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Die Vandalen von Vössing, Konrad (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.03.2018
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Die Vandalen

Die Vandalen haben eine ziemlich schlechte Presse. Nicht unbedingt zu Recht, wie der renommierte Althistoriker Konrad Vössing zeigt. Seine kompakte Darstellung widmet sich der kurzen Geschichte dieses germanischen Verbands, die weniger vom heute sprichwörtlichen Vandalismus zeugt, sondern vielmehr eine der erstaunlichsten Episoden der spätantiken Völkerwanderung bildet. Er erzählt vom rasanten Aufstieg und Fall der Vandalen, folgt ihnen von Mittel nach Südeuropa und bis in die nordafrikanische Kornkammer des römischen Reiches. Es wird klar, wieso sich die Vandalen dort im fünften Jahrhundert dauerhaft etablieren konnten und sogar zu einer tödlichen Gefahr für Rom und das gesamte weströmische Reich wurden - bis sie nur ein Jahrhundert später aus der Geschichte verschwanden. Dr. Hartmut Grote ist Forschungsgruppenleiter am GEO600, dem deutschen Gravitationswellendetektor in der Nähe von Hannover. Er gehört zu den führenden Gravitationswellenforschern hierzulande und weltweit.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 15.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406718823
    Verlag: Verlag C.H.Beck
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Die Vandalen

2. Die Vandalen in Mitteleuropa

Räume und Spielräume . Die vorgeschichtliche Herkunft der Vandalen liegt im Dunkeln. Historisch (im Sinn der Überlieferung) werden sie erst im Kontakt mit dem Imperium Romanum. Spätestens seit der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. kannten die Römer Vandali oder Wandali . Das Siedlungsgebiet der mit diesem Völkernamen bezeichneten Barbaren lag damals sicherlich in Mitteleuropa und außerhalb des Römischen Reiches. Eine genaue Lokalisierung ist jedoch schwierig. Für den Historiker Cassius Dio, der im frühen 3. Jahrhundert schrieb, entsprang die Elbe in den "vandalischen Bergen" (55,1,3), womit also entweder die Sudeten insgesamt oder das Riesengebirge gemeint ist. Aber antike geographische Definitionen sind oft wenig präzise. Derselbe Autor berichtet für 171 / 172 n. Chr. vom Auftauchen eines vandalischen Teilstammes, der "Hasdingen", an der Nordgrenze der Provinz Dakien, im heutigen Siebenbürgen. Sicher ist jedenfalls, dass die Vandalen auch in den folgenden Jahrhunderten immer im Raum nördlich der mittleren Donau anzutreffen waren (Karte 2).

Karte 2: Geographie nördlich der Donau

Die Hasdingen kamen nicht in feindlicher Absicht, sondern um wegen der Bedrohung durch andere Stämme Aufnahme ins Römische Reich für sich und ihre Familien zu erbitten, die ihnen allerdings nicht gewährt wurde (Dio 71,12). Immerhin wurde ein Abkommen geschlossen: Die Vandalen verpflichteten sich zur Waffenhilfe und durften als neue Verbündete Roms auf einen gewissen Schutz hoffen.

Um die Mitte des 3. Jahrhunderts - im Reich wechselten sich sogenannte Soldatenkaiser in schneller Folge ab, eine Instabilität, die nördlich der Grenzen nicht verborgen blieb - gehörten die Vandalen zu den Völkern, die versuchten, gewaltsam über die Donaugrenze nach Süden zu kommen. Unter Kaiser Aurelian (270-275) wurden sie indes besiegt, mussten zweitausend Reiter für das römische Heer stellen, und die Vornehmen des Stammes, darunter die beiden "Könige", wurden gezwungen, den Römern ihre Kinder als Geiseln zu übergeben (Dexipp, Fragment 30).

Namen und Traditionen . Wenn in diesen und anderen vereinzelten Nachrichten von Vandalen die Rede ist, wissen wir meistens nicht, ob deren Gesamtheit oder ein Teilstamm gemeint ist. Immerhin ist bei Cassius Dio von den Hasdingen die Rede, was heute mit 'Langhaarträger' übersetzt wird, ein Begriff, der besser auf ein vandalisches Adelsgeschlecht passt als auf einen ganzen Stamm. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts trug eine vandalische Königsdynastie diesen Namen. War dies auch schon im 2. Jahrhundert der Fall? Die Existenz eines Doppelkönigtums bei den Vandalen zur Zeit Kaiser Aurelians spricht jedenfalls dagegen, dass es damals nur eine einzige Königsfamilie gegeben hat.

Unabhängig von dieser wenig profitablen Quellenlage müssen wir schon in dieser Zeit mit der Weitergabe von Traditionen rechnen (auch wenn wir ihre Medien nicht kennen), nicht nur von Namen und Geschlechterfolgen, sondern auch von kultisch-sakralen Überlieferungen und von - wie auch immer verformten - historischen Ereignissen, wobei die Vandalen im 3. und 4. Jahrhundert wenig Kriegsglück hatten. Für die Zeit Kaiser Maximians (286-305) überliefern römische Beobachter eine spektakuläre vandalische Niederlage, wohl am Pruth, gegen gotische Rivalen. Auch unter Kaiser Konstantin (306-337) scheinen die Vandalen sich vor allem in der Defensive befunden und sich nur mit Mühe in ihrem Kerngebiet, das damals wahrscheinlich an der oberen Theiß lag, gegen gotische Gruppen verteidigt zu haben, die ihnen in Kampfesweise, Bewaffnung und wohl auch generell in kultureller Hinsicht sehr ähnlich waren.

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