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Die Wikinger von Simek, Rudolf (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2016
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Die Wikinger

Zum Buch Mit den Wikingern verbindet man oft die Vorstellung von beutegierigen und trinkfesten Seeräubern. Rudolf Simek konfrontiert im vorliegenden Band diese und andere Gemeinplätze mit den Ergebnissen der neuesten Forschung und entwickelt so auf ebenso verständliche wie anschauliche Weise das facettenreiche Bild einer faszinierenden Kultur, deren Spuren von Grönland bis nach Sizilien, von Amerika bis weit nach Rußland reichen. Rudolf Simek ist Professor für mittelalterliche deutsche und skandinavische Literatur an der Universität Bonn. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen vor allem zur Literatur und Kultur des mittelalterlichen Skandinavien vorgelegt. In der Reihe Beck Wissen liegen von demselben Autor vor: Die Edda (2007) und Götter und Kulte der Germanen (2016).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 136
    Erscheinungsdatum: 01.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406616242
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 2687 kBytes
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Die Wikinger

I. "Wir haben Fahrtwind selbst gegen den Tod" - "Nordisches Lebensgefühl" und die Gründe für die Entstehung der Wikingerzeit

Der von Skandinavien bis Neuseeland belegbare Wikingerboom der Gegenwart ist wohl als harmloses Phänomen zu erachten, auch wenn eine seiner Wurzeln, die Germanenmode vom Ende des 19. Jahrhunderts bis 1945, weniger harmlose Verwendung gefunden hat und deswegen nach dem 2. Weltkrieg auch weitgehend geächtet wurde und erst in der allerjüngsten Vergangenheit wieder etwas mehr Interesse erweckt (PM-Perspektive Nr. 39/1995: Die Germanen; Spiegel vom 28.10.1996: Die Germanen - unsere barbarischen Vorfahren). Eine Rückkehr der Germanentümelei ist jedoch wohl nicht zu befürchten, und die Wikingertümelei ist wenigstens außerhalb Skandinaviens eine recht periphere Erscheinung. Wenn die südwestenglische Stadt Tavistock 1997 ihre Brandschatzung durch Wikinger feiert und nachvollziehen will, oder wenn der erst im 19. Jahrhundert gegründete Ort Dannevirke auf North Island in Neuseeland der skandinavischen Herkunft seiner Bewohner mit einem Viking Festival unter Verbrennung eines Wikingerschiffes gedenkt, dann sind die zugrundeliegenden Beweggründe für derartige Feiern wohl nicht in dem Wunsch nach Rückkehr zu wikingerzeitlichen Bräuchen oder Idealen zu sehen. Ähnlich wie in den überaus zahlreichen skandinavischen Aktivitäten wird darin eher die Suche nach vorzeigbaren historischen Wurzeln deutlich, die der Identitätsfindung von Gemeinden oder Regionen in einer immer uniformeren und reglementierten Welt dienen. Diese Suche nach der historischen Dimension einer solchen Identität ist in Skandinavien, hier besonders in Schweden und Norwegen, und auf den nordatlantischen Inseln, insbesondere den Orkneys und Shetlands, längst mit dem Rekurs auf die Wikingerzeit entschieden. In Dänemark ist dies weniger offensichtlich, aber als man während des dänischen EU-Vorsitzes im ersten Halbjahr 1993 ein Schiff von einer bronzezeitlichen Felszeichnung als Logo wählte, wurde es - obwohl immerhin 3000 Jahre älter - durchwegs als Wikingerschiff bezeichnet.

Die Wikingerzeit scheint sich also offenbar als historische Größe im Bereich der Identitätsfindung einer erstaunlich großen Zahl von Ländern, Regionen und Gemeinden anzubieten. Natürlich stellt sich dabei die Frage nach dem Grund für dieses Phänomen, und den wiederum dürfte man in erster Linie im Bild der "Wikinger" in der öffentlichen Meinung zu sehen haben. Selbst wenn man, wie eine ZDF-Dokumentation am 3.11.1996, eine populäre Darstellung der Wikingerzeit mit dem Verweis auf die "metsaufenden Raufbolde" aus dem Norden beginnt, so ist es heute üblich, dieses Zerrbild sofort durch eine ausführliche Beschreibung wikingischer kultureller Leistungen zu konterkarieren. So auch im vorliegenden Fall, wo der Film den Titel "Genies aus der Kälte" trägt. Diese Entwicklung wurde im wesentlichen durch Peter H. Sawyers Buch The Age of the Vikings (London 1962) eingeleitet und ist heute für jeden Diskurs zum Thema Wikinger dominierend. Das Spannungsverhältnis zwischen den Wikingern als mörderischen Barbaren und den Wikingern als Kulturträgern ist wohl einer der Hauptgründe für den gegenwärtigen Wikingerboom: In einer reglementierten, bürokratisierten Welt, in der jedes triebhafte Ausleben des menschlichen Aggressionspotentials streng geahndet wird, muß die - seinerzeit wenigstens innerhalb Skandinaviens - sozial akzeptable Form organisierten Aggressionsverhaltens der Wikingerzeit ideal verklärt als Ventil für entsprechende (auch unterbewußte) Wunschvorstellungen heute herhalten. Andererseits hat die Hervorhebung der kulturellen und organisatorischen Leistungen der Wikingerzeit den Vorwurf entkräften helfen, die Wikinger hätten sich auf einer noch barbarischen Kulturstufe befunden. Der Vergleich mit Skythen, Awaren, Magyaren und Mongolen, die trotz einer von ihrer Umwelt als ähnlich barbarisch empfundenen Kriegsführung eine ebenfalls ni

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