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Vinland! Wie die Wikinger Amerika entdeckten von Simek, Rudolf (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.09.2016
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Vinland!

"Sie kamen zu einer Insel, die nördlich des Landes lag und gingen dort hinauf und sahen sich bei gutem Wetter um. Sie fanden Tau auf dem Gras und berührten als Erstes mit den Händen den Tau und führten ihn zum Mund und dachten, noch nie etwas Süßeres gekostet zu haben." So wird in der Grænlendinga Saga die Ankunft der Wikinger in Amerika beschrieben. Rudolf Simek erzählt hier die Geschichte dieser Entdeckungsreise und schildert, wie deren archäologische Spuren im 20. Jahrhundert wiederentdeckt wurden. Was trieb die Wikinger rund 400 Jahre, bevor Christoph Kolumbus in die Neue Welt aufbrach, zu ihrer gefährlichen Reise durch das Nordmeer? Abenteuerlust, Mangel an wichtigen Rohstoffen und Nahrungsquellen? Woher stammten diese Entdecker überhaupt, die wir recht unpräzise mit dem Begriff "Wikinger" bezeichnen, und welche Quellen erzählen ihre Geschichte(n)? Diesen Fragen geht der renommierte Wikinger-Forscher Rudolf Simek hier nach. Darüber hinaus erklärt er, wie die Boote der Wikinger beschaffen waren, schildert das nautische Wissen und die Weltvorstellungen der nordischen Seefahrer und erzählt, wie 1961 das norwegische Ehepaar Helge und Anne Stine Ingstad bei L'Anse aux Meadows an der Küste von Neufundland auf die archäologischen Reste der Wikinger-Expedition stieß. Ein unterhaltsames Kapitel über falsche nordamerikanische Wikinger, über die man in den USA so lebhaft phantasierte, dass man sich regelrechte "Viking Hoaxes" schuf, beschließt das Buch. Rudolf Simek lehrt als Professor für Ältere Germanistik unter Einschluss des Nordischen an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 05.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406697210
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 6552 kBytes
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Vinland!

3. Die Expansion der Wikinger in Europa

"In demselben Jahre brachen an vielen Orten die Heiden über die Christen herein, aber es wurden mehr als 12000 von ihnen durch die Friesen erschlagen. Ein anderer Teil von ihnen suchte Gallien heim, und dort fielen von ihnen mehr als 600 Mann. Trotzdem zahlte Karl ihnen wegen seiner Untätigkeit viele Tausende Pfund an Gold und Silber, damit sie aus Gallien fortgingen, was sie dann auch taten. Dennoch wurden die Klöster sehr vieler Heiligen zerstört, und viele Christen führten sie gefangen fort." (Xantener Annalen zum Jahr 845)

"Versenke die heidnischen Piraten, die die Reiche der Erde verwüsten, vom Schwerte vernichtet in den Tiefen des Meeres!"

(Johannes Scotus Eriugena: Laudes Yrmindrudis , zwischen 869 und 877)

Um die Fahrten der Skandinavier in die Neue Welt aber verstehen und würdigen zu können, ist es notwendig, sie in den Kontext der Expansion der frühmittelalterlichen Skandinavier überhaupt zu stellen, also nach den Ursprüngen und dem Verlauf der Wikingerzeit zu fragen. Welche Umstände führten dazu, dass die Bewohner des an der Peripherie Europas gelegenen, dünn besiedelten Skandinavien nicht nur ganz Westeuropa in Angst und Schrecken versetzten, sondern auch Entdeckungsreisen unternahmen, die die Grenzen der bekannten Welt nachhaltig verschieben sollten?

Um diesen doch etwas erstaunlichen Umstand zu verstehen, ist es notwendig, die Expansionsbewegungen der Skandinavier in Europa kurz nachzuzeichnen, bevor man ihre - zeitlich etwas versetzt einsetzende - meist friedlich verlaufende Eroberung des Nordatlantiks betrachtet, als deren letzte Etappe das Ausgreifen auf den amerikanischen Kontinent hin zu verstehen ist. Diese nordatlantische Phase der Wikingerzeit war zwar keineswegs unabhängig von den Eroberungen und Siedlungen skandinavischer Auswanderer in England, Schottland und Irland, aber sie verweist doch auf eine andere Seite der wikingischen Expansion, nämlich den offenbar weit verbreiteten Wunsch nach einem friedlichen, bäuerlichen Leben auch dort, wo dies nur unter schwierigsten Bedingungen verwirklicht werden konnte - doch dies war man aus den heimischen Gefilden gewohnt.

Als Beginn der Wikingerzeit gilt nach Schulbuchwissen das Jahr 793, als die Wikinger - angeblich völlig überraschend - das reiche Inselkloster Lindisfarne auf Holy Island vor der englischen Nordostküste überfielen und plünderten, wie eine Fassung der Angelsächsischen Chronik dem Leser damals wie heute drastisch vor Augen führt:

"793: In diesem Jahr erschienen schlimme Vorzeichen über Northumbria und versetzten die Menschen in Schrecken. Sie bestanden aus starken Wirbelwinden und Blitzen, und feuerspeiende Drachen sah man durch die Luft fliegen. Diesen Vorzeichen folgte eine große Hungersnot und ein wenig später im selben Jahr, am 8. Juni, verheerten die Überfälle der Heiden Gottes Kirche in Lindisfarne durch Plünderung und Mord.

794: In diesem Jahr [eig. 795] starben Papst Adrian und König Offa." ( Anglo-Saxon Chronicle , Handschrift D, als Worcester Chronicle bekannt, fertiggestellt 1130) [ 4 ]

Hier werden die Wikinger als Teil feindlicher Naturgewalten vorgeführt, vor allem um des abschreckenden Effekts willen, hatten es doch heidnische Seeräuber offenbar erstmals gewagt, ein ungeschütztes Kloster, ja eine nationale Pilgerstätte der Engländer völlig respektlos und ohne Furcht vor göttlicher Rache zu plündern und zu zerstören, Gottesmänner zu töten und liturgisches Gerät zu entweihen!

Ganz so plötzlich, wie die Chronisten der englischen Klöster es darstellen, war die Gefahr aus dem Norden allerdings nicht über England gekommen, auch wenn der Übergriff auf ein Haus Gottes sie wirklich schockiert haben mag. Schon in den Jahren zuvor hatten englische Quellen wiederholt von einzelnen Überfällen oder Scharmützeln berich

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