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Die Staufer und ihre Zeit Leben im Hochmittelalter - Ein SPIEGEL-Buch

  • Erscheinungsdatum: 21.03.2011
  • Verlag: DVA
eBook (ePUB)
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Die Staufer und ihre Zeit

Das bekannteste Herrschergeschlecht des Hochmittelalters 130 Jahre lang herrschten die Könige und Kaiser der Staufer - von 1138 bis 1268. Ein Mythos sind sie bis heute, allen voran die charismatischen Kaisergestalten Friedrich I. Barbarossa und Friedrich II., dessen Reich sich von der Ostsee bis Sizilien erstreckte. Die Zeit der Staufer, das Hochmittelalter, war zugleich die Blütezeit der Ritter und Burgen, Handel und Städtebau boomten. Überragende Persönlichkeiten wie Hildegard von Bingen und Franz von Assisi nahmen Einfluss auf Glauben und Politik, Dichter schrieben geniale Werke wie den "Parzival". Häufig jedoch war der Alltag geprägt von harten Konflikten: Papst und Kaiser, König und Fürsten rangen um die Macht im Reich. SPIEGEL- Autoren und renommierte Mediävisten geben Einblick in diese bewegte Epoche. Sie porträtieren die staufischen Herrscher, zeigen, wie deren Untertanen lebten, und legen dar, warum die aus dem Schwäbischen stammende Staufer-Dynastie wie kein anderes deutsches Herrschergeschlecht zur Legende wurde. - Ein umfassender Einblick in die Epoche des Hochmittelalters - Kompakte Informationen: Herrscherporträts, Übersichtsdarstellungen, Essays - dazu zahlreiche Grafiken und Abbildungen

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 21.03.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641052034
    Verlag: DVA
    Größe: 1495 kBytes
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Die Staufer und ihre Zeit

KAISER UND MESSIAS

Schon im Mittelalter werden die Staufer-Kaiser zum Mythos - meist verherrlicht, aber auch verteufelt. Barbarossa entwickelt sich zum Helden der Deutschen, vor der Reichsgründung 1871 verkörpert er die politische Sehnsucht der Nationalbewegung.

Von Annette Großbongardt

Fünf Jahre lang gruben sich die Fürstlich-Schwarzburgischen Kumpel nun schon in den Berg am Südwestrand des Kyffhäuser-Gebirges, ganze 178 Meter tief hatten sie sich hineingearbeitet, doch den begehrten Kupferschiefer immer noch nicht gefunden. Da plötzlich, es war im Dezember 1865, vier Tage vor Weihnachten, brachen sie mit ihren Pickeln durch eine Wand, hinter der sich ein geheimnisvoller Hohlraum öffnete. Im Schein ihrer Grubenlaternen erblickten die Bergleute bizarre Gipsgebilde an Decken und Wänden. Sie hatten eine riesige Höhle aus Anhydrit-Gestein entdeckt, die sich in vielen Verzweigungen, so zeigte sich, über 13 000 Quadratmeter erstreckte.

Der Fund war so sensationell, dass bereits drei Wochen später die erste Gruppe durch die Höhle geführt wurde. Über 2600 Besucher kamen allein im ersten Jahr. Das Mineral Anhydrit quillt unter Feuchtigkeit auf und verwandelt sich, in phantastische Formen berstend, zu Gips.

Aber da war noch etwas anderes, das zur Faszination beitrug: Erzählte nicht die Sage, dass der legendäre Kaiser Barbarossa in einer unterirdischen Zuflucht schlafend darauf warte, im rechten Moment das deutsche Kaisertum zur Vollendung zu führen? Dass dieses Versteck im Harz, im Kyffhäuser, liegen könne, hatte bereits um 1421 der Geschichtsschreiber Johannes Rothe in seiner "Thüringischen Chronik" beschrieben. Er berichtet darin von einem "ketzerischen Glauben", nach dem "Keißer Frederich noch lebe unde der her wander zu Kuffhußen yn Doringen uf dem wüsten Sloße".

War die Felsengrotte mit ihren sonderbaren Gipsausformungen vielleicht dieses "wüste Schloss"? 1891 wurde die inzwischen sorgfältig vermessene Höhle mit elektrischer Beleuchtung ausgestattet - gerade rechtzeitig vor dem eigentlichen Ansturm. Denn zehn Kilometer weiter im Kyffhäuser-Gebirge wurde gerade ein Denkmal von nationaler Bedeutung errichtet: eine Heldengedenkstätte für den verstorbenen Kaiser Wilhelm I., der hoch erhoben und zu Ross über einer mächtigen Steinskulptur des Stauferkaisers Barbarossa thront.

Der Kyffhäuser - auf Ruinen der alten Reichsburg aus Stauferzeiten steht das 1896 eingeweihte Monument, das Kaiser Wilhelm I. als Vollender der Reichsidee Barbarossas feiert.

Hier, in den Ruinen der mittelalterlichen Reichsburg Kyffhausen, sollte die kaiserliche Linie von den Hohenzollern zurück zu den Staufern für alle sichtbar gezogen werden. "Auf dem Kyffhäuser, in welchem nach der Sage Kaiser Friedrich der Rotbart der Erneuerung des Reiches harrte, soll Kaiser Wilhelm der Weißbart erstehen, der die Sage erfüllt hat", heißt es in der Urkunde zur Grundsteinlegung im Mai 1892 - Barbablanca, der Heldenkaiser, der 1871 endlich die langersehnte Einheit der Deutschen zustande brachte.

Und in der Anhydrit-Höhle, die längst offiziell zur "Barbarossa-Höhle" erklärt war, stand nun ein steinerner Thron für den Kaiser mit Tisch davor, durch den, wie die Sage erzählt, sein Bart schon hindurchgewachsen ist. Die Rottlebener Höhle in der idyllischen Landschaft knapp 70 Kilometer nördlich von Erfurt kann man heute besichtigen, das Wilhelm-Denkmal "Für Kaiser und Reich" ist zum Museum geworden, inmitten der wunderschönen Kulisse der Burgruine. Der Kyffhäuser mit seinem gigantomanischen Denkmal markiert den Höhepunkt einer nationalen Überhöhung der Staufer, die das schwäbische Herrschergeschlecht zum Urbild des deutschen Kaisertums erhob.

Die Staufer waren - und sind - so beliebt wie keine andere Dynastie des Mittelalters, kein Ottone, kein Salier konnte es je mit ihnen aufnehmen an Popularität. Sie alle, o

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