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Beute und Conquista Die politische Ökonomie der Eroberung Neuspaniens von Huber, Vitus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.09.2018
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (ePUB)
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Beute und Conquista

Der welthistorische Vorgang der Eroberung Amerikas fasziniert heute noch. Wie er organisiert war und welchen Dynamiken er folgte, wurde aber bislang nicht hinreichend erforscht. Vitus Huber nimmt die Verflechtung politischer und ökonomischer Anreiz- und Belohnungsschemata in den Blick und analysiert, wie Beute und ihre Verteilung die diversen Akteure, Institutionen und Praktiken der 'Conquista' beeinflussten und welche Rolle hier das Prinzip der Verteilungsgerechtigkeit spielte. So zeigt diese Studie, wie Beute und Verwaltung, Gewaltökonomien und Staatsbildungsprozesse bei der 'Conquista' in verblüffender Weise zusammenhingen. Mehr noch: Diese Zusammenhänge formten nicht nur die Eroberung Amerikas, sondern begründeten zudem ein über 300 Jahre währendes Kolonialreich.

Vitus Huber, Dr. phil., war wiss. Mitarbeiter an der Universität München; derzeit ist er Visiting Fellow an der Harvard University.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 432
    Erscheinungsdatum: 07.09.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593440392
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 5941 kBytes
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Beute und Conquista

1.1 Genealogie der iberischen Beuteökonomie. Legitimationen, Normen und Praktiken seit der Reconquista

In diesem Kapitel verfolge ich eine doppelte Agenda: Einerseits zeige ich die Genealogie der Beuteökonomie auf, die von der Historiografie - meist ohne ins Detail zu gehen - aufgrund der Tradierung von Praktiken aus der Reconquista für die Conquista als fundamental bezeichnet wird. Dabei werden diese Vorformen des Conquista -Beutekomplexes hier nur insoweit berücksichtigt, als sie diesen Komplex vermutlich beeinflussten und insofern sie für meine Untersuchung relevant sind. Andererseits benenne ich hier bereits methodische Chancen und Probleme, welche die Quellen zur Beuteverteilung in sich bergen. Zuerst spannt die Frage, wie die Conquista gerechtfertigt wurde, den Bogen von der Entstehung des bellum iustum seit der Antike bis zum darauf basierenden spezifischen Instrument des requerimiento .

Der Rahmen eines gerechten Kriegs erlaubte das Plündern, dessen folglich legitime Beute ( spolia iusta ) nach bestimmten Normen, die hier erläutert werden, zu verteilen war. Eine zentrale Rolle spielte der königliche Fünfte ( quinto real ), weshalb auch seiner Genese nachgegangen wird. Das ostentative Befolgen der Vorgaben für einen gerechten Krieg und eine gerechte Beuteteilung waren notwendig, um die neuen Besitzansprüche zu legitimieren und dadurch zu sichern. Daran werden Potenzial und Problem der Analyse der Quellen zur Beute in der Reconquista deutlich: Die legitimatorische Funktion der Listen der Beutedistribution führt dazu, dass diese Listen normen- statt praxisnahe Schilderungen des Vorgangs abbilden. Auf diese Herausforderung kann hier aufmerksam gemacht werden; die Kapitel zur Conquista stellen sich ihr. Außerdem lässt sich bereits das für die Beuteökonomie konstitutive Konzept der Verteilungsgerechtigkeit ( iustitia distributiva ) herausarbeiten. Daneben werden die heterogenen und dynamischen militärischen Organisationsformen und ihr ebenso vielfältiger Kontext der Reconquista beleuchtet, um die späteren Konquistadoren terminologisch schärfer zu fassen.
1.1.1 Gerechter Krieg und Kriegsfinanzierung

In den militärischen Anordnungen vom 22.Dezember 1520 ermahnte Cortés seine compania in Tlaxcala, bevor sie zum zweiten Mal nach Tenochtitlan zogen, dass das Hauptmotiv ihres Unterfangens die Bekämpfung der Häresie sei. Inwiefern dies seine innerste Überzeugung widerspiegelte, lässt sich kaum eruieren, viel interessanter scheint mir seine Argumentation: Er sagte weiter, dass der Krieg, diente er nicht der Verbreitung des christlichen Glaubens, ungerecht wäre und folglich gewonnene Beute zurückzugeben wäre und die Krone die Dienste der Konquistadoren nicht zu belohnen hätte. 86 Cortés verdeutlichte, dass die Frage der gerechten Beute und der Belohnung durch die Krone stark von jener des gerechten Krieges abhing, weil Letztere den Rahmen schuf, der legitime Beute von illegitimem Raubgut und einen belohnungswürdigen Diener von einem zu bestrafenden Räuber unterschied. Beim Raub bestand ein tendenziell höheres Risiko, den Gewinn wieder zu verlieren als bei einer rechtmäßigen Beute. Insofern schien Cortés' implizites Versprechen auf legitime Beute attraktiver. Denn die Stärke eines Beuteversprechens korreliert nicht nur mit der erwarteten Beute menge , sondern auch mit der Legitimität des Beutemachens und damit mit der erwarteten Beute sicherheit . Unter welchen Voraussetzungen galt also ein Krieg als gerecht, und inwiefern war es erlaubt, dabei Beute zu nehmen?

Die Lehre des gerechten Kriegs ( bellum iustum ) umfasste zu Zeiten von Cortés drei Hauptmerkmale: dass der Krieg von einer dazu bevollmächtigten Person - wi

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