text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Räume der Stadt Eine Geschichte Lyons 1300-1800 von Rau, Susanne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.06.2014
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (PDF)
34,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Räume der Stadt

Lyon, das an Rhône und Saône gelegene Handelszentrum, ist heute die drittgrößte Stadt Frankreichs. Deren Geschichte schreibt Susanne Rau aus einer konsequent räumlichen Perspektive. Neben einer Einführung in die aktuelle Stadtgeschichtsforschung bietet das Buch eine umfassende Bibliografie zur Stadtgeschichte Lyons und Anregungen für Spurensuche in Archiven. Auf der Basis zentraler Quellenbestände erzählt es die Geschichte einer wichtigen Metropole der Neuzeit als einen spannungsreichen Prozess von Veränderung und Verstetigung, in der die Stadt als etwas gesellschaftlich Geschaffenes begriffen wird. Zugleich liegt eine Studie zu der Frage vor, die uns auch heute noch beschäftigt: die nach der Räumlichkeit von Kultur in einer zunehmend globalisierten Gesellschaft.
Dieses Buch wurde ausgezeichnet mit dem Wiener Preis für Stadtgeschichtsforschung 2015.

Susanne Rau ist Professorin für Geschichte und Kulturen der Räume in der Neuzeit an der Universität Erfurt.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 572
    Erscheinungsdatum: 18.06.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593422817
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 7827 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Räume der Stadt

I.Einleitung
1Thema und Fragestellung
Die Feststellung, dass das Lokale im Zuge der Globalisierung, inmitten der wir uns befinden, seine Bedeutung nicht verloren hat, ist nur ein scheinbares Paradoxon. In einer Welt ohne Grenzen mit ihren medialen Kommunikationsmöglichkeiten, zeitlichen Relativierungen, räumlichen Entgrenzungen und deren kontinuierlichen Überbietungen macht sich nämlich auch das Lokale wieder bemerkbar. Dies zeigt sich einerseits in der Suche und Aufrechterhaltung örtlicher, regionaler Spezifika zum Beispiel im Rahmen der Europäischen Union, aber auch in rezenten Problemen der Globalisierung, in hegemonialen Herrschaftspolitiken oder im internationalen Terrorismus. Nicht allein deswegen ist es zu begrüßen, dass sich auch die Kulturwissenschaften des Raumthemas seit einigen Jahren verstärkt zuwenden, sondern auch, weil Räumlichkeit eine wesentliche Dimension von Kultur ist. Auch wenn sich die deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, darunter insbesondere die Historikerinnen und Historiker, aufgrund des Erbes der nationalsozialistischen Geopolitik mit Raumkonzepten lange Zeit schwertaten, so zeigt schon der Blick in die Wörterbücher verschiedener indogermanischer Sprachen, dass die Raumbegrifflichkeiten nicht einfach zu übersetzen sind, weil sie semantisch teils unterschiedlich besetzt sind.
Mit der vorliegenden Studie zu den Räumen einer frühneuzeitlichen Stadt habe ich mich in mehrfacher Hinsicht auf fremdes, noch weitgehend brachliegendes Land begeben: Zunächst begab ich mich als deutsche Historikerin in eine fremde Stadt wie in ein fremdes Land mit einer eigenen Wissenschaftskultur. Dort habe ich im Archiv wie im dazugehörigen Archivalltag Räume erforscht (verschiedene Stadtviertel, Wirtshäuser, Cafés und Herbergen zum Beispiel), die teilweise schon erforscht waren, weil sich die französische Geschichtswissenschaft im Rahmen von Forschungen zur Soziabilität sowie zur Kulturgeschichte des Essens und Trinkens längst auch den Orten angenommen hat, an denen Menschen zusammenkamen, gemeinsam aßen und tranken. Doch hat sich der erste Eindruck recht schnell bestätigt, dass nämlich bei dem relativ unbefangenen Umgang mit dem Raumbegriff oft nicht nach den zeitgenössischen Vorstellungen von Raum gefragt wurde oder dass den Untersuchungen von einem impliziten, aber unausgesprochenen Konzept über einen geographischen oder auch sozialgeographischen Raumbegriff bis zu einem vagen Begriff von Erfahrungs- oder Begegnungsraum alles andere vorlag als ein einheitlicher wissenschaftlicher Umgang mit dem Raum. Dies waren die heterogenen Grundlagen einer deutsch-französischen Begegnung.
Zu den wesentlichen Entwicklungen, die die europäische Frühe Neu-zeit, auf einen langen Zeitraum hin gesehen, prägten, gehörte neben einem allgemeinen Bevölkerungsanstieg, der frühmodernen Staatsbildung, der Pluralisierung des Denkens - die Konsequenzen für das Weltbild, die religiösen Systeme und die Glaubenspraktiken hatte - auch die Urbanisie-rung. Erstaunlicherweise wird diesem Aspekt in den meisten deutschspra-chigen Überblicksdarstellungen oder Epochencharakterisierungen wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Der Begriff der Urbanisierung ist vieldeutig. In der Mediävistik wurde darunter lange Zeit der Prozess der Städtegründungen und Städtebildung verstanden. In den Forschungen des letzten Vierteljahrhunderts zur (Frühen) Neuzeit spielen auch qualitative Aspekte eine Rolle: die Herausbildung eines vornehmlich städtischen Bürgertums, verbunden mit einem bestimmten Lebensstil. Andere Studien betonen weiterhin die quantitativen Aspekte: Unter Urbanisierung wird der Prozess des historischen Städtewachstums oder der (interurbanen) Netzwerkbildung, die Migration der Landbewohner in die Städte und die Entstehung von Metropolen verstanden. Schließlich tangiert Urbanisierung auch die Geschichte der Formen, also die Geschichte des Städtebaus und der Stadtplanung. Hinzu kommt die Beobachtung, d

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen