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Otto von Bismarck - Gedanken und Erinnerungen von Bismarck, Otto von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.07.2015
  • Verlag: Anaconda Verlag
eBook (ePUB)
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Otto von Bismarck - Gedanken und Erinnerungen

Bismarcks 'Gedanken und Erinnerungen' sind das bedeutendste Zeugnis politischer Memoirenliteratur in der deutschen Geschichte. Nicht als geschlossene Darstellung seiner politischen Laufbahn oder kontinuierliche Schilderung der historischen Ereignisse entfaltet dieses außergewöhnliche Werk seine Wirkung, sondern als große staatspolitische Reflexion und brillant erzähltes Erinnerungsbuch, das zahlreiche persönliche Erlebnisse und Begegnungen eindrucksvoll charakterisiert. In dieser Ausgabe sind die beiden zu Lebzeiten Bismarcks veröffentlichten Bände vollständig enthalten.

Otto von Bismarck (1815-1898) war unter König Wilhelm I. ab 1862 preußischer Ministerpräsident, ab 1871 Reichskanzler, bis der Bruch mit Kaiser Wilhelm II. 1890 zu seiner Entlassung führte. Er hat vor allem außenpolitisch gewirkt und das Deutsche Reich im europäischen Staatensystem etabliert. Seine Memoiren entstanden 1890/91 kurz nach seiner Entlassung als Reichskanzler und erschienen postum 1898.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 576
    Erscheinungsdatum: 02.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783730690925
    Verlag: Anaconda Verlag
    Größe: 1838 kBytes
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Otto von Bismarck - Gedanken und Erinnerungen

KAPITEL 2

Das Jahr 1848

I

Die erste Kunde von den Ereignissen des 18. und 19. März 1848 erhielt ich im Haus meines Gutsnachbarn, des Grafen von Wartensleben auf Karow, zu dem sich Berliner Damen geflüchtet hatten. Für die politische Tragweite der Vorgänge war ich im ersten Augenblick nicht so empfänglich wie für die Erbitterung über die Ermordung unsrer Soldaten in den Straßen. Politisch, dachte ich, würde der König bald Herr der Sache werden, wenn er nur frei wäre; ich sah die nächste Aufgabe in der Befreiung des Königs, der in der Gewalt der Aufständischen sein sollte.

Am 20. meldeten mir die Bauern in Schönhausen, es seien Deputierte aus dem dreiviertel Meilen entfernten Tangermünde angekommen, mit der Aufforderung, wie in der genannten Stadt geschehen war, auf dem Turm die schwarz-rot-goldne Fahne aufzuziehen, und mit der Drohung, im Weigerungsfall mit Verstärkung wiederzukommen. Ich fragte die Bauern, ob sie sich wehren wollten: Sie antworteten mit einem einstimmigen und lebhaften "Ja", und ich empfahl ihnen, die Städter aus dem Dorf zu treiben, was unter eifriger Beteiligung der Weiber besorgt wurde. Ich ließ dann eine in der Kirche vorhandene weiße Fahne mit schwarzem Kreuz, in Form des eisernen, auf dem Turm aufziehen und ermittelte, was an Gewehren und Schießbedarf im Dorf vorhanden war, wobei etwa fünfzig bäuerliche Jagdgewehre zum Vorschein kamen. Ich selbst besaß mit Einrechnung der altertümlichen einige zwanzig und ließ Pulver durch reitende Boten von Jerichow und Rathenow holen.

Dann fuhr ich mit meiner Frau auf umliegende Dörfer und fand die Bauern eifrig bereit, dem König nach Berlin zu Hilfe zu ziehn, besonders begeistert einen alten Deichschulzen Krause in Neuermark, der in meines Vaters Regiment "Carabiniers" Wachtmeister gewesen war. Nur mein nächster Nachbar sympathisierte mit der Berliner Bewegung, warf mir vor, eine Brandfackel in das Land zu schleudern, und erklärte, wenn die Bauern sich wirklich zum Abmarsch anschicken sollten, so werde er auftreten und abwiegeln. Ich erwiderte: "Sie kennen mich als einen ruhigen Mann, aber wenn Sie das tun, so schieße ich Sie nieder". - "Das werden Sie nicht", meinte er. - "Ich gebe mein Ehrenwort darauf", versetzte ich, "und Sie wissen, daß ich das halte, also lassen Sie das."

Ich fuhr zunächst allein nach Potsdam, wo ich am Bahnhof Herrn von Bodelschwingh sah, der bis zum 19. Minister des Innern gewesen war. Es war ihm offenbar unerwünscht, im Gespräch mit mir, dem "Reaktionär", gesehen zu werden; er erwiderte meine Begrüßung mit den Worten: "Ne me parlez pas." - "Les paysans se lèvent chez nous", erwiderte ich. "Pour le Roi?" - "Oui." - "Dieser Seiltänzer", sagte er, die Hände auf die tränenden Augen drückend. In der Stadt fand ich auf der Plantage an der Garnisonkirche ein Bivouak der Garde-Infanterie; ich sprach mit den Leuten und fand Erbitterung über den befohlenen Rückzug und Verlangen nach neuem Kampf. Auf dem Rückwege längs des Kanals folgten mir spionartige Zivilisten, welche Verkehr mit der Truppe gesucht hatten und drohende Reden gegen mich führten. Ich hatte vier Schuß in der Tasche, bedurfte ihrer aber nicht. Ich stieg bei meinem Freund Roon ab, der als Mentor des Prinzen Friedrich Karl einige Zimmer in dem Stadtschloß bewohnte, und besuchte im "Deutschen Haus" den General von Möllendorf, noch steif von den Mißhandlungen, die er erlitten, als er mit den Aufständischen unterhandelte, und General von Prittwitz, der in Berlin kommandiert hatte. Ich schilderte ihnen die Stimmung des Landvolks; sie gaben mir dagegen Einzelheiten über die Vorgänge bis zum 19. morgens. Was sie zu berichten hatten und was an späteren Nachrichten aus Berlin hergelangt war, konnte mich nur in dem Glauben bestärken, daß der König nicht frei sei.

Prittwitz, der älter als ich war und ruhiger urteilte, sagte: "Sch

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