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WBG Deutsch-Polnische Geschichte - Frühe Neuzeit Altes Reich und Alte Republik. Deutsch-polnische Beziehungen und Verflechtungen 1500-1806. Band II von Bömelburg, Hans-Jürgen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.04.2014
  • Verlag: WBG Academic
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WBG Deutsch-Polnische Geschichte - Frühe Neuzeit

Der zweite Band der Deutsch-Polnischen Geschichte zeichnet die gemeinsame Entwicklung von 1500 bis 1806 nach, von der polnischen 'Alten Republik' und dem deutschen 'Alten Reich' über die Zeit der sächsisch-polnischen Union, der Teilungen Polens bis hin zum Ende der älteren deutschen und polnischen Staatlichkeiten in den Napoleonischen Kriegen. Nach einer chronologischen Darstellung der historischen Entwicklung gehen in einem zweiten Teil thematische Kapitel vertieft auf einzelne Aspekte ein. Die jeweiligen Gesellschaften, wirtschaftliche und sprachliche Verflechtungen, Kultur und Hof, die konfessionelle Entwicklung, sächsisch-polnische und preußisch-polnische Beziehungen sowie ältere nationale Prägungen stehen im Zentrum vertiefter Betrachtungen. Insgesamt entsteht so ein eindrucksvolles Panorama von rund 300 Jahren eng verflochtener Geschichte.

Hans-Jürgen Bömelburg, geb. 1961, ist Professor für Osteuropäische Geschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen und Co-Vorsitzender der Gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 216
    Erscheinungsdatum: 01.04.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534725410
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 3361 kBytes
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WBG Deutsch-Polnische Geschichte - Frühe Neuzeit

Einleitung

Eine Beziehungsgeschichte in der Frühen Neuzeit (1500-1806)

Die deutsch-polnische Beziehungs- und Verflechtungsgeschichte in der Frühen Neuzeit ist von besonderer Bedeutung und Intensität. Sie spielt sich erstmals zwischen zwei Reichsverbänden ab, die nun jeweils die Bezeichnung "deutsch" und "polnisch" in ihren Namen tragen: dem Heiligen Römischen Reich "deutscher Nation" - der Zusatz trat im späten 15. Jahrhundert zu dem älteren Reichstitel hinzu, oft auch kurz als "Altes Reich" oder "römischdeutsches Reich" bezeichnet - und der "Krone Polen" ( Korona polska ) bzw. der "Polnischen Respublica" ( Rzeczpospolita Polska ). Das auch im deutschen Fall ergänzte nationale Attribut, das den sakralen wie imperialen Anspruch der Reichsidee unterhöhlte, macht deutlich, dass nationale Zuordnungen im Humanismus eine neue historisch-gruppenbezogene Grundierung erfuhren und von einem Teil der intellektuellen Eliten in Konkurrenz zueinander formuliert wurden.

Dabei war der jeweilige Herrschaftsraum beider Reiche strittig und wurde in konfliktreichen, aber friedlich ausgetragenen internationalen Diskussionen definiert: Deutschsprachige, in Krakau studierende Humanisten wie Konrad Celtis oder Heinrich Bebel konstruierten in Anlehnung an die antike Geographie des Ptolemäus eine Germania magna , die bis zur Weichsel reichte; polnische Gebildete wie der Posener Bischof Andrzej Krzycki oder Marcin Bielski entwickelten als Antwort eine polnische Nationalgeschichte, die alle Slawen umfasste und die Gebiete bis zur Oder, Elbe oder Weser beschrieb. Der frühneuzeitliche polnisch-litauische Verband reichte bis über den Dnjepr hinaus und gliederte sich große ostkirchliche orthodoxe Territorien ein, die als Teile eines angeblich indigen polnischen Herrschaftsverbandes mit antiker Legitimation angesehen wurden - die polnischen Adligen betrachteten sich als Erben der Sarmatia und Nachfahren der Sarmaten. Die polnisch-katholischen Herrschaftsansprüche in ostkirchlichen Territorien schufen latente Konflikte. So entstanden im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts nationale Argumentationen, die gedruckt wurden und somit zukünftig verfügbar waren.

Beide Staatsverbände - auch das Alte Reich kann mit Georg Schmidt als Reichsstaat bezeichnet werden - weisen in der Frühen Neuzeit eine prinzipielle Gleichberechtigung auf: Ältere Ansprüche einer hierarchisch höheren Stellung des römisch-deutschen Reichs wurden von polnischer Seite konsequent abgelehnt. Mit der Integration des Großfürstentums Litauen in einen immer stärker polnisch geprägten Verband erstreckte sich Polen-Litauen auf über 800.000 km² (1582) und umfasste Teile des heutigen Lettlands, ganz Litauen und Belarus sowie einen großen Teil der heutigen Ukraine und des heutigen Russlands. In beiden Verbänden hatten die Herrscher ähnliche Probleme mit der Durchdringung des Raums unter den schwierigen Bedingungen frühneuzeitlicher Kommunikation: Um von der im Südwesten Kleinpolens liegenden Residenzstadt Krakau bis nach Polock oder Smolensk im Nordosten zu reisen, benötigte man vier Wochen, eine ähnliche Zeit beanspruchte die Reise von Basel bis ins pommersche Stolp. Solche Verbände waren kaum kommunikativ erfassbar und nicht zentral regierbar. Insbesondere die Peripherien waren nur begrenzt beherrschbar und in lockeren Reichslehnverbänden organisiert (Oberitalien, Burgund, Böhmen und Schlesien im Fall des römisch-deutschen Reichs, Preußen, Kurland und Livland im Falle Polen-Litauens). Der deutsche Reichstag und der polnisch-litauische Sejm erfüllten als Nachrichten- und Aushandlungsforen eine vergleichbare Funktion, wobei in beiden zentralen Ständeversammlungen auch die Nachbarn vertreten waren: Der Reichstag wurde im 16. Jahrhundert intensiv von polnischen Delegationen besucht, am Sejm nahmen neben brandenburgischen und habsburgischen Beobachtern auch die deutschsprachigen Eliten des Preußenlandes teil. 1/

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