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Der Große Friedrich II. von Preußen von Luh, Jürgen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.01.2012
  • Verlag: Siedler
eBook (ePUB)
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Der Große

Inszeniert, glorifiziert, mystifiziert - Wie war Friedrich II. wirklich? Friedrich der Große faszinierte die Deutschen schon immer. Über seine Kriege, über Werk und Wirkung des kunstsinnigen Preußenkönigs wurde schon viel geschrieben. Jürgen Luh aber zeigt auf eine frische, andere Art, wie Friedrich dachte und wofür er lebte: Der König wollte unbedingt als "der Große" in die Geschichte eingehen. Die Quellen, die der Philosoph auf dem Thron uns hinterlassen hat, offenbaren einen Menschen mit großen Talenten - und ebenso großen Schwächen. Friedrich II. (1712-1786) erstrebte vor allem eines: Ruhm! Ein Großer wollte er sein unter den Herrschern Europas und vor der Geschichte. Das hat er geschafft - die Nachwelt verklärte ihn, man errichtete dem "Alten Fritz" zahlreiche Denkmäler und glorifizierte ihn in Büchern und Filmen. Der Friedrich-Kenner Jürgen Luh zeichnet zum 300. Geburtstag ein neues Bild des Preußenkönigs. Manch lieb gewordene Vorstellung wirft er dabei über Bord, doch entschädigt er uns mit einem einfühlsamen Porträt des Menschen Friedrich. So begegnet uns in diesem Buch kein Held, sondern ein faszinierender Herrscher des 18. Jahrhunderts, dessen Leben und Wollen der Autor ebenso kenntnisreich wie amüsant vor uns ausbreitet. Jürgen Luh, geboren 1963, ist promovierter Historiker und in der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg zuständig für Wissenschaft und Forschung. Er hat zur Geschichte des Heiligen Römischen Reiches, Preußens und zur Militärgeschichte publiziert. Luh organisierte für 2012 das Großprojekt "Friedrich 300" in Potsdam mit zahlreichen Veranstaltungen, Ausstellungen und Konferenzen. Zuletzt erschien bei Siedler seine vielgelobte Biographie "Der Große. Friedrich II. von Preußen" (2012).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 31.01.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641061296
    Verlag: Siedler
    Größe: 1231 kBytes
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Der Große

HARTNÄCKIGKEIT

E s war zwangsläufig und notwendig - in vielfacher Hinsicht: Friedrich mußte hartnäckig sein, manchmal sogar stur! Er mußte es sein, weil Hartnäckigkeit in seinen Augen Willenskraft bedeutete und somit Voraussetzung war für das Beschreiten des Weges, den er zu gehen wünschte; und er mußte es auch sein, weil ihn Hartnäckigkeit auf eine Stufe mit seinen berühmten Vorbildern stellte, mit Alexander und Cäsar, mit Marc Aurel und schließlich mit Ludwig XIV. von Frankreich, den Voltaire im Gedächtnis der Welt zu Louis le Grand , zu Ludwig dem Großen, erhoben hatte. Sie alle hatten von ihren Vorstellungen nie abgelassen.

Man kann Friedrichs Einstellung dem Tagebuch des Marchese Lucchesini entnehmen, des Königs Gesellschafter in den späten Jahren. Dem französischen Herrscher, heißt es in dessen Notizen, "spendete" 327 - Friedrich - "reiches Lob, insofern derselbe im Festhalten an seinen Entschlüssen Willensstärke bewies". So hat er schon als Kronprinz gedacht. Nur wenn er sich ebenso gebe und ebenso handele, entschlossen, fest, energisch, glaubte Friedrich, sein großes Ziel erreichen zu können: seinen Namen in das Buch der Geschichte zu schreiben. "Meine wohlüberlegten Grundsätze sind unerschütterlich" 328 , hat er deshalb immer wieder öffentlich erklärt, "hoffen Sie nicht, eine Änderung in meinen Ansichten" - oder, muß man ergänzen, Handlungen - "hervorzubringen." Friedrich hat, weil er sich nie "dem Vorwurfe eines begangenen Irrtums aussetzen" 329 wollte, "auf seine Entscheidungen" - deshalb beharrt -, "auch nachdem er einsah, daß die Voraussetzungen falsch wären, denen zu Folge er sie gegeben hatte."

Christian Garve, der Philosoph und Schriftsteller, der den König gelegentlich des Teschener Friedens 1779 in Breslau getroffen und lange mit ihm gesprochen hatte, hat diese Hartnäckigkeit auf die "kriegerischen Geschäfte" 330 zurückgeführt, die den "vornehmsten Theil" - von Friedrichs - "Aufmerksamkeit auf sich gezogen" hätten. "Die Züge des großen Feldherrn", so Garve, "waren auch in seinem Regentencharakter herrschend." Die militärische Einstellung verlange vom König gleich einem Feldherrn nie Rat von einem Soldaten anzunehmen und diesen nie die eigene Fehlbarkeit merken zu lassen. Das ist sicherlich eine naheliegende und einleuchtende, aber vielleicht noch keine hinreichende Erklärung für die Festigkeit und die Konsequenz des Königs. Garve hat einfach nicht weit genug in Friedrichs Vergangenheit zurückgeschaut, dies aus seiner begrenzten Kenntnis heraus auch gar nicht tun können. Friedrichs Standhaftigkeit, die bis zur Sturheit reichte, hat sich nämlich schon in der Jugend entwickelt, über die Garve nur wenig wußte und dieses nur aus zweiter Hand. Sie hatte sich gezeigt, noch bevor Friedrich der roi connétable wurde, und zwar und zuallererst gegenüber dem Vater. Standhaftigkeit war für Friedrich Voraussetzung und Notwendigkeit, um sich zu behaupten und um ein eigenständiger, unabhängiger, selbstbestimmter Charakter zu werden.
Ein eigener Kopf

F riedrich Wilhelm I. hatte sich wider alle Vernunft größte Mühe gegeben, den Willen des Sohnes zu brechen, dessen Träume zu zerstören und aus dem Thronfolger ein vom Vater abhängiges, geistig beschränktes, untertäniges Geschöpf zu machen. Er hatte ihn schlechter behandelt als seine Hofnarren oder "lustigen Räte", wie er sie nannte: den armen Gundling, Faßmann, Poellnitz oder Morgenstern. Daß diese von Friedrich Wilhelm I. übelst malträtiert und gedemütigt wurden, mußte sogar ein großer Bewunderer des Königs und Übersetzer vieler seiner Schriften, Friedrich von Oppeln-Bronikowski, zugeben: "Beschämend" 331 sei das Verhalten des Monarchen gewesen. Noch beschämender war, wie Friedrich Wilhelm sich gegenüber Friedrich verhielt. Er hat ihn beschimpft, geschlagen und unter psychischen Druck gesetzt; er hat ihn ernied

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