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Das Zeitalter des Sonnenkönigs

  • Erscheinungsdatum: 01.09.2015
  • Verlag: wbg Theiss
eBook (ePUB)
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Das Zeitalter des Sonnenkönigs

300 Jahre nach dem Tod Ludwigs XIV. im Jahre 1715 ruft der ?Sonnenkönig? auch außerhalb Frankreichs noch immer ambivalente Assoziationen hervor. Ob als ?Erfinder des Absolutismus?, Förderer der Künste, Zerstörer der Pfalz, Bezwinger Habsburgs oder Erbauer Versailles: Ludwig XIV. prägte während seiner langen Herrschaft seine Zeit auf einzigartige Weise. Führende deutsche Experten beleuchten in diesem Band daher gleichermaßen Biographie und das Zeitalter Ludwigs XIV. aus europäischer Perspektive. Die Beiträge schildern Leben und Charakter des Königs ausgehend von den schwierigen politischen Anfängen als Kinderkönig, sie beschreiben die Kriege, sein Kolonialreich und die Verbreitung der französischen Kultur in ganz Europa. Prachtvoll bebildert, weist dieser Band alle Vorzüge eines klassischen Epochen-Porträts auf, in der Frankreichs Kultur in höchster Blüte stand. Mit Beiträgen u.a. von Michael Erbe, Christoph Kampmann, Günter Müchler, Volker Reinhardt, Uwe Schulz und Martin Wrede. Uwe Schultz, Dr. phil., war von 1976 bis 1994 Leiter der Hauptabteilung Kulturelles Wort beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt am Main. 1966 erhielt er den Kurt-Magnus-Preis der Deutschen Rundfunkanstalten, 1999 den Preis des deutsch-französischen Kulturrats für Essayistik. Er gilt als einer der besten Kenner der Geschichte des absolutistischen Frankreich und veröffentlichte zu diesem Thema zahlreiche Biografien. Heute arbeitet er freiberuflich als Publizist in Paris.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 01.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783806232622
    Verlag: wbg Theiss
    Größe: 33270 kBytes
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Das Zeitalter des Sonnenkönigs

Anna von Österreich (1601-1666), die Mutter Ludwigs XIV., übernahm 1643 nach dem Tod Ludwigs XIII. die Regentschaft für ihren noch minderjährigen Sohn (Gemälde von Peter Paul Rubens).

Das System Versailles
Ein Traumschloss gegen das Trauma

Uwe Schultz

1661 entschloss sich der junge Ludwig XIV. zur Alleinherrschaft. Er begann, das ehemalige Jagdschloss in Versailles auszubauen. Es sollte das Zentrum seiner Pracht- und Machtentfaltung werden. Das traumatische Erlebnis von 1649, mit seiner Mutter aus Paris fliehen zu müssen, hatte Ludwig dazu angeregt.

Es war die Nacht vom 5. auf den 6. Januar 1649. Königin Anna von Österreich, die Witwe Ludwigs XIII., war mit ihrem ältesten Sohn Ludwig, elf Jahre alt, ins Glücksspiel vertieft. Im Kleinen Kabinett des Palais Royal herrschte familiäre Ruhe. Ihre Vertraute, Madame de Motteville, erklärte später, dass ihr die Königin in dieser Nacht "sogar fröhlicher als gewöhnlich" erschienen sei und angeordnet habe, die Karosse am frühen Morgen vorfahren zu lassen, denn sie wollte sich - dies geschah nicht selten - zu Andachten in das Kloster Val-de-Grâce zurückziehen. Ihr Sohn bot ihr den Gute-Nacht-Gruß, und sie versprach ihm, er dürfe sie am nächsten Morgen begleiten.

Nachts um drei Uhr erhob sich Anna von Österreich in ihrem Schlafgemach und ließ ihre beiden Söhne wecken. Charles de Neufville, der Erzieher des jungen Königs wie seines jüngeren Bruders Philippe d'Orléans, kleidete beide eilig an. Über eine Geheimtreppe gelangte Anna von Österreich mit ihren beiden Söhnen in den Garten des Palais Royal, wo eine Karosse wartete. Über den Coursla-Reine flüchtete die königliche Familie aus Paris, in Richtung Westen zum Schloss Saint-Germain-en-Laye, wohin der regierende Minister, der vorsichtige Kardinal Jules Mazarin, nur vier Feldbetten hatte transportieren lassen, um die Aktion strikt geheim zu halten.

Die Flucht vor der gegnerischen "Fronde", in der Hochadel und Parlament sich zur Gegnerschaft gegen den König vereinigt hatten, gelang. Aber zwei Jahre später, in der Nacht vom 9. auf den 10.Februar 1651, drang eine aufrührerische Volksmenge mit Waffengewalt ins Palais Royal ein - bis in das Schlafgemach Ludwigs XIV., und der junge König konnte nur mit Mühe entkommen. Diese Bedrohungen hinterließen tiefe Spuren in der Psyche des Königs - beide Erniedrigungen sollte er nie vergessen und noch weniger verzeihen. Die Folge dieses Traumas war das Schloss Versailles.

Sofort nachdem er sich im Jahr 1661 zum Alleinherrscher erklärt hatte, begann Ludwig XIV. mit dem Ausbau von Versailles. Das Gemälde von Pierre Patel entstand 1668.

Als er 1661 nach dem Tod des Kardinals Mazarin die Alleinherrschaft übernommen hatte, wandte sich Ludwig XIV. dem schlichten Jagdschloss seines Vaters zu - von den Zeitgenossen wurde es als "Kartenschloss" bespöttelt. Aber schon im nächsten Jahr fand zum letzten Mal im Hof der Tuilerien ein Reiter- und Tanzfest statt, bei dem Ludwig XIV., der einer der besten Tänzer Frankreichs war, brillierte - das Fest trug den Namen "Carrousel", und ein gelehrter Pater meinte sogleich, das politische Programm entdeckt zu haben."Carrus soli" ("der Sonnenwagen") sollte den König siegend und Segen spendend um den Erdkreis tragen. Alle späteren Feste fanden in Versailles statt.

Nicht einem Minister, dem König steht das prächtigste Schloss zu

Aber es fiel noch ein Schatten auf den "Sonnenkönig" - diesen Namen für sich selbst entlieh Ludwig XIV. alsbald von den Ägyptern. Es war der Glanz des Schlosses Vaux-le-Vicomte, 50 Kilometer südlich von Paris gelegen, für dessen Errichtung 18.000 Arbeiter tätig gewesen waren und für dessen harmonische Gestaltung es sein Eigentümer Nicolas Fouquet, der Generalkontrolleur der Finanzen, tatsächlich der Finanzminister Frankreichs, verstanden hatte, die besten Künstler zu

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