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Konstantinopel Geschichte und Archäologie von Schreiner, Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.09.2015
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
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Konstantinopel

Das einst von Griechen gegründete Byzantion wurde von Kaiser Konstantin I. 324 n. Chr. zum neuen Zentrum im Osten des Reiches erkoren und nach seinem Namen Konstantinopel ("Die Stadt Konstantins") genannt. Die ursprüngliche Fläche der Stadt ließ Konstantin auf das Fünffache vergrößern, nach dem Vorbild Roms in vierzehn Regionen einteilen und unter anderem mit einem Kapitol, einem Hippodrom, einem Forum und einer Hauptverkehrsachse in ost-westlicher Richtung ausstatten. Binnen kurzem wurde Konstantinopel zum Mittelpunkt des Reiches und behauptete diesen Rang für mehr als eintausend Jahre. So repräsentierte Konstantinopel - das nach der Eroberung durch die Türken im Jahr 1453 Hauptstadt des Osmanischen Reiches wurde - nicht nur die griechisch-römische Welt, sondern auch das christliche Mittelalter. Jede Epoche hat ihre baugeschichtlichen Spuren in dieser einzigartigen Metropole hinterlassen. Peter Schreiner erhellt in dem vorliegenden Band die wichtigsten Stadien der Entwicklung Konstantinopels und erläutert sie vor dem jeweiligen Hintergrund der Politik-, Kultur-, Religions- und Wirtschaftsgeschichte.

Peter Schreiner ist Professor emeritus für Byzantinistik an der Universität zu Köln. Darüber hinaus war er Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Studienzentrums in Venedig und ist korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Akademie der Wissenschaften in Göttingen. Er ist Ehrendoktor der Universitäten Tarnovo, Belgrad, Sofia, Galati und Komotini.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 15.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406684210
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 3221 kBytes
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Konstantinopel

II. Konstantinopel als Reichszentrum - die räumliche Entwicklung im politischen Kontext

1. Der lange Weg zur mittelalterlichen Stadt: Byzantion

"Das Meer formt eine Girlande um die Stadt". Mit diesen Worten charakterisierte der Historiker Prokop im 6. Jahrhundert n. Chr. treffend die Lage der Stadt, die zwischen dem Marmarameer und dem elf Kilometer langen Goldenen Horn, das schon die antik-griechischen Quellen so bezeichnen (Keras, Chrysokeras) , in Form eines Dreieckes (wie zeitgenössische Autoren immer wieder feststellen) angelegt war. Hügel, deren Höhe selten 50 m überschreitet, und Senken - wie der Flußlauf des Lykos sogar ein richtiggehendes Tal - bestimmen das Stadtbild. Die Vorstellung von genau sieben Hügeln, die erst seit dem 10. Jahrhundert in byzantinischen Quellen auftaucht und gut in den Rahmen der Imitation des alten Roms zu passen scheint, gehört topographisch gesehen in das Reich der Phantasie, auch wenn kaum eine moderne Darstellung verzichtet, als unumstößliche Tatsache ausdrücklich darauf hinzuweisen. Das Gelände fiel zu den Seeseiten hin rasch und teilweise recht steil ab und zwang besonders hier, aber auch vielfach an anderen Stellen, zu einer Hang- und Terrassenbauweise.

Das Klima, das die Lebensformen der Bewohner prägte, war auch in der Antike und im Mittelalter gemäßigt kontinental, bestimmt von der Landmasse Kleinasiens und des Balkans einerseits und dem Schwarzen Meer andererseits. Wenn die heutigen Mittelwerte im Januar zwischen 2,7° und 8° Celsius erreichen, und im Juli der untere Mittelwert 18° ist, so dürfen wir mit ähnlichen Zahlen auch für Antike und Mittelalter rechnen, obgleich die Forschung zunehmend Klimaschwankungen nachweisen kann. Wenn man bedenkt, daß die Stadt fast wie Neapel am 41. Breitengrad liegt, im Winter aber regelmäßig Schnee fällt und heute - aber auch im Mittelalter (wo die Quellen darüber berichten) - Eisschollen aus dem Schwarzen Meer herangeführt werden, die im 10. Jahrhundert sogar die Seemauern beschädigten, so wird der Unterschied zur mediterranen Welt noch deutlicher. Gemeinsam mit vielen Ländern des Mittelmeerraumes ist Konstantinopel - gelegen an der geologischen Berührungszone zwischen anatolischer Platte und italisch-balkanischer Platte - die hohe Erdbebenhäufigkeit, die die Bau- und Siedlungsgeschichte in Mittelalter und Neuzeit bestimmt. So wurde Konstantinopel zwischen dem 4. Jahrhundert und dem 15. Jahrhundert von rund 50 in Quellen erwähnten Erdbeben heimgesucht, doch lag ihre tatsächliche Zahl weitaus höher.
2. Besiedlung und städtische Anlagen vor Konstantin dem Großen

Der Großraum der späteren Stadt weist schon in neolithischer Zeit am Ende des 3. und zu Beginn des 2. Jahrtausends Besiedlungsspuren auf. Auf asiatischer Seite, im heutigen Kadiköy, gab es bereits vor 700 v. Chr. eine phönizische Handelsniederlassung, der um 660 v. Chr. an der heutigen Serailspitze eine Konkurrenzniederlassung von Händlern aus Megara - unweit vom Isthmos von Korinth gelegen - folgte, die nach dem legendären Gründer Byzas (kein griechischer, sondern ein thrakischer Name) Byzantion genannt wurde. Möglicherweise wurde eine thrakische Siedlung von Griechen (die auch an vielen anderen Stellen, vor allem aber am Schwarzen Meer Kolonien gründeten) unterwandert, und die "Erinnerung" an den fremdstämmigen Gründer spiegelt sich in der gräzisierten Namensform wider. Die Ansiedlung besaß eine befestigte Akropolis (im Bereich des heutigen Topkapi Sarayi) und eine Reihe von Tempeln, die bei Xenophon, Cassios Dio und byzantinischen Historikern erwähnt werden. Von besonderer Bedeutung waren schon damals die Häfen am Goldenen Horn.

Politisch stand die Stadt zunächst unter persischer Souveränität und gelangte dann in den Einflußbereich der makedonischen Könige. 146 v. Chr. stellte sich Byzantion unter den Schutz Roms. Es blieb vom Grundriß her immer eine hell

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