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Revolution in Potsdam Eine Stadt zwischen Lethargie, Revolte und Freiheit (1989/1990) von Eckert, Rainer (eBook)

  • Verlag: Evangelische Verlagsanstalt GmbH
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Revolution in Potsdam

Potsdam war in der SED-Diktatur Sitz von Verwaltungs- und Bildungseinrichtungen, Standort von Militär und Staatssicherheit, aber auch von Einrichtungen der Evangelischen Kirche. Kenntnisreich und ausführlich wird die oppositionelle Bürgerbewegung in der Stadt geschildert, deren Gruppen maßgeblich die Friedliche Revolution trugen - zusammen mit einigen Kirchgemeinden, die den Basisgruppen Schutzräume boten, in denen Christen, Wissenschaftler, Umweltaktivisten und kritische Jugendliche zusammentrafen. Die Fälschung der Kommunalwahlen vom 7. Mai 1989 war Auslöser für die Legitimationskrise der Diktatur. Die Massenproteste erreichten mit den Demonstrationen am 7. Oktober und am 4. November Höhepunkte. Das Schicksal der Herrschenden besiegelten die Maueröffnung, hier am 10. November, und die Besetzung der Einrichtungen der Staatssicherheit am 5. Dezember. Die 'Dialogpolitik' der SED scheiterte und die Initiative ging immer mehr auf die Bürgerbewegungen und ihre neuen Institutionen über. Schließlich dominierte die SPD in den Wahlen des Jahres 1990 und der Weg zur Wiedervereinigung war auch in Potsdam frei.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 456
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783374050246
    Verlag: Evangelische Verlagsanstalt GmbH
    Größe: 3907 kBytes
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Revolution in Potsdam

III SED und Staatssicherheit sowie die Bevölkerungsstimmung in Potsdam im Jahr 1989

Für die Schilderung der Situation in der Bezirksstadt Potsdam 1989 sind zwei Aktenbestände ausschlaggebend. Die erste Gruppe von Archivalien ist dadurch veröffentlicht, dass am 27. März 1990 Reinhard Meinel 96 und Thomas Wernicke 97 für das "Neue Forum" beim "Runden Tisch des Bezirkes Potsdam" zusammen mit den zwei Mitgliedern der "Arbeitsgruppe Sicherheit des Runden Tisches des Bezirkes Potsdam", Christian Grauer und Peter Scherzer, und der Mitarbeiterin des "Bürgerkomitees zur Auflösung des MfS", Uta Leichsenring 98 , die Möglichkeit beantragten, unter Aufsicht von Mitarbeitern des Staatsarchivs Potsdam Einsicht in die Akten der Bezirksverwaltung Potsdam [BVfS] des Ministeriums für Staatssicherheit nehmen zu können. 99 Daraus entstand, trotz Widerstandes in den eigenen Reihe, mit einer erteilten Sondergenehmigung vom April 1990 nach dem Vorbild der Aktenpublikation "Ich liebe euch doch alle" von Armin Mitter und Stefan Wolle 100 eine Edition von Archivalien mit ausgewählten Berichten aus dem Bestand der "Auswertungs- und Kontrollgruppe" der BVfS Potsdam. Die Berichte dieser Mf S-Struktur gingen direkt an den Ersten Sekretär der SED-Bezirksleitung Potsdam, Günther Jahn. Dazu kamen Berichte der Kreisdienststelle Potsdam des MfS, der Potsdamer Abteilung XX der Geheimpolizei sowie anderer Abteilungen ihrer Bezirksverwaltung. Die veröffentlichten Archivalien wurden durch weitere Veröffentlichungen zur Staatssicherheit und zur Opposition in Potsdam ergänzt. 101

Angriffe gegen Grundlagen und Gesetzmäßigkeiten des Sozialismus mit der Forderung nach seiner "Erneuerung", die Einforderung von Menschenrechten und einer Änderung des Wahlrechts
Mit Berufung auf den Entspannungsprozess Angriffe auf die Sicherheits- und Verteidigungspolitik der SED, Forderungen nach Abschaffung der Wehrpflicht und der vormilitärischen Ausbildung, Einrichtung eines sozialen bzw. zivilen Friedensdienstes und Anerkennung des Rechtes auf Wehrdiensttotalverweigerung
Angriffe auf die kommunistische Erziehung der Jugend 209
Diskreditierung der SED-Umweltschutzpolitik , Kritik an der Sonderabfallstoffverbrennungsanlage in Schöneiche, Forderungen nach Ausstieg aus der Atomenergie und Durchsetzung alternativer Energiequellen. 210
Insgesamt blieben die Potsdamer Oppositionellen in ihrem Handeln unterhalb der Normen der strafrechtlichen Relevanz und setzten auf die verfassungsrechtlich verankerten Rechte der evangelischen Kirchen in der DDR. Bei zunehmender Handlungs- und Risikobereitschaft 211 loteten die Bürgerrechtler die Grenzen des "Machbaren" aus und missbrauchten in den Augen des MfS die "sozialistische Demokratie" - etwa durch ein vielfaches Verfassen von "Eingaben" 212 . Die Geheimpolizei setzte es sich angesichts dieser für sie bedrohlichen Entwicklung zum Ziel, die Bildung neuer "feindlich-negativer Personenzusammenschlüsse" zu verhindern, bestehende Gruppen zu "zersetzen", öffentlichkeitswirksame Aktionen zu verhindern und "Rädelsführer" bzw. "Inspiratoren" der Opposition forciert zu disziplinieren. Hilflos wirkte dagegen, wenn die Staatssicherheit zum Erreichen ihrer Ziele, "geeignete gesellschaftliche und staatliche Kräfte" zur Kontrolle einsetzen wollte, wenn sie weiterhin beabsichtigte, die Gespräche des Staatsapparates mit evangelischen Amtsträgern fortzusetzen und darüber die ersten Sekretäre der SED-Kreisleitungen zu informieren. 213

"Brief besonders von hinlänglich bekannten reaktionären und politisch negativen Amtsträgern, Angestellten und Laien genutzt wird, um damit ihre feindlich-negativen Aktivitäten zur Erhebung und Begründung von Forderungen nach gesellschaftlichen Veränderungen in der DDR auf der Grundlage dieses offizie

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