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Die Herrschaft der Zaren Russlands Aufstieg zur Weltmacht - Ein SPIEGEL-Buch

  • Erscheinungsdatum: 27.08.2012
  • Verlag: DVA
eBook (ePUB)
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Die Herrschaft der Zaren

Das Russland der Zaren - Geschichte und Erbe der großen Herrscher Fast 500 Jahre lang herrschten Zaren über Russland. Sie regierten nahezu uneingeschränkt, oft mit brachialer Gewalt, obwohl sich manche von ihnen bemühten, das rückständige Land zu modernisieren. Unter Führung der Zaren aus dem Hause Romanow wurde Russland zur Weltmacht. Auch Deutsche spielten dabei als Monarchen (wie Katharina die Große), als Außenminister, Kanzler und Militärs eine maßgebliche Rolle. Als der Erste Weltkrieg das sozial und politisch zerrissene Land in die Revolution treibt, wird der letzte russische Zar, Nikolaus II., im Februar 1917 gestürzt und ein Jahr später von den Bolschewiki ermordet. Doch die Impulse der autoritären Zarenherrschaft wirken bis in die Gegenwart weiter. Gemeinsam mit renommierten Landeskennern porträtieren SPIEGEL-Autoren die berühmtesten Herrschergestalten der russischen Geschichte und zeichnen so zugleich Russlands Aufstieg zur Weltmacht nach.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 27.08.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641093693
    Verlag: DVA
    Größe: 6766 kBytes
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Die Herrschaft der Zaren

In Briefen an den Zaren beklagt der Abtrünnige dessen gewalttätiges Regiment. Iwan wiederum wirft Kurbski vor, er habe ihn wegen materieller Vorteile verraten und "des Leibes wegen die Seele vernichtet". Die "Selbstherrschaft" des Zaren, so Iwan, sei nun einmal "nach Gottes Ratschluss" gegründet. Eindringlich beschreibt der Monarch, wie er seine Aufgabe versteht: "Und immerdar geziemt es den Herrschern, umsichtig zu sein: hier sehr milde, dort grimmig; für die Guten Gnade und Milde, für die Bösen Grimm und Pein. Wenn er aber das nicht hat, so ist er gar kein Zar; denn der Zar ist nicht in den guten Werken, sondern den bösen zu fürchten." Die Affäre Kurbski macht aus Iwan IV. endgültig Iwan Grosny, den "Gestrengen", den man im Westen bald "den Schrecklichen" nennen wird. Dass er sich die Bojaren zu Feinden auf Lebenszeit gemacht hat, weiß der Potentat schon lange, spätestens seit einer schweren Erkrankung im Jahre 1553. Da zögern angeblich viele Fürsten, die Bitte des Zaren zu erfüllen, seinem kleinen Sohn Dmitrij die Treue zu schwören - um dem Zaren die Erbfolge zu sichern, falls er stirbt. Der Fall Kurbski zeigt aus Sicht des Selbstherrschers, dass die Bojaren sogar potentielle Landesverräter sind, bereit, sich an ausländische Feinde Russlands zu verkaufen.

Ein halbes Jahr danach, im November 1564, entschließt sich der Zar zu einem dramatischen Schritt. Er ruft Bojaren und Geistliche im Moskauer Kreml zusammen. In einer Rede klagt er über Untreue und Verrat. Überraschend verkündet er, er lege seine Herrschaft nieder. Vor den verblüfften Zuhörern zieht er sein Ornat aus, setzt die Krone ab und verlässt bald darauf den Kreml. Am 3. Dezember lässt er mehr als hundert Schlitten beladen und fährt mit Familienangehörigen und Gefährten auf verschneiten Wegen aus der Hauptstadt. Die Reise endet in Alexandrowa Sloboda, einem Landsitz 100 Kilometer nordöstlich von Moskau.

Die Moskauer sind bestürzt und hilflos. Da bringen Reiter Anfang Januar 1565 eine Zaren-Botschaft, die vor dem Volk verlesen wird. Iwan klagt erneut die verräterischen Bojaren an und verkündet sogleich, gegen das Volk von Moskau hege er keinen Groll. Nun geschieht, worauf der Zar gesetzt hat: Eine große Delegation der Moskauer zieht nach Alexandrowa Sloboda, mit Kirchenfahnen und Ikonen, singend und betend. Das Volk will seinen Zaren zurück. Der stellt Bedingungen: Mit "Verrätern" werde er verfahren, wie er es für richtig halte. Und der Staat werde radikal umgebaut.

Opritschnina heißt das Zauberwort der erneuerten Zarenherrschaft. Der Begriff bedeutete ursprünglich den abgesonderten Teil eines Erbes. Praktisch geht es um einen Staat im Staate. Die Opritschniki, eine dem Zaren ergebene Garde, bilden die neue Stütze der Herrschermacht. Die Männer gehören überwiegend zum Dienstadel, einer Schicht, die gut 18000 Mann zählt. Iwan Grosny unterstellt der Opritschnina große Teile des russischen Territoriums, den Südwesten Moskaus inklusive. Die restlichen Gebiete verbleiben als "Semschtschina" unter der Bojaren-Duma.

Die Opritschniki, zunächst 1000 Mann, bald darauf 6000 Kämpfer, leisten dem Zaren einen besonderen Treueeid. Sie tragen schwarze Kittel und führen an ihren Pferden einen Hundekopf und Besen als Abzeichen. Als Sicherheitsdienst sollen sie Feinde des Herrschers wie Hunde aus der Heimat jagen. Erstmals zeigt sich, so der Moskauer Historiker Andrej Firsow, "dass Russland Krisen mit außerordentlichen Kommissionen bewältigt" - eine Anspielung auf die spätere bolschewistische Geheimpolizei. Mit den Opritschniki, meist jungen Aufsteigern aus dem Dienstadel, kommt ein Terrorregime au f Touren. Der Orden unter dem Hundekopf verschafft seinen Mitgliedern Landgüter der Bojaren, die gewaltsam umgesiedelt werden. In Alexandrowa Sloboda errichtet der Zar mit der Opritschnina eine zweite Hauptstadt. Diese Festung hinter Wall und Graben verlässt der Herrscher nur unter dem Schutz einer Sicherheitstruppe. En

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