text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Kriminalität in München Verbrechen und Strafen im alten München (1180-1800) von Heydenreuter, Reinhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.09.2014
  • Verlag: Verlag Friedrich Pustet
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Kriminalität in München

Der wirtschaftliche Aufstieg Münchens zur mächtigsten Handelsstadt und schließlich zur Residenzstadt des Herzogtums Bayern ließ bald auch die Kriminalität ansteigen, und so hören wir schon im 13. Jahrhundert von Brandstiftungen, Morden, Aufständen und der entsprechenden Reaktion der Obrigkeit: Es wurde gehängt, geköpft und ertränkt. Auf dem Galgenplatz, auf der Köpfstätte und in den Gefängnissen der Stadt spielten sich die Dramen ab, die zeigen, wie sich seit dem Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts die Zahl der oft unschuldigen Opfer einer grausamen Strafjustiz ständig vermehrte. Das Buch verdeutlicht aber auch den übermächtigen Schatten des Landesherrn, der zwar der Stadt die Blutgerichtsbarkeit überlässt, aber doch nach Belieben in diese eingreift, wann immer es ihm gefällt. Reinhard Heydenreuter, Prof. Dr., geb. 1942, Jurist und Historiker, war bis Ende 2007 Archivdirektor am BayHStA und Leiter des Archivs der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Er lehrte Neuere und Neueste Geschichte sowie Bayerische Landesgeschichte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 120
    Erscheinungsdatum: 17.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783791760384
    Verlag: Verlag Friedrich Pustet
    Größe: 4686 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Kriminalität in München

Die Entwicklung des Strafverfahrens in München vom Mittelalter bis 1800

Münchner Zuständigkeiten über Leben und Tod: Landesherr, Stadtrat, Hofrat und Stadtoberrichter

Gerichtsherr in München und damit Herr über Leben und Tod waren zunächst der Landesherr oder die von ihm delegierten Richter. Schon sehr früh scheinen aber die bayerischen Herzöge die Blutgerichtsbarkeit den Bürgern überlassen zu haben, also die Befugnis, über Mitbürger bei schweren Delikten Gericht zu halten und sie zum Tode zu verurteilen. Die Blutgerichtsbarkeit in der Stadt München wurde durch den Stadtoberrichter ausgeübt, der seit dem Mittelalter durch die Stadt ernannt wurde, offensichtlich schon seit dem ersten großen Stadtprivileg, dem Rudolfinum von 1294. Da er die formelle Befugnis, die Blutgerichtsbarkeit auszuüben, vom Herzog empfing, blieb dessen Einfluss auf die Ernennung bestehen. Aus dem Stadtschreiber wurde ab 1391 ein Stadtunterrichter.

Selbstverständlich konnte der Landesherr jeden Prozess an sich ziehen. Am Ende des Mittelalters, als man daranging, die Kompetenzen juristisch klarer auszuformulieren, entstand in München Streit darüber, wem die Blutgerichtsbarkeit zustehe: Während sich etwa 1427 die Stadt für berechtigt hielt, einige zum Tod verurteilte Pferdediebe zu begnadigen, lesen wir 1488 in einem landesherrlichen Eidbuch, dass der Herzog die Blutgerichtsbarkeit in München ausübe.

Dagegen weist die Stadt in ihren Kammerrechnungen einen besoldeten Scharfrichter auf. Doch scheinen die teilweise recht gewaltsamen Eingriffe der jeweiligen Landesherrn in die städtische Gerichtsbarkeit weitgehend klaglos hingenommen worden zu sein. 1457 etwa befreite der junge Herzog Johann zwei Straßenräuber, die Augsburger Kaufleute überfallen hatten, gewaltsam vom Galgen. Wahrscheinlich hatte es ihn gestört, dass die Festnahme der Delinquenten in München durch Augsburger Schergen (im Zusammenwirken mit der Stadt) erfolgt war. 1467 holte Herzog Sigmund eigenmächtig aus der städtischen Fronveste (städtisches Gefängnis) im Rathaus, der sogenannten Schergenstube, einen Adeligen namens Pernrieder, weil dieser als Mitglied des Hofstaats seiner Meinung nach nicht in ein städtisches Gefängnis gehöre. Ein ähnlicher Eingriff ist für das Jahr 1482 überliefert, als Bürgermeister Schrenck einen Adeligen namens Rohrbeck in der Schergenstube inhaftierte. Erbost bestrafte Herzog Albrecht IV. den Bürgermeister mit kurzfristiger Stadtverweisung und einer Haft von drei Monaten im Rathausturm.

Abb. 1:
München von Osten. - Holzschnitt von Michael Wolgemut aus Hartmann Schedels "Liber cronicarum", Nürnberg 1493.

Dass sich der Landesherr, sehr gegen den Willen des Stadtrats, das Recht anmaßte, jedes Verfahren an sich zu ziehen, zeigt ein Beispiel aus dem Jahr 1652, als der landesherrliche Hofrat eine Baddirn aus der Schergenstube in den Falkenturm bringen ließ, obwohl der Stadtrat einen zaghaften Protest einlegte.

Zu einer definitiven und juristisch detaillierten Regelung der städtischen Gerichtsbarkeit kam es schließlich im sogenannten Albertinischen Rezeß, infolge der landesherrlichen Zusagen auf dem Landtag von 1557 zwischen Herzog Albrecht V. und der Stadt München geschlossen. Der Stadt wird nun die Blutgerichtsbarkeit bestätigt, die man als bestehend voraussetzte. Das Datum der Verleihung ließ man offen.

Wie trotz des Vertrags von 1561 die Verhältnisse noch ungeklärt waren, zeigt sich 1586, als Herzog Wilhelm V. versuchte, für das vakante Stadtoberrichteramt einen eigenen Kandidaten durchzusetzen. Die Stadt wies dieses Ansinnen zwar zurück und erließ eine eigene Stadtgerich

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen