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Koloniale Begegnungen Deutschland und Großbritannien als Imperialmächte in Afrika 1880-1914 von Lindner, Ulrike (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.11.2011
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (PDF)
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Koloniale Begegnungen

Kolonialismus in Afrika war während der Phase des Hochimperialismus in vielen Aspekten ein gemeinsames Projekt der europäischen Kolonialnationen. Mit wachsender Aufmerksamkeit verfolgten die Kolonisierenden die Politik ihrer europäischen Konkurrenten. Der Vergleich untereinander entwickelte sich zu einer imperialen Strategie, die für die Ausformung der eigenen Kolonialherrschaft eine entscheidende Rolle spielte. Der Globalisierungsschub in den Dekaden vor dem Ersten Weltkrieg, der eine technische Vernetzung und rascheren Austausch zwischen den Kolonialmächten ermöglichte, begünstigte diese Entwicklung. Im Prozess der Kolonisierung Afrikas standen sich die beiden hier untersuchten Kolonialmächte Großbritannien und Deutschland als erfahrene Kolonialmacht und als 'Nachzügler' gegenüber. Für Deutschland, das sich erst ab 1884 in Kolonien engagierte, galt Großbritannien stets als Bezugspunkt kolonialer Überlegungen. Insofern bietet es sich geradezu an, den deutschen Kolonialismus in Bezug auf den britischen Kolonialismus zu untersuchen - das Vorbild, an dem sich die Deutschen abarbeiteten, nachahmend und abgrenzend. Beim Britischen Empire liegt Deutschland als Vergleichspunkt weniger nahe, da das Vereinte Königreich überall auf der Welt den verschiedensten Kolonialmächten begegnete. Wendet man sich allerdings Afrika in der Zeit des Hochimperialismus zu, so gewinnt der Austausch mit Deutschland an Bedeutung. Gerade nach 1900 engagierten sich die Deutschen stark in ihren afrikanischen Kolonien, die in ihrem Kolonialreich den wichtigsten Platz einnahmen. Deutsche Kolonien wurden so für das britische Empire über strategische Überlegungen hinaus als Wissenslieferanten wichtig, auch wenn man sich stets vom unerfahrenen 'Kolonialneuling' abzugrenzen suchte. Der britische Publizist Louis Hamilton schrieb 1912 in der Zeitschrift United Empire über deutschen und britischen Kolonialismus: 'The Germans are willing to learn where they can from us: let us be equally open-minded and learn where we can from them.' Die Interaktionen über die Grenzen der Kolonien hinweg sowie zwischen den Mutterländern intensivierten sich in den nächsten Jahren. So stand Wilhelm Solf, Staatssekretär des deutschen Reichskolonialamtes ab 1911, noch im Juni 1914 mit Frederick Lugard, dem einflussreichen britischen Kolonialpolitiker und Gouverneur von Nigeria, in enger Korrespondenz über Fragen kolonialer Administration in Westafrika. Wenige Wochen vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs würde man einen solchen Austausch zwischen Politikern zweier Nationen, die sich in den Jahren zuvor zu den größten Rivalen in Europa entwickelt hatten, nicht erwarten. Das Kaiserreich war zur wichtigsten kontinentalen Macht in Europa aufgestiegen und provozierte Großbritannien durch seine intensive Flottenaufrüstung, das Britische Empire wiederum sah sich in der edwardianischen Ära mit zahlreichen Problemen konfrontiert, die die britische Vormachtstellung in der Welt in Frage stellten. Der nur mühsam errungene Sieg gegen die Buren im Südafrikanischen Krieg 1899-1902 galt in den Augen vieler britischer Zeitgenossen als Zeichen eines beginnenden Niedergangs. Trotz dieser Differenzen erschien eine koloniale Verständigung in Afrika selbstverständlich. Innerhalb dieses Spannungsverhältnisses von Konkurrenz und Kooperation, Globalisierung sowie nationalen Rivalitäten und Abgrenzungen wird die britische und deutsche Kolonialherrschaft in Afrika in den Dekaden vor dem Ersten Weltkrieg in den Blick genommen. Kolonialherrschaft in Afrika definiert sich in erster Linie als Gewaltherrschaft kolonisierender Europäer über kolonisierte Ethnien und als Geschichte kolonialer Ausbeutung. Sie stellt sich aber genauso als die gemeinsame, verflochtene Geschichte eines Austauschs und einer Begegnung dar - in erster Linie zwischen Afrikanern und Europäern, aber auch zwischen den beiden europäischen Kolonialherren. Die Studie widmet sich den Begegnungen der kolonisieren

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 533
    Erscheinungsdatum: 14.11.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593412276
    Verlag: Campus Verlag
    Serie: Globalgeschichte Bd.10
    Größe: 8369 kBytes
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Koloniale Begegnungen

Kolonialismus in Afrika war während der Phase des Hochimperialismus in vielen Aspekten ein gemeinsames Projekt der europäischen Kolonialnationen. Mit wachsender Aufmerksamkeit verfolgten die Kolonisierenden die Politik ihrer europäischen Konkurrenten. Der Vergleich untereinander entwickelte sich zu einer imperialen Strategie, die für die Ausformung der eigenen Kolonialherrschaft eine entscheidende Rolle spielte. Der Globalisierungsschub in den Dekaden vor dem Ersten Weltkrieg, der eine technische Vernetzung und rascheren Austausch zwischen den Kolonialmächten ermöglichte, begünstigte diese Entwicklung.
Im Prozess der Kolonisierung Afrikas standen sich die beiden hier untersuchten Kolonialmächte Großbritannien und Deutschland als erfahrene Kolonialmacht und als 'Nachzügler' gegenüber. Für Deutschland, das sich erst ab 1884 in Kolonien engagierte, galt Großbritannien stets als Bezugspunkt kolonialer Überlegungen. Insofern bietet es sich geradezu an, den deutschen Kolonialismus in Bezug auf den britischen Kolonialismus zu untersuchen - das Vorbild, an dem sich die Deutschen abarbeiteten, nachahmend und abgrenzend. Beim Britischen Empire liegt Deutschland als Vergleichspunkt weniger nahe, da das Vereinte Königreich überall auf der Welt den verschiedensten Kolonialmächten begegnete. Wendet man sich allerdings Afrika in der Zeit des Hochimperialismus zu, so gewinnt der Austausch mit Deutschland an Bedeutung. Gerade nach 1900 engagierten sich die Deutschen stark in ihren afrikanischen Kolonien, die in ihrem Kolonialreich den wichtigsten Platz einnahmen. Deutsche Kolonien wurden so für das britische Empire über strategische Überlegungen hinaus als Wissenslieferanten wichtig, auch wenn man sich stets vom unerfahrenen 'Kolonialneuling' abzugrenzen suchte. Der britische Publizist Louis Hamilton schrieb 1912 in der Zeitschrift United Empire über deutschen und britischen Kolonialismus: 'The Germans are willing to learn where they can from us: let us be equally open-minded and learn where we can from them.' Die Interaktionen über die Grenzen der Kolonien hinweg sowie zwischen den Mutterländern intensivierten sich in den nächsten Jahren. So stand Wilhelm Solf, Staatssekretär des deutschen Reichskolonialamtes ab 1911, noch im Juni 1914 mit Frederick Lugard, dem einflussreichen britischen Kolonialpolitiker und Gouverneur von Nigeria, in enger Korrespondenz über Fragen kolonialer Administration in Westafrika.
Wenige Wochen vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs würde man einen solchen Austausch zwischen Politikern zweier Nationen, die sich in den Jahren zuvor zu den größten Rivalen in Europa entwickelt hatten, nicht erwarten. Das Kaiserreich war zur wichtigsten kontinentalen Macht in Europa aufgestiegen und provozierte Großbritannien durch seine intensive Flottenaufrüstung, das Britische Empire wiederum sah sich in der edwardianischen Ära mit zahlreichen Problemen konfrontiert, die die britische Vormachtstellung in der Welt in Frage stellten. Der nur mühsam errungene Sieg gegen die Buren im Südafrikanischen Krieg 1899-1902 galt in den Augen vieler britischer Zeitgenossen als Zeichen eines beginnenden Niedergangs. Trotz dieser Differenzen erschien eine koloniale Verständigung in Afrika selbstverständlich.
Innerhalb dieses Spannungsverhältnisses von Konkurrenz und Kooperation, Globalisierung sowie nationalen Rivalitäten und Abgrenzungen wird die britische und deutsche Kolonialherrschaft in Afrika in den Dekaden vor dem Ersten Weltkrieg in den Blick genommen. Kolonialherrschaft in Afrika definiert sich in erster Linie als Gewaltherrschaft kolonisierender Europäer über kolonisierte Ethnien und als Geschichte kolonialer Ausbeutung. Sie stellt sich aber genauso als die gemeinsame, verflochtene Geschichte eines Austauschs und einer Begegnung dar - in erster Linie zwischen Afrikanern und Europäern, aber auch zwischen den beiden europäischen Kolonialherren.
Die Studie widmet sich den Begegnungen der kolonisieren

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