text.skipToContent text.skipToNavigation

Deutsche Kaufleute in London Welthandel und Einbürgerung (1660-1818) von Schulte Beerbühl, Margrit (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.10.2012
  • Verlag: De Gruyter Oldenbourg
eBook (PDF)
kostenlos
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Deutsche Kaufleute in London

Zwischen 1688 und 1815 verwandelte sich England von einem vergleichsweise unbedeutenden Inselreich zur führenden Handels- und Industriemacht der Welt. Im selben Zeitraum waren drei Viertel der Londoner Handelselite kontinentaleuropäischer Herkunft. Diese kaufmännische Immigrantenelite leistete einen kaum zu unterschätzenden Beitrag zum Aufstieg des Empires. Ihre Einbürgerung war im Wettstreit der merkantilistischen Staaten um Reichtum und Vorherrschaft ein wichtiges Instrument der Politik Englands. Margrit Schulte Beerbühl verfolgt Herkunft und Geschichte der deutschen Kaufleute, die den größten Anteil an den Zuwanderern und Eingebürgerten hatten. Struktur und Ausdehnung der von London ausgehenden Handelsnetze werden nachvollziehbar.

Produktinformationen

Weiterlesen weniger lesen

Deutsche Kaufleute in London

II. REORGANISATION UND ENTWICKLUNG DER DEUTSCH-ENGLISCHEN HANDELSBEZIEHUNGEN IM 17. JAHRHUNDERT (S. 65-66)

Die Struktur des englischen Außenhandels erfuhr im 17. Jahrhundert einen tiefgreifenden Wandel. Die alten Handelsschwerpunkte einschließlich der alten Stapelwaren verloren an Bedeutung. In dieser Epoche wurden die ersten grundlegenden Weichen für den Aufstieg Englands zur führenden Weltmacht gestellt. Sie leiteten die ‚kommerzielle Revolution' und anschließend die ‚Industrielle Revolution' ein.

Das Wirtschaftshandeln der eingewanderten Kaufleute kann ohne den Kontext des expandierenden Empires nicht zureichend erklärt werden. Von daher werden in diesem Kapitel zunächst die geographischen, wirtschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen aufgezeigt, die die Kaufleute nach ihrer Immigration vorfanden und innerhalb derer sie sich bewegten und handelten. Dieser Teil der Untersuchung beginnt mit einem Überblick über die weitreichenden Veränderungen des Außenhandels im 17. Jahrhundert und dem Aufstieg Londons zur Welthandelsmetropole. Das nachfolgende Kapitel untersucht die Reorganisation des bilateralen Handels nach dem Ende der Hanse und seinen Aufschwung in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts. Anschließend werden die Handelstätigkeit der deutschen Kaufleute in London im Kontext des englischen Außenhandels, die Entwicklung ihrer Handelsnetze, ihre geographische Ausbreitung und Handelsschwerpunkte sowie ihre Beteiligung am Kampf um die Reform der großen Handelskompanien untersucht.

1. DER ENGLISCHE AUSSENHANDEL IM 17. JAHRHUNDERT

Zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert fand ein tiefgreifender Wandel des englischen Außenhandels statt. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts dominierte der Export von heimischen Produkten und zwar in erster Linie von Wolltuchen. Ihr Anteil am Gesamtexport betrug um 1640 80% bis 90%. Für den heimischen Konsum wurden Rohstoffe und Fertigwaren importiert. Ende des Jahrhunderts standen Wolltuche zwar noch an der Spitze der ausgeführten Waren, ihr Anteil war jedoch auf 47% geschrumpft. Die Struktur, Reichweite und das Volumen des Außenhandels hatten Ende des 17. Jahrhunderts eine neue Dimension angenommen. In der ersten Hälfte hatte er sich vorwiegend auf Europa und zwar vor allem auf die Nordsee- und Ostsee-Anrainerstaaten beschränkt, gegen Ende hatte er eine nahezu weltweite Ausdehnung erfahren. Die fernen, außereuropäischen Märkte in Asien und Amerika begannen sich zu großen Wachstumsmärkten für englische Waren zu entwickeln. Aus den nordamerikanischen Kolonien, d. h. aus Neufundland, wurden vor allem Kabeljau, aus Neu-England Häute und Felle sowie aus Virginia und Maryland Tabak importiert. Von den Karibischen Inseln Barbados, Jamaica und Leeward Islands bezogen die Engländer vor allem Zucker und Farbstoffe. Aus Indien kamen preiswerte Kattunwaren. Aus dem Mittelmeerraum und von der iberischen Halbinsel holten sie Seidenstoffe, Gewürze, Weine, Öl, Obst und andere Waren.

Der Import allein von Tabak stieg von 1 207 101 Pfund im Jahre 1640 auf über 25 Millionen bis 1699. Ähnliche Wachstumsraten wies der Import von Zucker und Kattun auf. Ersterer erhöhte sich zwischen 1669 und 1700 um mehr als das Zweieinhalbfache, Kattun im gleichen Zeitraum um das Dreieinhalbfache. Diese drei Artikel machten Ende des Jahrhunderts etwa zwei Drittel der Importe aus. Von ihnen wurden wiederum fast zwei Drittel zum Kontinent reexportiert. Noch in den 1630er Jahren waren Reexporte bedeutungslos gewesen. Ende des Jahrhunderts betrugen sie ein Drittel des gesamten Exports.

Neben der neuen außereuropäischen Welt entwickelten sich der Mittelmeerraum sowie die iberische Halbinsel zu wic

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen