text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Essen und Trinken im Mittelalter von Schubert, Ernst (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2016
  • Verlag: WBG Philipp von Zabern
eBook (ePUB)
15,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Essen und Trinken im Mittelalter

Essen und Trinken im Mittelalter - hier geht es um ein grundlegendes Thema der Menschheit, grundlegend jedenfalls für Zeiten, die Nahrungsmittel nicht im Überfluss kannten, meist sogar Mangel litten. Ernst Schubert macht aus einem kulinarischen Thema eine umfassende Kultur- und Mentalitätsgeschichte des Mittelalters. Er berichtet vom Fleisch und vom Metzger, vom Bier und vom Wein, vom Hering und vom Stockfisch, vom höfischen Festmahl ebenso wie von den kargen Speisen des gemeinen Mannes und der Hungersnot. Höchst anschaulich und immer nah an den Quellen erzählt, bürstet Ernst Schubert das Thema aber auch konsequent gegen den Strich, räumt mit vielen Vorurteilen der Ritterromantik und der Tournierspektakel auf. Die konkrete Realität, auch die Derbheit des täglichen Lebens ist ihm ein Anliegen, und da das Spektrum seiner Darstellung immens ist, wird so fast der ganze mittelalterliche Kosmos des Alltagslebens lebendig. Ernst Schubert (1941-2006) war Professor für niedersächsische Landesgeschichte und Direktor des Instituts für historische Landesforschung an der Universität Göttingen. Bei der WBG erschienen von ihm u.a. 'Im Schatten der Kathedrale? (zusammen mit Gerd Althoff und Hans-Werner Goetz) und ?Essen und Trinken im Mittelalter? (Sonderausgabe 2010), ?Räuber, Henker, arme Sünder? (2007).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 443
    Erscheinungsdatum: 01.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783805349840
    Verlag: WBG Philipp von Zabern
    Größe: 6240 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Essen und Trinken im Mittelalter

1. "Wenn der heiße Hunger durch das Land fährt": Not und Angst als Hintergründe des mittelalterlichen Alltags

Bevor überhaupt die Geschichte der Nahrungsmittel dargestellt werden kann, ist über den Hunger zu sprechen. Es geht dabei nicht um die jedermann schon im Mittelalter bekannte Tatsache, daß der Hunger der beste Koch ist, 1 es geht um die existentiellste Frage, die sich den Menschen stellte. Im Vaterunser betete man mit größerer Inbrunst als heute vorstellbar ist: Unser täglich Brot gib uns heute. Mindestens einmal in seinem Leben erlebte ein Mensch eine extreme Teuerung, wenn nicht gar eine fürchterliche Hungersnot. Auch ansonsten gehörte der knurrende Magen zum Leben. In den Märchen wird der Traum, König zu werden, in der Vorstellung konkretisiert, stets gut essen zu können. Erst vom Hunger her ist zu begreifen, warum die Menschen trotz aller Gefahren in Küstennähe, in hochwassergefährdeten Gebieten siedelten, warum sie die Qualen der Binnenkolonisation auf sich nahmen.

Die Hungersnöte erweisen, daß die Geschichte nur an ihrer Oberfläche von Menschen gestaltet wird, daß die Natur sowohl im Geben als auch im Verweigern die bestimmende Kraft gewesen ist. Der Hunger begleitete den Menschen seit prähistorischer Zeit. 2 Seine Nöte suchen selbst die größten Kulturen heim, sei es die vorderasiatische, die antike oder die chinesische Welt. 3 Die große Ausnahme bildet die Harappa-Kultur mit ihrem Hauptort Mohenjodaro. Skelettuntersuchungen haben hier das Fehlen von Hungerkrisen nachgewiesen. 4 Obwohl Ernährungskrisen ein zentrales Thema der Universalgeschichte bilden, gilt die 1990 getroffene Feststellung nach wie vor: Die Geschichte des Hungers ist zum großen Teil ungeschrieben. Die Hungernden schreiben selten Geschichte und die Historiker sind selten hungrig. 5

Weder Hungersnöte noch Teuerungen haben allein ökonomische Ursachen; sie sind nicht schlichtweg aus der sozialen Ungleichheit abzuleiten. Die von der Natur gewährte Nahrungsdecke ist zu kurz: physische Ursachen. Ein arabischer Reisender des 10. Jahrhunderts stellte fest: "Hungersnot entsteht in den nordischen Ländern nicht infolge von Regenmangel und anhaltender Dürre, sondern lediglich infolge von Regenmenge und anhaltender Nässe." 6 Die mittelalterlichen Chronisten, die immer wieder auffallende Witterungserscheinungen notieren, bestätigen diese Aussage. Besorgt blickten die Menschen gen Himmel. 7 Zu lange Winterfröste und stark verregnete Sommer erzeugten dabei die größten Ängste.
"Fames et mortalitas" - die Hungersnöte des frühen und hohen Mittelalters

Die dichte Quellenüberlieferung - Allgemeine und regionale Hungersnöte - Die Notzeiten des 12. Jahrhunderts - Der "heiße Hunger" und seine Opfer - Hungerkrisen und Ergotismus

Bereits 1901 hat Fritz Curschmann in einer klassisch gewordenen Studie die früh- und hochmittelalterlichen Hungersnöte, die überregionalen Charakter hatten, quellennah untersucht und in einer Liste zusammengestellt, 8 die seitdem nur wenige Ergänzungen erfahren hat. Allgemeine Hungersnöte gab es demzufolge seit karolingischer Zeit bis zum Hochmittelalter in den Jahren: 779/80, 792/93, 9 805-809, 10 843, 11 868, 12 873/74, 941, 1005/6, 1031, 1043-45, 1095, 13 1099-1101, 1124-26, 1145-47, 1150/51, 14 1161/1162, 15 1195-98, 16 1225/26.

Hunger und Sterblichkeit hängen im Frühmittelalter eng zusammen. Das bezeugen die Chronisten. "Fames et mortalitas" sind für die Zeitgenossen untrennbare Begriffe. 17 Die Auflistung der großen europäischen Hungerszeiten bis 1225/26 läßt erkennen, daß diese mindestens zwei Jahre währen. De

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen