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Friedrichs Größe Inszenierungen des Preußenkönigs in Fest und Zeremoniell 1740-1815 von Biskup, Thomas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.11.2012
  • Verlag: Campus Verlag
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Friedrichs Größe

Friedrich II. von Preußen ging als Friedrich der Große in die Geschichte ein. Dabei blieb bisher allerdings weitgehend unbeachtet, wie diese Größe von Friedrich selbst mit aufwendigem Prunk in Zeremoniell und höfischem Fest gezielt inszeniert wurde. Thomas Biskup beschreibt diese glanzvolle Festkultur und untersucht darüber hinaus, wie der Kult um Friedrich nach dessen Tod fortgeführt wurde. Schon das Begräbnis war eines der größten Medienereignisse des 18. Jahrhunderts. In den folgenden Jahrzehnten veranstalteten preußische Patrioten nationale Feste, in denen sie das rituelle Gedenken an den "Gründervater" Friedrich fortführten. Selbst Napoleon nutzte nach seinem Sieg über Preußen die Aura des verstorbenen Monarchen, indem er durch verschiedene Zeremonien Friedrich als seinen "Vorfahren" instrumentalisierte. Mit seiner Darstellung dieser Feste und Kulte zeichnet Thomas Biskup ein ungewohntes Bild Friedrichs und rückt ins Bewusstsein, dass auch dieser vermeintlich so spartanische Herrscher höfischen Glanz zu nutzen wusste. Thomas Biskup, Dr. phil., ist Lecturer für die Geschichte der Frühen Neuzeit an der University of Hull in Großbritannien. Zuletzt erschien von ihm bei Campus "Das Erbe der Monarchie", herausgegeben mit Martin Kohlrausch 2008.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 316
    Erscheinungsdatum: 08.11.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593412191
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 6859 kBytes
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Friedrichs Größe

2. Karrussell von Rang und Ruhm: Königliche Selbstinszenierungen

"Eitler Glanz"? Friedrichs Ironie

In einer Festbeschreibung aus dem Berlin des 18. Jahrhunderts ist von außerordentlich einfallsreichen Feiern zu lesen, von kostbarer Ausstattung der Gebäude und der Kleider der Teilnehmer, von einer überwältigenden Folge von Speisen, Musik und Feuerwerken: "[Das] Schloß [kann] man einen Zauber-Pallast heissen. Das Gold, der Marmor, und die Gemälde kämpfen miteinander in der Schönheit und der Pracht. [Alles ist] so wol angelegt und dergestallt ausgeführet, daß es von nichts übertroffen werden kann." Zu einem Diner in Schloss Monbijou, das dem Bericht zufolge von nicht weniger als 1.000 Lampen erhellt wurde, wurde gespeist von einem "goldenen Service ..., das der König bei seiner Gelangung auf den Thron verfertigen ließ und welches wegen der schönen Arbeit, eben so schäzbar ist, als wegen des Werths der Materie." Die am Abend gegebene Oper bestach durch "ausnehmende Stimmen", "reiche Kleidungen und prächtigste Auszierungen". Die Feuerwerke schließlich bestanden aus "einer unendlichen Menge von Raquetten, von Girandolen, von Lancen, von Gerben und von Feux Gregrois; welches eine solche Wirkung that, daß es schien, als ob der Himmel, die Erde und das Wasser ganz in Feuer gerathen wären." Kein Wunder also, dass dem Festbericht zufolge der Hof "vollkommen vergnügt [war] über das, was er allda gesehen hatte und allerseits mit Bewunderung eingenommen, so wol über die Verschiedenheit der Lustbarkeiten, als auch über die Artigkeit, Ordnung und Pracht, welche dabei auf einmal geherrscht hatten." Höhepunkt der beschriebenen Festlichkeiten war ein Reitturnier im Berliner Lustgarten, der zu diesem Zweck zu einem verschwenderisch ausgestatteten Festplatz umgebaut worden war und gegen Abend, wie der offizielle Festbericht hervorhebt, im Licht von nicht weniger als 30.000 Lampen erstrahlte:

"Der Bau an dem Chore des Königes und der Königinnen war nach Corinthischer Ordnung mit Marmor-Pfeilern und Säulen ausgezieret, deren Füße und Gesimse golden waren. Dieser Bau endigte sich in einem gekrönten Fronton, in welchem man des Königes Namen sahe. Das Chor war austapezirt und der Himmel war von Carmesin-Sammet und eben so mit goldenen Galonen und Franzen besezt, wie die Decke, welche über der Wand der Ballustrade hing."

Die Kostüme der Teilnehmer waren an "Glanz", "Pomp" und "Pracht". nicht zu übertreffen: Es gab Purpur und Samt, Tiger- und Marderfell, Silbergaze und Drap d'Argent, Brokat und Atlas, Diamantenbesatz, Perlen und Rubinen, Silberzeug und Silber- und Goldstickereien; noch die Sporen der Reiter bestanden aus mit Diamanten besetztem Silber. All dies klingt nun verdächtig nach dem, was Friedrich gern als den "asiatischen Prunk" seines Großvaters, des ersten Preußenkönigs Friedrich I., verspottete. Veranstalter der ebenbeschriebenen Feiern allerdings war Friedrich II. selbst: Es handelt sich um die Feierlichkeiten im Juli und August 1750, die der König in Berlin und Potsdam aus Anlass des mehrmonatigen Besuchs des Markgrafen und der Markgräfin von Bayreuth - der in der Literatur als "Lieblingsschwester" Friedrichs betitelten Wilhelmine - organisieren ließ. In einem Brief an seine Schwester hatte er angekündigt, er wolle sie ganz "ohne Zeremonie empfangen, die Sie nicht lieben und die ich verachte", aber seiner Freude über ihren Besuch Ausdruck verleihen mithilfe "von Festen, die Sie unterhalten werden, ohne Sie in Verlegenheit zu stürzen."

Deutlich wird hier also, dass die bekannten ironischen Distanzierungen Friedrichs von höfischem Zeremoniell und "Pomp", vom "eitlen Glanz frivoler und unnützer Zeremonien" nicht einfach als Absage an zeremonielles Handeln als solches lesbar sind. Diese Sprechakte dürfen nicht einfach als Ausdruck einer konsistenten, vermeintlich aus jeder Äußerung ablesbaren Programmatik herrscherlichen Handelns gewertet werden, sondern müssen in ihrem jeweilig

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