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Geschichte der Frühen Neuzeit von Maissen, Thomas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.09.2013
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Geschichte der Frühen Neuzeit

Von der Erfindung des Buchdrucks und der Entdeckung Amerikas schlägt Thomas Maissen den Bogen bis zur Industriellen und Französischen Revolution. In jeweils wechselnden Perspektiven erläutert er die entscheidenden Entwicklungen wie Humanismus, Reformation, das spanische Weltreich Karls V. und Philipps II., den Dreißigjährigen Krieg und die höfische Gesellschaft Ludwigs XIV., schließlich die Aufklärung und den Aufstieg Großbritanniens und Preußens im europäischen Mächtegleichgewicht. In der spannenden Überblicksdarstellung wird der politische, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Wandel dieser Epoche in den wechselseitigen Bedingtheiten deutlich.

Thomas Maissen ist Professor für Geschichte der Neuzeit an der Universität Heidelberg, Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften sowie Direktor des Exzellenzclusters "Asia and Europe in a Global Context". Seit September 2013 wirkt er als Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Paris.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 30.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406654732
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 2944 kBytes
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Geschichte der Frühen Neuzeit

2. Das Jahrhundert der Habsburger:
Imperium und konfessionelle Einheit

Im Herbst 1494 zog der französische König Karl VIII. mit rund 14.000 Soldaten über die Alpen; fast die Hälfte davon waren Schweizer Söldner. Seine 70 neuartigen mobilen Bronzekanonen zerschlugen mit Eisenkugeln die Mauern der wenigen Städte und Festungen, die sich seinem Feldzug durch Italien entgegenstellten. Unter Berufung auf weit zurückliegende Erbansprüche eroberte Karl so beinahe kampflos das Königreich Neapel, das als Basis für einen Kreuzzug dienen sollte. Doch der gestürzte Herrscher von Neapel war ein Vetter des spanischen Königs Ferdinand, der sich nun Karl VIII. entgegenstellte. Ferdinand konnte auf eine breit abgestützte "Heilige Liga" zählen: Papst Alexander VI., Venedig und Mailand sowie der deutsche König Maximilian I. Der französische Herrscher musste sich bereits 1495 fluchtartig zurückziehen. Dennoch erlangte Neapel seine Unabhängigkeit nicht zurück. Der zuvor mächtigste Staat Italiens, der von den Abruzzen bis Sizilien reichte, wurde ein spanisches Vizekönigreich. Danach diente bis zum Frieden von Cateau-Cambrésis 1559 vor allem Oberitalien als Schlachtfeld im Ringen zwischen der französischen Valois-Dynastie und den spanischen und österreichischen Habsburgern. Dieser epochale Gegensatz sollte bis zum Ausbruch des Siebenjährigen Kriegs 1756 die europäische Allianzpolitik prägen und die Staatenwelt erst eigentlich ausbilden.

Dafür lieferte das italienische Staatensystem in mancher Hinsicht das Modell. So entsandten die spanischen Könige 1487 erstmals einen residierenden Botschafter in ein anderes Land. Stilbildend wirkten auch die kulturellen Schätze der Renaissance, welche die ausländischen "Barbaren", wie sie nicht nur Machiavelli nannte, ins Land gelockt hatten. Kulturell setzten Rom, Venedig und auch andere Städte in Spätrenaissance und Barock weiterhin Standards. Politisch geriet dagegen die Halbinsel, bis auf den Kirchenstaat und Venedig, dauerhaft unter die Kontrolle fremder Mächte. Für Spanien wurde Italien die wichtigste Basis seiner imperialen Macht, und seine Herrscher und Granden verbanden sich eng mit führenden Familien wie den Medici, Gonzaga oder Doria. Genua mit seiner bedeutenden Flotte bildete den wichtigsten Brückenkopf und bot als Finanzplatz viele Dienstleistungen, von denen es zugleich stark profitierte.

Im politischen Abstieg erlahmte allerdings allmählich die wirtschaftliche Kreativität. Die im Mittelalter dominanten italienischen Städte verloren wegen der Verschiebung der Handelsströme im 16. und vor allem im 17. Jahrhundert an relativer Bedeutung gegenüber den Häfen am Atlantik. Sie gehörten, anders als die italienischen Stadtstaaten, zu großen Erbmonarchien, die sich in einem immer heftigeren Dauerwettbewerb befanden. Häufig handelte es sich gleichsam um Familienstreitigkeiten, denn die Dynastien achteten immer stärker darauf, nur untereinander zu heiraten: Kinder von Königen oder Kurfürsten. Das spanische Herrscherhaus verband sich im 16. und 17. Jahrhundert wiederholt mit englischen und französischen Prinzessinnen, vor allem aber mit den österreichischen Habsburgern. Diese Inzucht trug zum Aussterben der spanischen Habsburger bei. Der behinderte Karl II., der 1700 kinderlos sterben sollte, hatte wegen der innerfamiliären Heiraten nur zehn Urururgroßeltern; normalerweise sind es 32.

Die Heiratskreise wurden enger, weil der Aufstieg unter die Herrscherdynastien kaum mehr möglich war - anders als bei den Medici in der Renaissance. Eine Kluft entstand zwischen den Königen und ihrem Hochadel, den französischen Pairs ,

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