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Der Mann aus Babadag Wie ein türkischer Janitschar1683 nach München verschleppt und dort fürstlicher Sänftenträger wurde von Krischer, Markus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2014
  • Verlag: WBG Theiss
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Der Mann aus Babadag

Als muslimischer Krieger zog er mit dem Heer des Sultans gegen Wien, als christlicher Maultierknecht arbeitete er für den bayerischen Kurfürsten - die Lebensreise des Anton Achmet, von der dieses Buch berichtet, dürfte selbst für die an Abenteuern überreiche Zeit des Barock ohne Beispiel gewesen sein. Der Janitschar vom Schwarzen Meer gelangte über Belgrad, Wien und München tief ins Abendland, das zu seiner neuen Heimat wurde. Er begleitete den bayerischen Kurfürsten ins Exil bis nach Paris - an den Hof des Sonnenkönigs. Wie der Grenzgänger zwischen den Weltreichen und Religionen lebte, welche Menschen er kannte, unter welchen Bedingungen er arbeitete - all dies lässt sich in dieser historischen Expedition ins ?Eiserne Zeitalter? nacherleben. Markus Krischer ist Journalist und seit 20 Jahren beim Nachrichtenmagazin Focus, seit 2011 als stellvertretender Chefredakteur. Bei der DVA veröffentlichte er 2006 unter dem Titel 'Kinderhaus Leben und Ermordung des Mädchens Edith Hecht' ein Buch über die Euthanasie-Verbrechen in Bayern.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 216
    Erscheinungsdatum: 01.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783806230130
    Verlag: WBG Theiss
    Größe: 5831 kBytes
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Der Mann aus Babadag

Ein Blick ins Eiserne Zeitalter

Ob er ein glückloses Leben führte? Weil er die ledige Tochter ei nes Büchsenmachers geschwängert hatte, floh er aus dem lutherischen Nürnberg. In München konvertierte er zum katholischen Glauben, um seinem Handwerk nachgehen zu können. Immer wieder richtete er Bettelbriefe an den Hof, klagte Honorare ein, neue Aufträge, den Schutz des Landesherrn. Der Sohn blieb kinderlos, die Tochter unversorgt. Vom Erbe des vermögenden Stiefbruders bekam er nicht einen Kreuzer. Der Tod ereilte seine Gattin so rasch, dass nicht einmal Zeit für die Sakramente blieb. Er ließ sie auf dem Friedhof bei St. Stephan außerhalb der Stadtmauern begraben, dort, wo er selbst 21 Jahre später, 1718, zur letzten Ruhe gebettet werden sollte. Er starb verarmt, beinahe erblindet, und ausweislich eines von ihm zwei Jahre zuvor verfassten Schreibens in tiefer Verbitterung. Mit "herzenlaid" habe er ansehen müssen, wie ihn sein Lebenswerk in den Ruin getrieben habe. Über 6000 Gulden habe er dadurch verloren, "brodloß" sei er geworden und habe manches Mal "schier krepieren" müssen. 1

Ob Michael Wening ein glückloses Leben führte? Die arg verwitterte biografische Spur, die aus einigen Briefen, Protokollen und Matrikelbüchern herauszulesen ist, erlaubt keine eindeutige Antwort. Und wer würde sie schon haben wollen? Nach dem Glück der Büchsenmacherstochter fragt schließlich auch niemand. Catharina Recknagel hieß sie. Der Rat der Stadt Nürnberg hatte die Schwangere mit der "Unzuchtstraff" belegt und wollte ihr die Weibereisen (also die Haft im Frauengefängnis der Stadt) nur dann ersparen, wenn es ihr gelänge, den flüchtigen Kindsvater aufzutreiben. Das gelang ihr nicht. Sie brachte eine Tochter, Regina, zur Welt, die im Alter von fünf Jahren verstarb. So berichtet der Grabstein der Kindsmutter auf dem Nürnberger Rochusfriedhof. Die Recknaglin selbst verschied im hohen Alter. Unverheiratet.

Ob also der Kupferstecher Michael Wening, der bayerische Merian, wie er genannt wird, in seinen 72 Lebensjahren Glück fand oder selbiges verbreitete, tut nichts zur Sache. Er fertigte Kupferstiche an. Hunderte und Aberhunderte. In seine Platten ritzte er den Gekreuzigten, die Madonna, Engel, Heilige, Honoratioren, Bürger, Soldaten und einmal gar einen Elefanten. Seine Leidenschaft galt jedoch nicht der Figur, sondern dem Ort. Genauer: dem vom Menschen geschaffenen Ort, dem Bauwerk. Wening bildete Kirchen ab, Klöster, Residenzen, Schlösser, Bürgerhäuser, Manufakturen und einmal gar ein Zuchthaus. Er schuf Städteansichten, zeigte Marktplätze und Gartenanlagen.

Michael Wening; das einzige Porträt des bayerischen Kupferstechers fertigte sein Sohn Balthasar. Kupferstich von 1698

Sich selbst ließ Wening von seinem Sohn Balthasar abbilden, der in der Werkstatt seines Vaters arbeitete - und in dessen Schatten er blieb. Das Schriftband um das ovale Porträt (das einzige, das wir von Michael Wening kennen, und wohl auch das einzige, das je von ihm angefertigt wurde) vermerkt zwei Titel, die ihn als Mitarbeiter des Hofes ausweisen. Demnach durfte er sich Portier und Kupferstecher des Kurfürsten nennen. Das Amt eines Portiers, eines Türhüters also, mag kein sonderlich bedeutendes gewesen sein. Immerhin aber honorierte das Hofzahlamt die Tätigkeit mit neunzig Gulden im Jahr und genehmigte Wening jeden Tag zwei Brotlaibe und zwei Maß Bier; Gaben allerdings, die das Hofküchenamt schon mal über Monate verweigerte. Stolz wird Michael Wening auf den Titel des kurfürstlichen Kupferstechers gewesen sein, womit der Hof wohl auch den damaligen Erfolg des Künstlers würdigte.

Wenings Porträt entstand im Jahr 1698. Zwei Jahre zuvor hatte er den Kontrakt seines Lebens geschlossen. Kurfürst Max Emanuel hatte ihm den Auftrag erteilt, eine umfassende Landesbeschreibung zu erstellen und dafür die wichtigsten Orte und Bauwerke Kurbayerns in Kupferstichen zu erfassen. Dass er mit seiner Histor

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