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Meran und das Dritte Reich Ein Lesebuch von Regele, Ludwig W. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.11.2015
  • Verlag: Studienverlag
eBook (ePUB)
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Meran und das Dritte Reich

Meran gilt im Zweiten Weltkrieg als 'offene Stadt'. Abseits des Kriegsgeschehens treffen sich Generäle, operieren Geheimdienste und Ganoven. Prominente lassen sich vorübergehend zur Erholung nieder, wie Mussolinis Geliebte, Rüstungsminister Albert Speer, führende SS- und Wehrmachtsfunktionäre, aber auch Vertreter des deutschen Widerstands. Hotels werden in Lazarette umgewandelt. Mit der deutschen Besatzung im September 1943 werden erstmals Juden aus Italien deportiert. Die Stadt Meran wird Sitz japanischer und anderer Diplomaten, der Geldfälscher-Zentrale, am Ende Fluchtziel von Mussolinis letzten Gefolgsleuten. Wichtigste Politiker aus Ungarn und Frankreich gehen von hier aus ihrem Schicksal entgegen. Ein spannendes Lesebuch zur Geschichte Merans, das zeigt, daß die Stadt keinesfalls nur ein Ruhepunkt in der Zeit des untergehenden Faschismus und Nationalsozialismus gewesen ist!

Ludwig Walter Regele, RA Dr., beschäftigt sich seit langem mit der Geschichte Südtirols, insbesondere während des Faschismus und des Nationalsozialismus, und zwar in Publikationen und Filmen ('Die Männer des 20. Juli 1944 in Südtirol'). Er war langjähriger Obmann des Südtiroler Heimatpflege-Verbandes und ist Redakteur der Zeitschrift 'ARX - Burgen und Schlösser in Bayern, Österreich und Südtirol'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 182
    Erscheinungsdatum: 11.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783706557733
    Verlag: Studienverlag
    Größe: 1134kBytes
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Meran und das Dritte Reich

Saarabstimmung 1935 und Folgen

In Meran, wie überall im Lande, war schon Tage vor der Saarabstimmung das Hauptgespräch, wie dieses Plebiszit ausgehen werde. Die italienischen Behörden und Parteifunktionäre reagierten gereizt, spürten das Wahlfieber, das bei der Jugend herrschte und über das reine Mitfiebern hinausging. Die Behörden hatten Unruhen vorausgesehen und für den Tag der Abstimmung besondere Vorkehrungen zur Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung getroffen. Von dem gewaltigen Echo des Ausgangs der Abstimmung wurden sie aber völlig überrascht. Selbst Mussolini zeigte sich beunruhigt.

Zu den eigentlichen offenen Auseinandersetzungen kam es durch lokale faschistische Funktionäre, die im Verhalten der deutschen Bevölkerung nur Übermut und Dreistigkeit sahen. Der faschistische Parteisekretär der Provinz Bozen, Marcello Tallarigo, persönlich hatte - neben anderen Parteiorganen - Aktionen befohlen, die den Anordnungen des Präfekten Mastromattei zuwiderliefen. Für das Gelingen seiner eigenen Eindämmungspolitik wünschte sich dieser nur Ruhe und Ordnung. Gerade dies aber wurde von den erregten Parteikreisen abgelehnt. Für den Abstimmungstag waren durch Geheimerlässe Tallarigos besondere Vorkehrungen getroffen worden. Vor allem war die Südtiroler Jugend ins Augenmerk geraten. So wurden die von den jungen Leuten getragenen weißen Stutzen als provokantes antiitalienisches Zeichen ins Visier genommen.

Am 12. Jänner wurden zwei Meraner Bürger auf der Straße mit Knüppeln von Faschisten niedergeschlagen. Anführer dieser Truppe war der Leiter des Dopolavoro, ein gewisser Corradi, zugleich auch Fußballfunktionär, und eines der beiden Opfer war auch ein sportlicher Leiter, der für den Wintersport zuständige Karl Amort. Am Sonntag, den 13. Jänner, - dem Abstimmungstag - fuhren eigene Rad-patrouillen von Schwarzhemden durch die Stadt und beobachteten, ob jemand weiße Stutzen trug.

Am Dienstag, den 15. Jänner, wurde das Ergebnis der Saarabstimmung bekannt: über 90% der Bevölkerung im Saargebiet hatte für die Rückkehr nach Deutschland gestimmt. Die Freude der Bevölkerung in ganz Südtirol war nicht zu übersehen. Überall im Lande wurden Freudenfeuer auf den Höhen angezündet, die Etsch hinunter schwammen Bretter in den reichsdeutschen Farben mit der Inschrift "Bis Salurn". "Die Saar ist frei, jetzt sind wir an der Reih", lautete die Parole. Der Anschluß an das Reich durch eine Volksabstimmung nach dem Vorbild der Saar rückte plötzlich in den Mittelpunkt der Wünsche und Gedanken und begeisterte ganz besonders die nur mehr in italienischen Schulen und faschistischen Freizeitorganisationen aufgewachsene Jugend.

Am Abend des nächsten Tages versammelte sich eine Gruppe von zwei Dutzend Männern im Fasciohaus und zog mit Knüppeln durch die Stadt. Wer weiße Strümpfe trug, wurde mit Schlägen bedacht. Am Eislaufplatz wurden alle Träger weißer Strümpfe gezwungen, sie auszuziehen. Aber auch andere, die sie nicht anhatten, wurden niedergeschlagen. Einem Bauern wurden die roten Aufschläge von seiner Tracht abgerissen. Ein schweizer Bürger, dessen Vater ein Geschäft in Meran hatte, saß in einem Gasthaus, als eine Gruppe Faschisten hereinkam und ihn erkannte. Angesichts der Drohung, daß das Geschäft seines Vaters demoliert würde, wurde er genötigt, "E viva Mussolini" auszurufen. Der Straßenmob ging in den nächsten Tagen weiter.

So verbreitete sich in Meran u. a. das Gerücht, daß ein Dr. Trevisani, Angestellter des Gaswerks und Hauptmann der faschistischen Miliz, sich mit italienischen Studenten in Falzeben bei Hafling befände und beabsichtige, die Skihütten nach deutschem Propagandamaterial zu untersuchen, "Hitler und Hindenburg"-Bildern und ähnlichem.

Am Sonntag, den 20. Jänner, tauchte tatsächlich ein Dutzend Faschisten, teilweise in Halbschuhen, in Falzeben auf. Anscheinend suchten sie den Treffpunkt der Skifahrer bei der Rotwandhütte, um ihnen die weißen

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