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Jüdisches Leben in Tirol im Mittelalter Jüdisches Leben im historischen Tirol

  • Erscheinungsdatum: 26.08.2014
  • Verlag: Haymon Verlag
eBook (ePUB)
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Jüdisches Leben in Tirol im Mittelalter

'Jüdisches Leben in Tirol im Mittelalter' ist ein Auszug aus dem dreiteiligen Sammelwerk 'Jüdisches Leben im historischen Tirol'. Die Geschichte des jüdischen Lebens im historischen Tirol, welches das heutige Trentino, Süd-, Nord- und Osttirol sowie über ein Jahrhundert lang auch Vorarlberg umfasste, ist über 700 Jahre alt. Dieser Auszug des Sammelwerks befasst sich unter anderem mit den Grundzügen der Geschichte der Juden im mittelalterlichen Europa. Eine Minorität, die als einzige nichtchristliche Bevölkerungsgruppe toleriert wurde und einen gewissen Schutz vor Missionierung oder Zwangstaufe genoss. Nach und nach wurde das Judentum aber zu einer Art Sündenbock und stieß auf Ablehnung und Diskriminierung. Neben den Grundzügen der Geschichte beleuchtet das vorliegende Werk auch die jüdische Siedlungsgeschichte, die Herkunft und Migration, die rechtliche Situation zu dieser Zeit sowie die beruflichen und wirtschaftlichen Aktivitäten, die das jüdische Volk im Mittelalter ausübte. Der vorliegende Titel schließt mit ersten Anfeindungen, Vertreibungsabsichten sowie dem Beginn der Ritualmordprozesse ab. Klaus Brandstätter, geboren 1961 in Innsbruck, Studium der Geschichte und Romanistik an der Universität Innsbruck, Mag. phil. 1987, Dr. phil. 1993, Assistent am Institut für Geschichte der Universität Innsbruck seit 1990, Habilitation in Mittelalterlicher Geschichte 2001. Er ist mittlerweile der Spezialist für die Geschichte der Juden in Tirol im Mittelalter. Publikationen (Auswahl): Tirol ? Österreich ? Italien. Festschrift für Josef Riedmann zum 65. Geburtstag, hg. mit Julia Hörmann, Innsbruck 2005; ?Dom- und Kollegiatstifte in der Region Tirol ? Südtirol ? Trentino in Mittelalter und Neuzeit / Collegialita ecclesiastica nella regione trentino-tirolese dal medioevo all?eta moderna, hg. mit Hannes Obermair und Emanuele Curzel, Innsbruck 2006; Ratsfamilien und Tagelöhner. Die Bewohner von Hall in Tirol im ausgehenden Mittelalter, Innsbruck 2002.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 164
    Erscheinungsdatum: 26.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783709973394
    Verlag: Haymon Verlag
    Größe: 294 kBytes
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Jüdisches Leben in Tirol im Mittelalter

Diffamierung, Vertreibungsabsichten, Ritualmordprozesse

Zunehmende Diffamierung im ausgehenden Mittelalter

Obwohl für die Zeit der Großen Pest keine Verfolgungen von Juden im Alttiroler Raum in eindeutiger Weise festzustellen sind, so dürften die hier ansässigen Juden trotz ihrer geringen Zahl zu jedem Zeitpunkt jenen Anfeindungen ausgesetzt gewesen sein, die andernorts festzustellen sind. Insgesamt nahm die Diffamierung der Juden im gesamten römisch-deutschen Reich im Laufe des späten Mittelalters deutlich zu. Dafür seien einige Beispiele genannt: Äußerst entwürdigend war vielfach bereits die Ableistung des Judeneides. So hatten die schwörenden Juden nach dem 1275/1276 verfassten, im bayerisch-schwäbischen Raum verbreiteten Schwabenspiegel auf einer blutigen Haut einer Sau zu stehen und dabei die rechte Hand in die Thorarolle zu legen, was zweifellos als Verhöhnung ihrer religiösen Bräuche gedacht war. 485 Diese bewusste Diskriminierung und Demütigung, die selbstverständlich auf das jüdische Verbot des Schweinefleisch- und Blutgenusses gemünzt ist und die etwa das Nürnberger Stadtrecht nach den Verfolgungen während des Schwarzen Todes übernahm 486 , kennzeichnet besonders gut die sich verschlechternde Stellung der Juden im späten Mittelalter. Darstellungen von Juden in Verbindung mit einer Sau finden sich bereits seit dem 13. Jahrhundert, die sich in ihrer menschenverachtenden Tendenz bis hin zum Typ der "Judensau" steigerten.

Die Ableistung des Judeneides im Alttiroler Raum war anscheinend nicht derart entwürdigenden Regelungen unterworfen, wie sie im Schwabenspiegel gefordert wurden. Für Trient geht zumindest aus den Prozessakten hervor, dass nur die einfache Form des Judeneides verlangt wurde (der Schwörende hatte eine Hand auf die Thora zu legen), ohne jegliche demütigende Elemente. 487 Aufgrund der für Juden recht günstigen Bestimmungen einzelner Privilegien wird man auch für die Territorien Tirol, Brixen und Görz einen einfachen Schwur auf die Thora annehmen dürfen. Vermutlich ähnelte die Eidesleistung der in einem Schnalser Sammelkodex des ausgehenden Mittelalters beschriebenen Vorgangsweise: 488 "Item ein jud wann er einen ayd sweren sol, so sol er sweren auf Moyses pucher mit selichen wortten, als im got helff by der e, die got gab auf dem perg Synay, und nit anderst."

Einen deutlichen Hinweis auf auch in Tirol verbreitete, extrem judenfeindliche Tendenzen geben aber die Bestimmungen in einer um 1500 erlassenen Zollordnung für den Fernstein: "Wenn ain jud da fürget oder reit und sich nit ansagt, ist er ferfallen leib und gut, sagt er sich aber an, so sol er zollen als viel als ein schwein, das ist 1 fierer und würffel." 489 Neben der Androhung einer unverhältnismäßig hohen Bestrafung erfolgt die verhöhnende Gleichsetzung mit einem Schwein. Außerdem kommt in der geforderten Abgabe von Würfeln ein weiteres antijüdisches Stereotyp zur Sprache. Der von Juden erzwungene Würfelzoll ist erstmals zum Jahr 1378 für Mainzer Juden bezeugt; neben den Erzstiften Mainz und Trier ist diese besondere Form der Verzollung insbesondere für das Gebiet der heutigen Schweiz im 15. und 16. Jahrhundert belegt. 490 Die Gründe für diesen Würfelzoll sind letztlich nicht ganz klar, möglicherweise hängt seine Entstehung mit christlichen Ansichten zusammen, dass Juden um das Gewand Christi gewürfelt hätten; zudem galt das Würfelspiel "vor allem in den Augen der Kirche als sündhaft, und der Würfelzoll war unbestreitbar auch geeignet, die angebliche Nähe der Juden zum Teufel [...] zu akzentuieren. Schließlich war der Teufel nach einer im Mittel-alter verbreiteten Anschauung der Erfinder des Würfelspiels". 491 Mit der Abgabe von Würfeln allein war es freilich nicht immer getan, denn auch willkürliche "Würfelzollerpressung" kam seit dem 15. Jahrhundert häufig vor, indem jüdische Reisende "vor allem durch junge, übermütig-rohe Christen" belästigt und zur Abgabe von W

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