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Kontrolle der Macht Formen und Regeln politischer Beratung im Mittelalter von Althoff, Gerd (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2016
  • Verlag: WBG Academic
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Kontrolle der Macht

Die sogenannte konsensuale

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 360
    Erscheinungsdatum: 01.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534740949
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 1993 kBytes
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Kontrolle der Macht

II. Karolingerzeit

1. Der consensus fidelium in Merowinger- und früher Karolingerzeit

Es bedarf sicher einer Begründung, die eigentliche Untersuchung erst in der Karolingerzeit zu beginnen. Die Entscheidung resultiert aus vielen Beobachtungen der Forschung, dass sich in dieser Zeit die Nachrichten über die Beratung der Herrscher mit geistlichen und weltlichen fideles massiv häufen. Mit guten Gründen ist aus diesem Befund schon der Schluss gezogen worden, dass die Karolinger die Problematik ihrer Usurpation der Macht zu kompensieren versucht hätten, indem sie stärker betonten, ihre Herrschaft auf dem consensus ihrer fideles zu gründen. 68 Zu deutlich ist in den frühkarolingischen Quellen das Bemühen, in wichtigen Fragen wie der Herrschaftsnachfolge oder der Italien- und Langobardenpolitik den Konsens des fränkischen Adels zu betonen, weil dessen Proteste gegen bestimmte karolingische Maßnahmen offensichtlich unüberhörbar waren und mehrfach Konflikte drohten, wenn die Karolinger gegen die Interessen dieses Adels handelten. 69

Ob diese Betonung des consensus fidelium allerdings schon früh eine wirkliche Partizipation von Kirche und Adel bei wichtigen Entscheidungen anzeigte, ist damit noch nicht gesagt. Gerade aus der Zeit Karls des Großen gibt es einige Anzeichen dafür, dass der Konsens zu herrscherlichen Maßnahmen kaum eine eigenständige Entscheidung der Großen darstellte, sondern eher als eine akklamierende Zustimmung zu dem zu verstehen ist, was der Herrscher öffentlich ankündigte. Dennoch ist insgesamt nicht zu übersehen, dass die in Historiographie und Hagiographie, Kapitularien und Konzilsakten, Briefen und Urkunden in verschiedenen Varianten begegnende Formel vom consensus fidelium , auf dem die Königsherrschaft gründe, für die Karolingerzeit aufgrund ihrer Omnipräsenz auf historische Veränderungen weist, die auf einen gestiegenen Stellenwert der Partizipation von Kirche und Adel an der Königsherrschaft deuten.

Mit dieser Entscheidung für einen späten Anfang der Untersuchung soll jedoch nicht in Abrede gestellt werden, dass bereits in der Merowingerzeit Nachrichten über die Beratung des Königs mit geistlichen bzw. weltlichen Großen begegnen, seltener allerdings mit Angehörigen beider Gruppen zugleich. Jürgen Hannig hat detailliert untersucht, wie sich der Gedanke vom consensus fidelium zu den Aktivitäten des Herrschers von der Merowinger- zur Karolingerzeit intensivierte. Er hat jedoch nicht von einer scharfen Zäsur zwischen den einschlägigen Erscheinungen in beiden Epochen gesprochen, sondern von einer "breiten Zwischenzone", in der Fragen aus den Bereichen Religion und Politik nicht als Angelegenheiten getrennter Sphären betrachtet, sondern als Probleme aufgefasst wurden, die gemeinsamer Anstrengungen des Königs und der geistlichen bzw. weltlichen Gewalten bedurften. 70 Dies wies auf den Weg der Beratung.

Zu beobachten ist nämlich bereits unter den Merowingern sowohl die Beteiligung des Herrschers und vornehmer Laien an den Konzilien, also weltliche Beteiligung an kirchlichen Beratungen, wie die Beteiligung der Bischöfe an herrscherlichen Entscheidungen und Maßnahmen im Rahmen von Hoftagen. 71 Schon Gregor von Tour bietet denn auch instruktive Beispiele für das Bewusstsein der Bischöfe, dass sie eine Aufsichtspflicht auch über die Handlungen des Königs hätten, gemäß jener Ezechiel-Stelle (33, 6): "Wo der Wächter (speculator) sähe die Sünde eines Menschen und sagte sie nicht an, so wäre er schuldig an der verlorenen Seele." 72 Diese Bibelstelle hat Gregor nach eigener Aussage seinen Mitbischöfen in Erinnerung gerufen, als König Chilperich von ihnen verlangte, ihren Mitbischof Praetextatus wegen verschiedener Vergehen gegen den König zu verurteilen.

Gregor hat die Ungnade des Königs riskiert, als

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