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Die Lausitzer Von der ersten europäischen Gemeinschaft bis zu den 'eingewanderten' Slawen von Wermusch, Günter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.10.2015
  • Verlag: Tectum Wissenschaftsverlag
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Die Lausitzer

In der Schule haben wir gelernt, das heutige Deutschland sei schon immer von germanischen Stämmen besiedelt gewesen. Nur in historisch begrenzter Zeit, nämlich etwa vom sechsten bis zum zwölften Jahrhundert, hätten in Mitteldeutschland, dem heutigen Ostdeutschland, Slawen gewohnt. Die seien dort irgendwie 'eingesickert'. Wie aber kommt es, dass im Gebiet zwischen Elbe/Saale und Oder mehr als vier Fünftel aller Ortsnamen slawischer Herkunft sind? Noch deutlicher wird es bei den Flurnamen. Um dieser Frage nachzugehen, begibt sich Günter Wermusch auf eine Entdeckungsreise, die ihn bis in das zweite Jahrtausend vor der Zeitenwende führt. Er hinterfragt dabei Homers Epen über den Trojanischen Krieg, sucht nach der Identität von Gestalten aus dem Alten Testament und befasst sich mit der Auslegung antiker Inschriften, wie etwa auf der Nautenstele von Notre Dame. Immer wieder stößt er dabei auf die uralte Sprache der Véneter, in der sich schon die Troër, die Véneter in Oberitalien und auch die keltischen Gallier verständigt haben. Günter Wermusch, geboren 1936 in Coswig/Anhalt, ist deutscher Historiker mit Studium in Moskau und Berlin. Zu seinen weiteren Veröffentlichungen zählen neben 32 Übersetzungen von Büchern aus dem Russischen und Englischen auch 11 eigene Werke, vornehmlich zu historischen Themen. Zusammen mit Dr. Klaus Goldmann verortete Wermusch 1996 das sagenhafte 'Handelsemporium Vineta' in der Barther Region der Ostsee. Seit 1999 trägt Barth nun auch den Zusatz 'Vineta-Stadt'.

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Die Lausitzer

E RSTER T EIL :

Aus vorgeschichtlicher Zeit

2 Die Helden von Troja

Nach Cato stammen die Veneter
von einem trojanischen Volk.

(Strabo: Geographika II, 1, 130)

Er gilt als der antike Dichter schlechthin, jener Mann namens Homer, der die " Ilias ", das Epos über die letzten 50 Tage im Trojanischen Krieg, und die " Odyssee " verfasst haben soll. Ansonsten wusste man schon in der Antike nichts über ihn.

Umso mehr schoss die Fantasie ins Kraut. Insgesamt sind neun Lebensbeschreibungen des Epikers überliefert, die jedoch alle erst kurz vor und nach der Zeitenwende entstanden. Nicht weniger als sieben Städte erheben Anspruch, Homers Heimat gewesen zu sein. Am wahrscheinlichsten wäre noch das ionische Smyrna - das heutige Izmir - an der Westküste Kleinasiens, sofern man den Krieg um Troja als historische Tatsache anerkennt. Das taten fast alle antiken Autoren. Der griechische Philosoph Anaxagoras (um 500-428 v. Z.) gehörte zu den wenigen, die bezweifelten, dass dieser Krieg überhaupt stattgefunden hat. Ihm fehlte es einfach an Belegen. Die waren tatsächlich kaum zu erbringen.

Anhand der archäologischen Befunde haben sich die meisten Forscher darauf geeinigt, dass der Trojanische Krieg historische Tatsache ist und sich im 13. oder 12. Jahrhundert v. Z. zugetragen haben muss.

Näher will man sich nicht festlegen; denn über so weit zurückliegende Zeiträume hilft auch die Radiokarbonmethode nicht weiter. Da muss man schon mit Toleranzen zwischen plus und minus 100 Jahren rechnen.

Lassen wir es erst einmal dabei, um uns im fünften Kapitel der Frage noch einmal zu widmen. Das Epos selbst habe der Grieche Homer etwa zur Mitte des achten Jahrhunderts v. Z. niedergeschrieben, heißt es fast einmütig in modernen Abhandlungen.

Allerdings ist das nicht mehr als eine Hypothese. In dieser Zeit waren die Griechen nach fast 300 Jahren Unterbrechung erst wieder zu einer Schriftsprache gekommen. Nicht minder hypothetisch ist die Annahme, dass der Verfasser der " Ilias " und " Odyssee " ein Grieche war.

2.1 Wer waren die Bewohner von Troja?

Die Bayreuther Philosophin Gertrud Kahl-Furthmann publizierte 1967 ein Buch mit dem Titel " Wann lebte Homer? " 5

Sie stellte darin die These auf, die Sprache der Troër sei das Griechische gewesen (S. 171). Anderenfalls hätte Homer das vermerkt.

Das ist weit hergeholt. Das Griechische der homerischen Epen gab es im 13. oder 12. Jahrhundert v. Z. noch gar nicht. Bestenfalls ließe sich von Mykenisch sprechen. Dass aber andererseits die Troër die Sprache der Achaier kannten, erklärt sich schon aus den Handelsbeziehungen.

Schließlich gerät Kahl-Furthmann in Widerspruch mit sich selbst. Während sie einerseits annimmt, bei den Menschen, die um 1900 v. Z. in die Troas und in Griechenland eingewandert seien, müsse es sich um " stammverwandte Völkerschaften " handeln (S. 171), sieht ihr Bild an anderer Stelle (S. 103) gar nicht so aus.

Es geht um die bei Homer geschilderte Verbrennung der im Krieg Gefallenen. " In mykenischer Zeit wurden die Toten im Vaterlande im allgemeinen beerdigt und nicht verbrannt. Die Bekanntschaft mit dem Verbrennungsverfahren aber ist bei den Achäern durch die Beziehungen, welche zwischen Mykene und Troja lange vor dem Trojanischen Kriege herrschten, zu verstehen. Bei dem offensichtlich freiheitlichen Geiste der mykenischen Fürsten konnten ausländische Anregungen von dem einen oder anderen angenommen werden. "Folglich waren die Troër Ausländer und keine Stammesverwandten der Griechen. Sie pflegten ihre Toten zu verbrennen und die Asche sowie die Knochen in Urnen zu bestatten.

Bei dem Epos selbst handelte es sich nicht um eine Kriegsberichterstattung in allen Details, sondern um das Werk eines Dichters. Homer hat es in einer nichtmykenischen Sprache verfasst. Es wur

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