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Merowinger und Karolinger von Becher, Matthias (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2012
  • Verlag: WBG Academic
eBook (ePUB)
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Merowinger und Karolinger

Das Frankenreich unter den Merowingern und Karolingern, auf ehemals römischem Territorium entstanden, wuchs in die Rolle der dominierenden Macht im westlichen Europa hinein. Dabei entwickelte es Strukturen, die beispielhaft für benachbarte Regionen werden sollten. Ohne das Vorbild des Frankenreiches wären viele Entwicklungen im Mittelalter kaum vorstellbar: die Christianisierung, die karolingische Kultur, die Ausbildung mittelalterlicher Herrschaftsstrukturen wie das Lehnswesen und die Grundherrschaft, das Kaisertum. Matthias Becher, einer der wichtigsten Historiker der fränkischen Epoche, beschreibt anschaulich Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden bedeutenden Dynastien und wie sie mit ihren jeweiligen Mitteln Herrschaft, Kultur und Institutionen des mittelalterlichen Europa schufen. Matthias Becher ist Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Bonn.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 167
    Erscheinungsdatum: 01.02.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534714247
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 1394 kBytes
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Merowinger und Karolinger

II. Strukturen des Frankenreiches

1. Die ideellen Grundlagen königlicher Macht

Angesichts der Zerstrittenheit der Merowinger überrascht ihre fast drei Jahrhunderte währende Herrschaft über das Frankenreich. Warum konnten sie sich so lange halten, auf welchen Grundlagen beruhte ihre Macht? Bis vor kurzem wurde diese Frage mit einem Verweis auf das sogenannte Königsheil beantwortet. Besonders die deutsche Forschung war der Meinung, man könne aus den Quellen einen Anspruch der Merowinger erschließen, von einem Stiergott abzustammen und über magische Kräfte zu verfügen. Außerdem habe diese Vorstellung auch über die Christianisierung hinaus in der Idee weitergelebt, das "Königsheil" sei für das Wohlergehen des Volkes unverzichtbar. Das äußere Zeichen dieser Magie seien die langen, gelockten Haare der Merowinger gewesen, die als Symbol ihrer besonderen Fruchtbarkeit verstanden worden seien.

Dagegen lässt sich einwenden, dass die angebliche Abstammung der Merowinger von einem Stiergott erst relativ spät bezeugt ist, nämlich durch die Chronik des sogenannten Fredegar um 660. Zudem ist dieser Bericht deutlich von antikem Bildungsgut beeinflusst und sollte die Dynastie möglicherweise sogar verunglimpfen. Das lange Haar der Merowinger galt den Zeitgenossen zwar als sicheres Zeichen ihrer Zugehörigkeit zur Königsfamilie, aber der sakrale Bezug ist keineswegs zwingend. Vielmehr erweist es sich bei näherem Zusehen als vieldeutiges Zeichen, denn es symbolisierte in Spätantike und Frühmittelalter ganz allgemein eine exklusive Stellung in der Gesellschaft. Möglich sind sogar alttestamentarische Bezüge der merowingischen Haartracht. Weder die tierisch-göttliche Abstammung noch die langen Haare können daher als sichere Indizien germanisch-heidnisch-sakraler Vorstellungen gelten, die bei den Merowingern weit über ihre Christianisierung hinaus wirksam gewesen seien.

Auf der sicheren Seite ist man daher, wenn man statt der heidnisch-germanischen die christlich-römischen Grundlagen der merowingischen Königsherrschaft seit Chlodwig betont. Das Christentum stabilisierte die herrschaftliche Ordnung, da die Christen im König die irdische Spitze der von Gott gewollten Ordnung sahen. Für die Galloromanen und auch für die zahlreichen Krieger fränkischer oder anderer Herkunft war es vermutlich wichtig, dass Childerich und Chlodwig nicht nur fränkische Könige waren, sondern auch römische Ämter und Funktionen innehatten. Besonders spektakulär war dabei Chlodwigs Ernennung durch den Kaiser zum Konsul und Patrizius im Jahr 508. Um Erwartungen ihrer galloromanischen Untertanen zu entsprechen, imitierten die Merowinger bis weit ins 6. Jahrhundert hinein Formen der kaiserlichen Repräsentation, auch wenn Ostrom im Laufe der Zeit an Bedeutung für die Galloromanen verlor.
2. Die realen Grundlagen königlicher Macht

Die Stellung des Königs in der 'Verfassung' des Reiches lässt sich folgendermaßen beschreiben: "Die rechtliche Grundlage für die königliche Herrschaft ist die auf dem Bann beruhende Befehlsgewalt, lateinisch als regnum, imperium, potentia oder auch maiestas bzw. mit dem lateinisch-germanischen Rechtswort als bannus oder bannum bezeichnet" (K AISER , Merowingerreich, S. 87). Der König besetzte die wichtigen kirchlichen und weltlichen Ämter, befehligte das Heer und führte das, was wir Außenpolitik nennen. Außerdem verfügte er über die fiskalischen Einnahmen und erließ die Gesetze. Früher postulierte die Forschung eine konkurrierende Gesetzgebungskompetenz der Volksversammlung, sprach sogar von 'Volksrecht' und 'Königsrecht', doch ist diese Ansicht überholt. Keine seiner Aktivitäten und schon gar nicht die als Gesetzgeber entwickelte der König allein, wie ein absoluter oder autokratischer Herrscher. Vielmehr beriet er sich immer mit den Großen des Reiches, entweder mit einer größe

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