt. Er berichtet nämlich, daß Konrad II. von besonderer Tugend und Tüchtigkeit gewesen sei, hebt ferner die bis nach Troja führende Reihe seiner Ahnen hervor und unterstreicht drittens, daß er fehlende Ämter und Lehen durch vornehme Herkunft, persönliche Integrität und reichen Privatbesitz ausgeglichen habe. Diese Laudatio war gewiß dazu angetan, die genannten Defizite des Herrschers vergessen zu machen. Denn tatsächlich war Konrad das Königtum nicht einfach in den Schoß gefallen. Die Jahre in der Opposition gegen Heinrich II., eine schwere Verwundung, die ihn monatelang ans Bett fesselte, und eine (erfolgreich bestandene) Fehde gegen Herzog Adalbero von Kärnten - all dies hatte den ersten salischen König hart gemacht. Wir dürfen ihn uns als zwei Meter hohen Recken von außerordentlichen Körperkräften vorstellen, dem die Gicht mitunter schwer zu schaffen machte. Doch nichts wäre falscher, als in ihm einen politischen Neuling zu sehen, der die Spielregeln der Macht nicht rechtzeitig erlernt hätte.

Eine erste Kostprobe davon legte er schon ab, als er bei der Frage der Königswahl seinen gleichnamigen Vetter überspielte und das Kunststück einer einmütigen Entscheidung ohne Gegenkandidaten zustande brachte. Dabei gelang es ihm, die Unterstützung des Erzbischofs Aribo von Mainz zu gewinnen, der als Wahlleiter die erste Stimme abzugeben hatte. Aber schon die anschließende Königskrönung zeigte, wie dünn das Eis in Wirklichkeit war, auf dem sich Konrad bewegen mußte. Aribo weigerte sich nämlich, neben dem Salier auch dessen Gemahlin Gisela am 8. September 1024 im Dom zu Mainz die Salbung zu erteilen, und so konnte ihre Weihe erst 13 Tage später in Köln stattfinden.

Die Hintergründe für diese merkwürdige Verzögerung werden sich wohl nie ganz aufklären lassen, aber sie sind wohl vor allem in zu naher Verwandtschaft der beiden Ehegatten zu suchen, denn in diesem Punkt war Aribo unerbittlich: Eine Verwandtenehe durfte niemals seinen Segen finden. Konrad fand jedoch einen passablen Ausweg. Er ließ sich zunächst allein die Salbung an Haupt, Brust, Schultern und Armen erteilen und bat anschließend Erzbischof Pilgrim von Köln um Hilfe, der zu Aribo in einem gewissen Konkurrenzverhältnis stand und das Kirchenrecht nicht ganz so penibel handhabte.

Dieser Kompromiß ist als taktische Meisterleistung zu bezeichnen, da er allen Beteiligten ermöglichte, ihr Gesicht zu wahren. Aber er dokumentiert uns auch, wie wichtig es für Konrad war, seine Herrschaft sakral legitimieren zu lassen. Ohnehin achtete der Salier peinlich genau darauf, daß sein Regierungsantritt in den richtigen Formen ablief. Am 4. Sep

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