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Der alte Fritz Mensch, Monarch, Mythos von Goeller, Tom (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.12.2011
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
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Der alte Fritz

Noch heute scheiden sich die Geister an dem legendären Monarchen. Einigkeit herrscht in Bezug auf das große Interesse an seiner Person. Doch was ist es, das ihn so faszinierend macht? Anhand persönlicher Aussagen von Prominenten aus Geschichte und Gegenwart erzählt Tom Goeller die Biographie einer der schillernsten Figuren europäischer Geschichte. Mit Friedrich dem Großen (1712-1786) stieg Preußen in den Kreis der bedeutenden Mächte Europas auf. Obwohl Philosoph, führte er nach eigenen Angaben Kriege "aus Übermut". Henry Kissinger bescheinigt ihm "skrupellose Diplomatie". In der DDR 1950 vom Sockel gestürzt, befahl Erich Honecker 1980 seine Rehabilitation. Richard von Weizsäcker schwärmt von Friedrichs "einsamen Auseinandersetzungen zwischen Macht und Geist, die zu den kostbarsten Gütern deutscher Geschichte gehören". Tom Goeller lässt den "Alten Fritz" in einem neuen Licht lebendig werden, indem er historische Zeugnisse neu interpretiert und Prominente über die Bedeutung dieses Königs für die Gegenwart befragt. Tom Goeller ist Journalist für amerikanische und deutsche Medien, unter anderem The Washington Times und den Deutschlandfunk. In Brüssel ist er Mitglied der Heyek Series, einem von EU-Kommissar Frits Bolkestein gegründeten Wirtschafts-Thinktank. Goeller lebt in Berlin und verdankt den heimatlichen Bezug zur Mosel seiner Ehefrau, die aus einem mehr als vierhundert Jahre alten Weingut in Zeltingen stammt. Moselaner wird man durch Geburt. Tom Goeller wurde es durch Bekenntnis.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 01.12.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455850093
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Serie: Biografien
    Größe: 432 kBytes
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Der alte Fritz

Sohn des "Soldatenkönigs": Die Vorfahren

Hat brav krakeelt und ist recht fet und frisch.
Friedrich I. zur Geburt seines Enkels

Werwolf, Hexe, Wunderblume: Die Geburtsstunde eines Großen

Der Januar 1712 war bitterkalt und unheimlich. Am 24. des Monats löste indes kurz vor zwölf Uhr mittags die Geburt eines Knaben im königlichen Schloss zu Berlin Euphorie aus. Die Kronprinzessin Sophie Dorothea hatte zum dritten Mal einen Sohn geboren, der umgehend nach seinem Großvater, dem damaligen König Friedrich I., benannt wurde und der folglich später in der monarchischen Nummerierung die römische II erhielt.

Seine Majestät Friedrich I. war gemäß der Hofchronik über die Geburt des Enkels "so sehr alteriert [ aufgeregt ], dass sie mit Tränen in den Augen sich alsbald zur Kronprinzessin herübertragen ließen und hernachmals nichts essen konnten" 1 .

Die außergewöhnliche Freude des schwerkanken Königs hatte Hintergründe. Denn bereits zwei männliche Nachkommen seines Sohnes Friedrich Wilhelm waren jeweils binnen eines Jahres nach der Geburt 1708 und 1711 gestorben; sie hießen stets Friedrich. Der alte, zweimal verwitwete König wartete schon lange ungeduldig auf einen Enkel, der die Thronfolge über den Sohn hinaus sichern sollte. Seinen eigenen Sohn und Nachfolger Friedrich Wilhelm hatte er deshalb am 14. November 1706 mit dessen Cousine Sophie Dorothea von Hannover verheiratet. Friedrich Wilhelm war damals erst achtzehn Jahre alt, Sophie Dorothea war neunzehn. Da das junge Paar zwei lange Jahre brauchte, um einen Nachkommen hervorzubringen, der dann auch noch rasch nach der Geburt verstarb, entschloss sich 1708 der rastlose König Friedrich I., mit einundfünfzig Jahren eine dritte Ehe einzugehen, um selbst für den Erhalt der Dynastie zu sorgen. Doch diese Verbindung mit der fast dreißig Jahre jüngeren Herzogin Sophie Luise von Mecklenburg-Schwerin blieb kinderlos, was nicht nur auf die kurze Ehe zurückzuführen ist. Obwohl die außerordentlich hübsche Sophie Luise bei Hofe als "mecklenburgische Venus" gepriesen wurde, konnte oder wollte sie ihre Reize mit dem Greis Friedrich I. nicht teilen, denn dieser gestand, dass sich in seiner letzten Ehe "bezüglich Beischlafs nichts Reeles ereignet" habe. 2

Zur Beruhigung Friedrichs I. überlebte nach der Enkelin Wilhelmine (1709 - 1758) auch der 1712 geborene Enkel Friedrich. Insgesamt brachte seine Schwiegertochter Sophie Dorothea bis 1730 vierzehn Kinder zur Welt, wovon vier im Säuglingsalter starben. Zur lang ersehnten Geburt eines Thronfolger-Enkels stellte der begeisterte Großvater fest, dass sich die "Krohn Princes und mein Enckel recht wol befindet". Der kleine Friedrich habe "brav krakeelt und ist recht fet und frisch". 3 Natürlich wurden außerdem Glocken geläutet und Kanonen abgefeuert.

Nach der Lehre Johannes Calvins "ist Aberglaube nicht entschuldbar". 4 Doch der sonst sich strenggläubig-calvinistisch gebende König Friedrich I. ließ die Nabelschnur seines Enkels in ein diamantbesetztes Medaillon einschließen und trug es bis zu seinem Tod als Talisman an einer Halskette. Er war ohne Frage über die Geburt Friedrichs außer Rand und Band, was darauf schließen lässt, dass er dem eigenen Sohn und unmittelbaren Thronfolger wohl nicht recht traute - ein hohenzollernscher Charakterzug, der bis ins 20. Jahrhundert, bis zu Kaiser Wilhelm II. und dessen Sohn, Kronprinz Wilhelm, nachweisbar ist. "Mannigfache Gnadenbezeugungen und Beförderungen treuer Diener des Staates, die Speisung aller Armen in den Armenhäusern der Stadt erhö

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