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Ritter im Exil Die Geschichte der Johanniter von Schneider-Ferber, Karin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2016
  • Verlag: WBG Theiss
eBook (ePUB)
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Ritter im Exil

Akkon 1291: Die Eroberung des letzten christlichen Stützpunkts im Heiligen Land durch die Mamluken markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der Ritterorden. Für den ?Orden des Heiligen Johannes vom Spital zu Jerusalem? beginnt eine jahrhundertelange Phase des Exils und der Neuorientierung. Auf Zypern, dann auf Rhodos und schließlich auf Malta finden die Johanniter ein neues Zuhause und versuchen dort, den alten Ordensidealen neues Leben einzuhauchen. Es gelingt den Rittern, sich in einer Kombination aus Kampf gegen die muslimische Expansion im Mittelmeer und karitativem Engagement neue Reputation in einer gewandelten Welt zu verschaffen. Erst Napoleon beendet 1798 ihre Herrschaft auf Malta. Das prächtige architektonische und künstlerische Erbe des Ordens in Rhodos-Stadt und Valletta legt bis heute Zeugnis von seiner einstigen Bedeutung ab. Karin Schneider-Ferber erzählt die ebenso wechselvolle wie spannende Geschichte der Johanniter und ihr Weiterleben nach dem Ende der Kreuzzüge. Karin Schneider-Ferber hat Mittelalterliche Geschichte, Bayerische Landesgeschichte und Kunstgeschichte an der Universität Augsburg studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin und Sachbuchautorin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 01.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783806234336
    Verlag: WBG Theiss
    Größe: 3390 kBytes
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Ritter im Exil

1 Traum und Trauma:

Die Johanniter im Heiligen Land

Crac des Chevaliers in Syrien: strategischer Stützpunkt des Johanniterordens von 1142 bis 1271


Die Katastrophe: Die Niederlage von Akkon

Die Apokalypse fand an einem Freitag statt. Schon vor Morgengrauen kündete sie sich vernehmbar durch das Schlagen von Kriegstrommeln an. "Und als der Freitag kam, noch vor Tagesanbruch, ertönte sehr laut eine große Pauke, und beim Ton dieser Pauke, die eine schreckliche und gewaltige Stimme hatte, griffen die Sarazenen die Stadt Akkon von allen Seiten an", berichtet ein anonymer Augenzeuge, den man "Templer von Tyrus" nennt, über den Schicksalstag der christlichen Kreuzfahrerstaaten im Heiligen Land, den 18. Mai 1291. 1 Welle um Welle rückten die Männer des Mameluckensultans al-Aschraf Khalil auf die Stadtmauer der Stadt Akkon in Galiläa vor. Zuerst die Schildträger, dahinter die Soldaten, die griechisches Feuer verschossen, zuletzt Speerträger und Bogenschützen, die ihre Wurfgeschosse so dicht abschossen, "dass es wie ein Regen war, der vom Himmel kam".

Die bereits seit sechs Wochen belagerte und durch riesige Katapulte und Wurfmaschinen sturmreif geschossene Festungsstadt, die nur von etwa 800 bis 1000 christlichen Rittern und 14.000 Fußkämpfern verteidigt wurde, hielt dem Ansturm der weit überlegenen muslimischen Kräfte nicht stand. Die Mamelucken überwanden den äußeren Mauerring, erzwangen sich durch zwei Tore des inneren Rings in der Nähe des "Turmes der Verdammnis" den Zugang in die Stadt und ergossen sich ins Stadtzentrum. "Das Werfen des Feuers und das Schießen der Pfeile hörten nicht auf, und der Kampf von Mann gegen Mann dauerte bis zur dritten Stunde", berichtet der anonyme Kriegsteilnehmer über den weiteren Fortgang des Geschehens. Für die Verteidiger der Stadt, zu denen neben kleineren militärischen Kontingenten aus Europa und des Königreichs Jerusalem und Zypern als kampferprobte Elite die Ritter des Templer- und des Johanniterordens sowie des Deutschen Ordens zählten, gab es nichts mehr zu wenden. Der Großmeister der Tempelritter, Guillaume de Beaujeu, wurde im Kampfgetümmel von einem Speer tödlich verletzt, Jean de Villiers (reg. 1285-1293), der Großmeister der Johanniter, musste mit einem Lanzenstich zwischen den Schulterblättern von den Mauern getragen werden.

Panikartig flohen die Bewohner Akkons zum Hafen, um auf einem der begehrten Schiffe dem Chaos zu entfliehen. Doch die wenigsten konnten sich retten, darunter König Heinrich II. von Jerusalem und Zypern, Otto von Grandson, der Befehlshaber eines englischen Kontingents, und der schwer verwundete Jean de Villiers, die in letzter Minute über den Seeweg entkamen. Die meisten Bewohner wurden in den engen Gassen der Altstadt von den wütenden Eindringlingen getötet. Der muslimische Chronist und Augenzeuge Abu'l-Fida berichtet über den Schrecken, den die Stadt an diesem Tag durchlebte: "Als die Muslime eindrangen, floh ein Teil der Bevölkerung auf den Schiffen, während viele andere sich in einigen stark befestigten Türmen der Stadt verschanzten. Die Muslime richteten in Akkon ein ungeheures Blutbad an und machten unermessliche Beute." 2 Ein Konvent der Dominikaner ging mit dem Hymnus "Veni Creator Spiritus" auf den Lippen in den Tod. Angehörige des Franziskaner- und des Klarissenordens wurden niedergemetzelt, Frauen und Kinder gerieten in Gefangenschaft, um als Sklaven verkauft zu werden. Nur die befestigten Türme der Ritterorden boten noch einigen Schutz. Vor allem der wehrhafte Turm der Templer war baulich dazu angetan, sich noch einige Tage als letzte Bastion des Widerstandes zu halten.

Angesichts der zahlenmäßigen Überlegenheit der Sultansarmee konnte jedoch nichts darüber hinwegtäuschen, dass der 18. Mai 1291 das Ende Akkons und damit der christlichen Kreuzfahrerstaaten im Heiligen Land insgesamt markierte. Denn m

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