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Geld und Freunde Wie die Medici die Macht in Florenz eroberten von Reinhardt, Volker (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.05.2014
  • Verlag: Primus
eBook (PDF)
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Geld und Freunde

Machtgewinn und Machtbehauptung der Medici im Florenz des 15. Jahrhunderts waren schon für die Zeitgenossen ein Lehrstück der Politik: Wie konnte es gelingen, scheinbar übermächtige Gegner aus älteren und vornehmeren Familien zu verdrängen? Wie ließ sich eine vorher relativ offene Republik so umformen, dass der Wille der Medici maßgeblich und durchsetzbar wurde? Als packendes Drama in fünf Akten erzählt Volker Reinhardt den Machtkampf der Medici - mit Cosimo de Medici als 'Hauptdarsteller'. Von ihm lässt sich lernen: Wie man Geld in Macht ummünzt, durch nützliche Netzwerke dauerhaften Einfluss ausübt und den Schein zur Verwandlung des politischen Seins einsetzt. Was sich in Florenz zwischen etwa 1400 und 1450 abspielte, ist zeitbedingt und zeitlos zugleich.

Volker Reinhardt, geb. 1954, lehrt allgemeine und Schweizer Geschichte an der Universität Fribourg/Schweiz. Er ist einer der renommiertesten Kenner der neuzeitlichen Geschichte Italiens und Roms. Bei der WBG erschienen von ihm u.a. 'Kardinäle - Künstler - Kurtisanen. Wahre Geschichten aus dem barocken Rom' (2004), 'Blutiger Karneval. Der Sacco di Roma 1527' (2. Aufl. 2009) und 'Rom. Geschichte der ewigen Stadt' (zus. mit Michael Sommer, 2008).

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 144
    Erscheinungsdatum: 01.05.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783896789464
    Verlag: Primus
    Serie: Geschichte erzählt Bd.17
    Größe: 1094 kBytes
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Geld und Freunde

Das politische System

E rste Erschütterungen waren lange vor dem großen Beben spürbar. Im Frühjahr 1402 notiert der reiche Kaufmann und einflussreiche Politiker Buonaccorso Pitti in seiner für den Hausgebrauch geführten Chronik:

Und so scheint mir, dass wir in so große Selbstsucht und in eine so heillose Unordnung abgesunken sind, dass wir uns gegen einen Angriff des Kaisers oder eines anderen mächtigen Herrn nicht behaupten könnten - so tief ist die Spaltung unter den Reichen und Mächtigen unseres Regiments. Ihrem Parteigeist und heimlichen Hass aufeinander opfern sie das Wohl und die Ehre der Kommune. 2

Ideal und Realität klafften auseinander. Wie das Gemeinwesen beschaffen sein sollte, steht seit je her unverrückbar fest. Gemeinsinn soll vor Eigennutz rangieren. Doch das war ein Thema für Sonntagsreden. Wenn der Vater dem Sohn Ratschläge fürs Leben erteilte, hörte es sich anders an.

Dies vor allem möchte ich denjenigen, die meine Aufzeichnungen lesen, ans Herz legen und einschärfen: Trennt euch nie, sei es aus Furcht, sei es als Folge von Schmeichelei, von eurem Besitz und eurem Rang und ebenso wenig von euren Verwandten und euren Freunden; denn auf diese und ihre Hilfe vertrauen alle anderen. 3

Und die anderen haben damit Erfolg. Im Gegensatz zu uns. Daher müssen wir werden wie die anderen: schlau, zielstrebig und eigennützig. So Giovanni di Pagolo Morelli in seinen ebenfalls nur für die Familie bestimmten Notizen. Darin stimmt er mit dem viel reicheren und vornehmeren Neri Capponi voll und ganz überein.

Verbündet euch vor allem mit euren Nachbarn und Verwandten. Und helft euren Freunden innerhalb wie außerhalb der Stadt. 4

So sah die tatsächliche Ausbildung zum Politiker in Florenz aus. Dagegen ließ sich trefflich predigen; auszurichten war dagegen nichts. Nieder mit den Netzwerken, die die Republik zersetzen - es leben die nützlichen Freunde, die allein Beistand in der Not garantieren. Das ganze Dilemma der Republik Florenz liegt in diesem Gegensatz.

Ab 1425 machte sich ein noch viel tieferes Unbehagen am Zustand des Gemeinwesens breit. Und wieder wurden die üblichen Klagen laut: Eigennutz herrscht vor, das Gemeinwohl wird mit Füßen getreten; Rückbesinnung auf die gemeinsamen Verpflichtungen zum Schutz des Freistaats, zu Solidarität und Brüderlichkeit ist daher vonnöten. Doch die Rufe verhallten ungehört. Es führte kein Weg zurück.

Wahr ist, dass die einen Rivalitäten der Republik schaden und die anderen ihr nützen. Zerstörerisch sind diejenigen, die mit Interessengruppen und Netzwerken zu tun haben, heilsam die, die davon frei sind. [...] Die Feindschaften in Florenz waren stets von klientelären Spaltungen geprägt und daher unheilvoll; nie blieb eine solche Partei in sich geschlossen, es sei denn, sie hatte eine bedrohliche Gegenpartei. [...] In Florenz waren, wie mehrfach erwähnt, zwei herausragende Bürger, Cosimo de' Medici und Neri Capponi. Neri hatte sein Ansehen auf öffentlichen Wegen erworben, deshalb hatte er viele Bewunderer, aber wenig Gefolgsleute. Cosimo hingegen, der durch öffentliche wie heimliche Methoden aufgestiegen war, hatte nicht weniger Bewunderer als Anhänger. 5

So lautet die achtzig Jahre nach den Ereignissen gestellte Diagnose des Staatstheoretikers und Historikers Niccolò Machiavelli. Sie beschreibt einen politischen Krankheitszustand: Florenz, die von Cliquen beherrschte Republik. So war es, und so wird es bleiben. Die Medici bilden in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Denn sie haben zwar gewisse Verdienste um das Gemeinwohl, im Wesentlichen aber sind sie mit ihrer Klientel aufgestiegen. Deshalb werden sie über kurz oder lang auch von einer neu emporgekommenen Interessengruppe gestürzt werden. Das ist der Fluch von Florenz: Die wenigen Uneigennützigen wie Neri Capponi werden von der Masse der Egoistischen übe

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