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Der Wiener Kongress Das große Fest und die Neuordnung Europas von Straub, Eberhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.08.2014
  • Verlag: Klett-Cotta
eBook (ePUB)
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Der Wiener Kongress

Der Wiener Kongress markiert einen Wendepunkt in der Geschichte Europas. Dort gelang es, eine einzigartige dauerhafte Friedensordnung zu stiften, die erst mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges endete. Eberhard Straub zeichnet ein farbiges Sittengemälde einer ganzen Epoche, in der ein politisches Europa Wirklichkeit wurde. Der Wiener Kongress tanzte nicht nur, er arbeitete auch. Nach den Napoleonischen Kriegen, die Europa in vollständige Unordnung gestürzt hatten, bemühten sich Könige und Diplomaten, aus den Trümmern der alten Welt ein neues Europa der Sicherheit und Solidarität zu schaffen. Eberhard Straub porträtiert die großen Akteure (u. a. Metternich, Talleyrand, Hardenberg, Humboldt) und zeigt, wie sie die Grundlagen dafür legten, dass Europa sich noch einmal 100 Jahre souverän als Einheit in der Mannigfaltigkeit behaupten konnte. Anders als nach dem Ersten Weltkrieg erlagen die Siegermächte nicht der Versuchung, den unterlegenen Feind zu dämonisieren und zu bestrafen. Noch einmal siegte die Vernunft der Nationen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 23.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783608106909
    Verlag: Klett-Cotta
    Größe: 5296 kBytes
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Der Wiener Kongress

EINFÜHRUNG

Schöpferische Restauration aus dem Geist des alten Europa

Während der Julikrise 1914 endeten hundert Jahre Frieden in Europa, deren Grundlage auf dem Wiener Kongress 1814/15 gelegt worden war. Damals wurde das Konzert der fünf Großmächte - Russland, Preußen, Österreich, Frankreich und Großbritannien -, das europäische Staatensystem, wie es seit den Friedensschlüssen von Utrecht (1713) und Rastatt (1714) bestand, abermals erneuert, nachdem die Französische Revolution und Napoleon Bonaparte es zerstört hatten. Der Ursprung dieses Staatensystems reicht noch weiter zurück, bis zum Westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück 1648, an dem allerdings Russland noch nicht beteiligt war. Dem Wiener Friedenswerk gelang eine schöpferische Restauration, eine neue Ordnung Europas aus dem Geist der alten, vorrevolutionären Welt. Diese Ordnung löste sich im Großen Krieg oder im Ersten Weltkrieg, wie er in Deutschland genannt wird, auf. Europa geriet in seine größte Krise seit der Französischen Revolution. Außerdem konnten die europäischen Staaten 1919 zum ersten Mal in ihrer Geschichte nicht allein über ihre und die Zukunft Europas bestimmen. Unfähig, einen Frieden ohne Sieger und Besiegte zu finden, hatten die ratlosen Europäer die USA um Vermittlung und Hilfe gebeten. Sie zweifelten endgültig an ihrer herkömmlichen, in der Vergangenheit so oft bewährten Staatsvernunft, der sie allerdings schon im Jahrzehnt vor 1914 nicht mehr recht vertrauten hatten.

Das war 1814 noch ganz anders gewesen. Nichts fürchteten die in Wien versammelten Monarchen und Diplomaten so sehr wie die breiten, schwammigen Begriffe - Gerechtigkeit, Freiheit, Menschlichkeit, Selbstbestimmung und Menschenrechte -, in deren Namen französische Revolutionäre ein knappes Vierteljahrhundert zuvor den vollständigen Umsturz in Europa begonnen hatten, den Napoleon vollendete, indem er die Revolution erfolgreich erstickte. Das verschaffte ihm das Ansehen, trotz seiner imperialen Politik, die Europa vollständig veränderte, ein Mann der Ordnung zu sein, der zur Vernunft gebracht werden könne. Das Konzert der Mächte hatte Napoleon beiseite geschoben, aber Österreich gab es trotz vieler Demütigungen noch, Russland konnte er sich ebenso wenig zum Freund machen wie England die Seeherrschaft entreißen. Nach dem Einfall in Russland und der Vernichtung seiner "Großen Armee" 1812 war es zuerst der russische Kaiser Alexander I., der die Preußen zum Aufstand gegen Napoleon überredete. In Übereinstimmung mit ihm und Friedrich Wilhelm III. organisierte der österreichische Außenminister Klemens Wenzel Lothar von Metternich ohne Überstürzung einen Bund der Staaten und Monarchen, um Napoleons Kaiserreich auf die vernünftigen Grenzen eines französischen Königreichs zurückzustutzen und zu einer neuen Balance der Mächte zurückzufinden. Ohne ein starkes Frankreich konnte Europa, das von einem zu starken Frankreich vollständig durcheinander gebracht worden war, nicht wieder ins Gleichgewicht kommen.

Die Koalition aus den drei Kontinentalmächten Russland, Österreich und Preußen sowie Großbritannien, die sich 1813/14 erst formlos und dann verbindlich bildete, führte keinen Krieg gegen einen "Schurkenstaat", wie man heute sagt, auch nicht gegen einen Verächter des Völkerrechts, der bestraft werden musste, wenn gar keine weiteren Sanktionen halfen. Vielmehr kämpfte sie gegen den legitimen Kaiser der Franzosen, den Störer der Ruhe Europas, hegte während der Feldzüge aber stets die Hoffnung, sich dennoch mit Napoleon über eine europäische Friedensordnung verständigen zu können, in der auch für ihn Platz wäre. Vor allem der angebliche Reaktionär Metternich, der Napoleon gründlich kannte und ihn mit viel Sympathie zu verstehen suchte, versprach sich von der Zusammenarbeit mit ihm sehr viel und von der Restauration der bourb

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