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Begegnungen mit Bismarck von Ballhausen, Lucius von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.10.2020
  • Verlag: WBG Theiss
eBook (ePUB)
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Begegnungen mit Bismarck

Otto von Bismarck - der Mensch hinter dem Mythos

'Fürst und Fürstin Bismarck' und 'Bismarck-Erinnerungen': Diese beiden Bücher, die bisher nur in Frakturschrift vorlagen, sind die persönlichsten und intimsten Zeugnisse, die wir über den eisernen Kanzler und Reichsgründer haben. Die Autoren beider Bücher kamen Bismarck sehr nahe. Sie blicken jeweils auf ganz eigene Art auf den großen Politiker: einmal aus Sicht des persönlichen Sekretärs und einmal aus Sicht des Abgeordneten und Ministers, der fast täglich mit dem Reichskanzler zusammentraf.

  • Nach über 100 Jahren wieder zugänglich: zweibändige Ausgabe bedeutender Originaltexte
  • 'Fürst und Fürstin Bismarck': erste Wiederveröffentlichung der Erinnerungen von Robert Keudell - persönlich und emotional
  • 'Bismarck-Erinnerungen': die akribischen Tagebücher von Robert Lucius von Ballhausen sind eine der wichtigsten Quellen der Bismarck-Forschung
  • Ein umfassender Blick auf Bismarcks Leben: Keudell betrachtet die Ära der Reichseinigung, von Ballhausen die Zeit Bismarcks als Kanzler des Deutschen Reichs

Persönlicher als eine Biografie: Bismarck aus nächster Nähe

'Im August 1846 sah ich zum ersten Mal Herrn von Bismarck-Schönhausen ...' So beginnen die Aufzeichnungen des Diplomaten Robert von Keudell. Er begleitete Bismarck als Sekretär im Deutsch-Französischen Krieg. Sein Tagebuch reicht bis zur Gründung des Deutschen Reichs. Robert Lucius Freiherr von Ballhausen galt als einer der engsten Freunde und Sprachrohr Bismarcks. Seine Erinnerungen schließen unmittelbar an von Keudells Aufzeichnungen an und enden mit Bismarcks Sturz 1890.

Beide Weggefährten Bismarcks lassen in ihren Tagebüchern und Aufzeichnungen keinen Zweifel an dessen herausragender Persönlichkeit. So sind ihre Erinnerungen eine einzigartige Möglichkeit, jenseits aller Reden, Briefe, Anordnungen und Memoiren, die Bismarck selbst geschrieben hat, den Menschen hinter dem Mythos kennenzulernen!



Robert von Keudell (1824-1903) war Diplomat des jungen Kaiserreichs, Abgeordneter im Reichstag, ausgezeichneter Pianist und vor allem: ein enger Freund des Reichskanzlers Otto von Bismarck. Während des deutsch-französischen Krieges und der Reichsgründung war er Bismarcks persönlicher Sekretär.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 895
    Erscheinungsdatum: 05.10.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783806242683
    Verlag: WBG Theiss
    Größe: 10135 kBytes
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Begegnungen mit Bismarck

I.
Aus Berlin und Pommern. 1846 bis 1853.

Im August 1846 sah ich zum ersten Mal Herrn von Bismarck-Schönhausen.

Fräulein von Puttkamer-Reinfeld, welche sich im folgenden Jahre mit ihm vermählte, hatte bei kurzem Aufenthalt in Berlin mich schriftlich eingeladen, ihr und einigen Freunden im Saale des damals berühmten Klavierbauers Kisting um 5 Uhr nachmittags etwas vorzuspielen.

An der Fensterwand standen ein Sofa und einige Stühle, quer davor der Flügel, so nahe, daß ich während des Spielens die Zuhörer genau sehen konnte.

Rechts neben mir, am ersten Fenster, saß Fräulein von Puttkamer, auf dem Sofa Herr von Blanckenburg, der später als ein Führer der Konservativen im Landtage hervortreten sollte. Er begrüßte mich als alten Bekannten, da wir früher einmal in der Schweiz zusammengetroffen waren. Neben ihm auf dem Sofa saß seine junge, auffallend schöne Frau und neben dieser am zweiten Fenster auf einem Sessel, in hellem Tageslichte, Herr von Bismarck, welcher gewöhnlich die Unterhaltung führte. Seine weiche Sprechstimme in Baritonlage war meinem Ohre wohlthuend. Kurz geschorene blonde Haare und ein kurzer Vollbart umrahmten das freundliche Gesicht; unter buschigen Brauen sehr hervortretende, hellstrahlende Augen. Er sah jugendlich aus, hatte aber das Wesen eines vollkommen gereiften Mannes.

Nach einleitenden Stücken spielte ich auf Verlangen von Fräulein von Puttkamer etwas von Beethoven. Bismarck erwähnte, daß er als Student lange mit einem Kurländer, Grafen Alexander Keyserling, zusammengewohnt und von diesem oft beethovensche Musik gehört habe, welche ihm besonders zusage. Darauf spielte ich eine lange Sonate (f-Moll) und sah bei deren leidenschaftlich erregtem letztem Stück eine Thräne in Bismarcks Auge glänzen.

Eine besondere Erinnerung mochte ihn bewegen; denn niemals habe ich später wahrgenommen, daß Musik so stark auf ihn wirke.

Als Minister hat er einmal nach demselben Stücke gesagt: "Das ist wie das Ringen und Schluchzen eines ganzen Menschenlebens"; damals aber sagte er nichts. Ich spielte noch ein ruhiges Stück und setzte mich dann zu den andern.

Zufällig sprach man von dem unerbittlichen deutschen Ehrgefühl. Bismarck erzählte von einem hochbegabten Göttinger Studenten, der abends beim Wein wettete, er würde auf seiner edlen Rappstute in einem Bach bis an das sich drehende Mühlrad galoppieren und über das Rad hinunterspringen.

"Vergebens bemühten wir uns am folgenden Tage, ihm die Ausführung dieser unsinnigen Wette auszureden. Er glaubte seine Ehre verpfändet. Viele Freunde waren an der Mühle versammelt. Das schöne Pferd kam im Mühlbach ruhig galoppierend an das schäumende Rad heran. Ohne zu stutzen, trug es den Reiter auf das Rad und in die Tiefe; aber beide standen nicht wieder auf."

Nach einer kleinen Pause nahm Frau von Blanckenburg mit anmutiger Freundlichkeit das Wort, um mir von heiteren musikalischen Erlebnissen der letzten Tage zu erzählen. Die Anwesenden hatten zusammen mit mehreren sangeskundigen Damen und Herren der Familien von Mittelstädt und Wangemann soeben eine mehrtägige Reise durch den Harz gemacht und aus manchen schönen Punkten waren vierstimmige Lieder gesungen worden.

Als man aufbrach, um im Gasthaus das Abendessen zu nehmen, fragte mich Herr von Bismarck: "Werden Sie sich uns jetzt anschließen?" Ich war leider verhindert.

Fräulein von Puttkamer-Reinfeld hatte ich ein Jahr früher in Pommern kennengelernt. Sie war befreundet mit Anna von Blumenthal-Quackenburg, deren Mutter, eine Schwester meiner Mutter, als Witwe in dem pommerschen Städtchen Stolp lebte. Ich hatte einige Jahre in Berlin studiert und war dann beim dortigen Stadtgericht eingetreten. Auf einer Ferienreise aus meiner ostpreußischen Heimat nach Berlin zurückkehrend, besuchte ich meine Tante und fand in deren Hause Fräulein Johanna von Puttkamer, eine junge Dame, welche von Verwandten und Freundinnen sozusagen vergötter

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