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Kardinäle, Künstler, Kurtisanen Wahre Geschichten aus dem päpstlichen Rom von Reinhardt, Volker (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.08.2015
  • Verlag: Primus
eBook (ePUB)
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Kardinäle, Künstler, Kurtisanen

Das Rom des 16. bis 18. Jahrhundert war die Hauptstadt eines kleinen Staates, aber zugleich das Herz des christlichen Europa, Botschafter, Kardinäle, Könige aller Länder trafen sich am päpstlichen Hof. Politische Verhandlungen wechselten mit pompösen Festen, eifersüchtig wachten die Vertreter der verschiedenen Nationen über ihre Privilegien oder auch über die stadtbekannten Schönen. Künstler und Gelehrte gaben dem Hof Glanz. Arne Karsten und Volker Reinhardt zeichnen in mitreißenden Vignetten diese Welt der hochgezüchteten Ehrvorstellungen und barocken Sinnenfreude nach. Sie begleiten uns zum römischen Metzger, dessen wohlschmeckende Würste nicht nur legale Ingredienzen enthalten; auf Kardinalsfeste mit unverhüllter Damenbegleitung; in den Straßen der Petersstadt, auf denen sich verfeindete Spanier und Franzosen zuweilen wüste Schlägereien liefern. Sie beschreiben Glanzstunden in den Ateliers des Caravaggio oder des Bernini oder im Studierzimmer Galileis. Will man das Rom der Barockzeit hören, riechen und spüren, so sollte man diese historischen Skizzen lesen!

Volker Reinhardt, geb. 1954, lehrt allgemeine und Schweizer Geschichte an der Universität Fribourg/Schweiz. Er ist einer der renommiertesten Kenner der neuzeitlichen Geschichte Italiens und Roms. Bei der WBG erschienen von ihm u.a. 'Kardinäle - Künstler - Kurtisanen. Wahre Geschichten aus dem barocken Rom' (2004), 'Blutiger Karneval. Der Sacco di Roma 1527' (2. Aufl. 2009) und 'Rom. Geschichte der ewigen Stadt' (zus. mit Michael Sommer, 2008).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 207
    Erscheinungsdatum: 01.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863127954
    Verlag: Primus
    Größe: 4730kBytes
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Kardinäle, Künstler, Kurtisanen

VOLKER REINHARDT
Schreckliche Diplomaten, Politik der Illusionen. Auf dem Weg in den Sacco di Roma

Im März 1525 steht Rom noch in einiger Entfernung vom Krater des Vulkans, auf dem die päpstliche Diplomatie zu tanzen beginnt. Doch rücken der Papst und seine Minister dem Abgrund unaufhaltsam näher, wie von einem Unstern geleitet. Das jetzt anhebende Todesballett hat der damalige außenpolitische Chefberater Papst Clemens' VII. Medici, Francesco Guicciardini, zwölf Jahre danach in seiner monumentalen Geschichte Italiens von 1490 bis 1534 festgehalten: Akt für Akt, Pirouette für Pirouette, bis zum Sturz ins Bodenlose. In die Bitternis und Empörung dieses unversöhnten Rückblicks mischt sich doppeltes Unbehagen: darüber, am Anfang mit dem eigenen Ratschlag die römische Politik in die fatale Richtung manövriert zu haben und dann der Eskalation der Unvernunft hilflos zusehen zu müssen. Die Niederschrift der unheilvollen Ereignisse bewirkt keine Katharsis, sondern qualvolles Nochmal-Erleben. Die Schatten der Toten steigen wieder auf. Selber auf den Tod krank, ringt der Historiker Guicciardini mit den Gespenstern der Vergangenheit. Bannen lassen sie sich nur durch die unbarmherzige Genauigkeit des Berichts.

Rom hatte im Machtkampf zwischen Kaiser Karl V., in Personalunion König von Spanien sowie Chef des Hauses Habsburg, und König Franz I. von Frankreich auf die falsche Karte gesetzt. In der Schlacht von Pavia am 24. Februar 1525 hatte der französische König nicht nur den Krieg um Mailand und die Blüte seines Adels, sondern auch seine Freiheit verloren. Sein päpstlicher Bundesgenosse hatte vom Sieger vorerst, so schien es, wenig zu befürchten. Beunruhigt war man in Rom dennoch. Clemens hatte immerhin erst kurz vor Aufnahme der Feindseligkeiten die Seiten gewechselt, um sich den vermeintlich stärkeren Bataillonen anzuschließen. Mit französischen Waffen hoffte er, die spanisch-kaiserliche Machtstellung zu schwächen, die sich zu einer regelrechten Hegemonie auszuweiten drohte; schließlich bildete ganz Süditalien einschließlich Siziliens einen Teil des habsburgischen Imperiums. Diese handfesten Machtinteressen Roms ließen sich allerdings durch eine erhabene Formel verbrämen: dass der Pontifex maximus als gemeinsamer Vater der Christenheit für Ausgleich unter den weltlichen Herrschern zu sorgen und deswegen eine einseitige Übermacht zum Schutze der Kirche und des Glaubens zu verhindern habe. Beim Kaiser durfte man für solche Floskeln auf Entgegenkommen hoffen, produzierte er doch selbst genug davon: nackte Staatsräson nobel zu bemänteln, das war seit langem Brauch der europäischen Politik.

Doch waren die Motive der römischen Besorgnis damit noch nicht erschöpft. Allzu lange hatte Giulio de' Medici, der spätere Papst Clemens VII., mit seiner ganzen Familie in den Zeiten ihres Exils 1494 bis 1512 die Gunst von Karls Großvater Maximilian genossen. Dass aus dem ehemaligen Klienten jetzt ein Gegner geworden war, konnte man durch eine nicht minder wohlklingende Wendung begründen: Rollentausch, Identitätsauswechslung, Annahme höherer Wesenszüge, eine Verwandlung, wie sie - so die offizielle Version des Papsttums - die Erhebung auf den Stuhl Petri durch den Heiligen Geist bewirke. Auch für diese Erklärung brachte Karl V. viel Verständnis auf, hatte er doch selbst in seinem erst 25-jährigen Leben mehr Länder und Titel geerbt als je ein Sterblicher vor ihm und damit stetig an internationaler Statur und Rang gewonnen. Auf diese Weise aber mussten die gerade noch Ebenbürtigen zu Vasallen schrumpfen - oder Freunde zu Feinden werden. Das alles war als unvermeidlich akzeptiert. Und auch dass dieser Verrat in der Stunde der Not und zuerst heimlich geschah, ist durch die neue Idee der Staatsräson gedeckt, wie sie wenige Jahre zuvor von Machiavelli prägnant formuliert, aber schon seit langem praktiziert wurde. Wenn sich das alles durch Normen entschuldigen ließ, was treibt dann dem Histo

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