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Meines Vaters Felder Biografie einer Landwirtsfamilie im Oderbruch von Schmelzer, Hans-Jürgen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.09.2016
  • Verlag: be.bra verlag
eBook (ePUB)
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Meines Vaters Felder

Dieses Buch erzählt die Biografie einer deutschen Gutsbesitzerfamilie, die über drei Generationen hinweg im Oderbruch landwirtschaftlich tätig war, bevor ihr Besitz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verloren ging. Gestützt auf ein reiches Quellenmaterial an Briefen, Tagebüchern und Zeitungsmeldungen werden Aufstieg und Fall der Familie Schmelzer anschaulich und in bewegenden Einzelschicksalen nachgezeichnet. Dabei entsteht zugleich das Porträt einer ganzen Region, deren Bewohner sich mit Fleiß und Beharrlichkeit immer wieder in zahlreichen Krisen behaupten mussten.

Hans-Jürgen Schmelzer, geboren 1938 in Frankfurt/Oder, aufgewachsen zunächst in der Magdeburger Börde, später im Rheinland, wohin die Familie aus der DDR geflüchtet war, studierte Germanistik und Romanistik in Tübingen, Bordeaux und Bonn, arbeitete dann von 1968 bis 2000 als Lehrer im Höheren Lehramt, zuletzt als Oberstudienrat in Sankt Augustin bei Bonn. Von 1975 bis 1987 war er freier Mitarbeiter bei der Zeitung 'Die Welt'. Von ihm sind bereits zahlreiche Musiker- und Schriftsteller-Biografien erschienen - so über Johannes Brahms, Theodor Fontane, Georg Friedrich Händel, Hermann Hesse, Friedrich Schiller und zuletzt 2011 über Heinrich von Kleist.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 23.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839321195
    Verlag: be.bra verlag
    Größe: 19147kBytes
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Meines Vaters Felder

Das Wiedersehen

Wer von Berlin die Bundesstraße 1 Richtung Osten reist, gelangt über Müncheberg nach Seelow, einst Verwaltungsstadt des ehemaligen Landkreises Lebus. Steht man auf der Dünenerhebung, die sich Seelower Höhen nennt, kann man den Wanderweg südwärts über Dolgeliner, Libbenicher und Mallnower Höhen fortsetzen. Das möglichst im April, wenn die berühmte Adonisblüte die Grashänge in einen grünen mit goldgelben Sternen besäten Königsmantel verwandelt hat. Oderwärts blickt man auf eine Erhebung gegenüber - den Reitweiner Sporn. Was sich zwischen ihm und dem erwanderten Höhenzug wie eine Wanne etwa zwölf Kilometer breit und 20 Kilometer lang ausdehnt, ist Ackerboden, gesegnet mit einer Güte, von der ein Landmann nur träumen kann.

Um sechs Dörfer ziehe ich eine Luftlinie. Sie ergibt ein flaches Trapez, dessen Längsseiten nach Süden und nach Norden je ein Dreieck aufgesetzt ist. Die Punkte Sachsendorf - Werder - Hathenow - Rathstock - Tucheband - Hackenow ergeben ein Sechseck. Von der Familie, die drei Generationen lang an diesen Orten auf gut 10000 Morgen Kulturland maßgeblich wirksam war, soll in diesem Buch die Rede sein. Dabei geht es dem Verfasser nicht darum, dieser ein Denkmal zu setzen - ihr Name wird auch ohne die vorgesehene Berichterstattung mit der Geschichte dieses Landstrichs eng verwoben bleiben. Viel eher geht es darum, dem tapferen Menschenschlag dieser Region ein dankbares Zeugnis auszustellen, von seiner Tüchtigkeit, seiner Zähigkeit, seiner Friedsamkeit; von Opfermut und Leidensfähigkeit so vieler Heimgesuchter in Zeiten schicksalhafter Umstürze und Not. Wie viele Beispiele menschlichen Zusammenhalts, menschlicher Bewährung, der Hilfsbereitschaft, des biederen Anstands, so schwer dies dem Einzelnen auch oft gemacht wurde, lassen sich beschreiben!

Gelingt es dem Buch, davon etwas der Vergessenheit zu entreißen, den Bewohnern dieser stillen Region ein Quäntchen Stolz auf ihre Heimatgeschichte zu vermitteln, dürfte sich die Mühe des Zusammentragens und Darstellens schon gelohnt haben. Wir müssen uns unserer Vergangenheit nicht schämen, wir sollten sie vielmehr würdigen lernen; denn nur so können wir uns ihrer wert erweisen.
Ein sich schlängelnder Hohlweg

Blenden wir zunächst zurück in das Jahr 1989. Sommerferien. Ich reise mit meiner Bonner Familie bei Herleshausen über die innerdeutsche Grenze in Richtung meines Heimatorts Sachsendorf. Seit 44 Jahren, so lange war die Flucht her, hatte ich es nicht wieder gesehen. Man könnte mich mit Recht fragen: Warum nicht früher? Lag dir so wenig an der alten Heimat, dass du den Weg zu ihr so spät fandest? Ganz im Gegenteil. Ich war zwar gerade erst sechs geworden, als es galt, von Sachsendorf Abschied zu nehmen, aber ich hatte mir eine lebhafte Erinnerung bewahrt. Ja, hätte ich es völlig unversehrt wiedersehen dürfen, ich hätte mich in Haus, Hof, Park, ja auch im Dorf - ich war ja noch im Spätsommer 1944 in die Schule gekommen - jederzeit zurecht gefunden, hätte auch den Weg zum Vorwerk Werder einschlagen können.

Meine Eltern trugen schwer an dem Verlust der Heimat. Sie bauten sich im Rheinland eine neue Existenz auf, schlossen sich aber nirgends an. Kam Besuch, waren es ausnahmslos Verwandte, alte Freunde, ehemalige Nachbarn. Halbwüchsige fliehen gewöhnlich solche Kaffeerunden, um lieber draußen unter ihresgleichen zu sein. Anders in meinem Fall. Ich saß mit Vorliebe dabei, spitzte die Ohren, wenn die Alten in Sachsendorfer, Rathstocker, Tuchebander Erinnerungen schwelgten. Was hätte ich drum gegeben, das alles wiederzusehen! Mehr als einmal startete ich den Versuch, nach drüben zu reisen, aber der Briefverkehr mit Bewohnern der DDR, die einen ja einladen mussten, wenn man um einen Aufenthalt nachsuchen wollte, scheiterte regelmäßig: Entweder die Mitteilung der Angeschri

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