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Rom Vom Mittelalter zur Renaissance von Esch, Arnold (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.09.2016
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Rom

Arnold Esch zeichnet hier ein lebendiges Bild der entscheidenden 100 Jahre in der Geschichte des päpstlichen Hofes und der Stadt Rom: ein Jahrhundert, in dem sich in Rom alles in Bewegung setzt und aus der unscheinbaren Stadt des späten Mittelalters das strahlende Rom der Renaissance wächst. Eine beeindruckende Darstellung einer der wichtigsten Schwellenzeiten in der Geschichte Roms. Arnold Esch konzentriert sich auf den Zeitraum zwischen der großen Kirchenspaltung 1378, die noch ganz Mittelalter, und dem Pontifikat Sixtus' IV. 1484, das schon ganz Renaissance ist. Hundert Jahre scheinen nicht viel im Leben einer Ewigen Stadt. Aber es ist die entscheidende Zeit eines tiefgreifenden Umbruchs: Der Papst wird endlich Herr über die stets aufsässige Stadt, Gesellschaft und Wirtschaft orientieren sich am Hof, die Humanisten führen nun auch in Rom einen geistigen Wandel herbei und lehren die Antike neu sehen. Das religiöse Leben erhält eine besondere Färbung durch die in den Heiligen Jahren nach Rom strömenden Pilger und die zunehmende weibliche Laienfrömmigkeit. Durch die rege Bautätigkeit und die großen Kunstaufträge der Päpste und Kardinäle entwickelt Rom im äußeren Erscheinungsbild neue Anziehungskraft. Als Hauptstadt der Christenheit hat Rom aber auch eine zusätzliche Dimension, ist ein "Weltknoten" (Gregorovius): Roms Stadtgeschichte ist zugleich Weltgeschichte. Souverän geht Arnold Esch auf die kirchlichen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Hintergründe ein und setzt mit diesem umfassenden Überblick die lange Tradition der deutschen Rom-Geschichtsschreibung fort. Arnold Esch ist Professor für Mittelalterliche Geschichte und war bis zu seiner Emeritierung Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Rom. Er ist in Rom Mitglied der Accademia dei Lincei und der Päpstlichen Akademie für Archäologie. 2011 erhielt er den Sigmund Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 410
    Erscheinungsdatum: 26.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406698859
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 7087 kBytes
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Rom

I.
GRUNDLAGEN.
SPÄTMITTELALTERLICHES ROM. VON
DER ANTIKEN ZUR MITTELALTERLICHEN STADT. DAS STADTBILD UM 1400

VOM MITTELALTER ZUR RENAISSANCE. Das Quattrocento änderte in Rom alles. Für einen besseren Einblick in die Ausgangslage und in die besonderen römischen Verhältnisse hat diese Übergangszeit zudem den Vorteil, daß in ihrer unmittelbaren Vorgeschichte, im 14. Jahrhundert, Papstgeschichte und Stadtgeschichte zeitweilig auseinandertreten. Das Papsttum, nach seinem Triumph über das staufische Kaisertum schon bald von den erstarkten weltlichen Mächten brüsk von der Höhe seiner - mit Bonifaz VIII . noch gesteigerten - Ansprüche herabgeholt, übersiedelt 1309 von Rom nach Avignon unter den Schutz und Einfluß des französischen Königs. Fortan verlaufen, bis zur Rückkehr des Papsttums 1377 nach Rom, beider Geschichten für sieben Jahrzehnte getrennt voneinander, so daß sie auch getrennt beobachtet werden können und die spezifisch römischen Züge deutlicher zutage treten. Oder wie man in einem treffenden Bild gesagt hat: Als sich der Strom der Papstgeschichte zeitweilig aus seinem römischen Bett in ein anderes wälzte, wurden am Grunde des leeren Flußbettes die Wasserläufe sichtbar, die, sonst unerkannt, aus genuin römischem Untergrund dem großen Strom zuflossen.[ 1 ]

Was da an eigenem Beitrag zutage trat, verkörpert sich in der Gestalt des - damals wie heute umstrittenen - römischen Notars Cola di Rienzo (1313-1354). Die Abwesenheit der Päpste ließ Raum für Rückbesinnung auf eigene Bedeutung unabhängig vom (und gegebenenfalls auch gegen das) Papsttum. Cola di Rienzo verstand es, daraus eine bizarre Rom-Ideologie zu formen: ein aus antiken Reminiszenzen und mystischen Vorstellungen seltsam gemischtes, schwärmerisch übersteigertes Programm, das sich grell abhob von der düsteren römischen Wirklichkeit, die auf manche wirkte, als sei Rom "einst Haupt, jetzt Schwanz der Welt" (Boccaccio, Decamerone V 3). Tatsächlich fällt es manchmal schwer, diesen Mann ernstzunehmen. Aber Anhänger und Gegner nahmen ihn ernst, denn er wußte auch zu handeln. Als selbsternannter "Tribun" ergriff er in zwei Anläufen, 1347 und 1354, in Rom die Macht. In lauten Manifesten rief er "das ganze heilige Italien" zur Einigung unter der Führung Roms auf. Immerhin gelang ihm, was den Zeitgenossen fast ebenso unerreichbar schien: den großen Adel, Colonna und Orsini, zeitweilig aus der Stadt zu drängen, obwohl deren Klientelen fast die ganze städtische Gesellschaft erfaßten. Solche revolutionär anmutenden Züge und das dramatische Ende auf dem Kapitol regten den jungen Friedrich Engels zu einem Dramen-Entwurf, den jungen Richard Wagner zu seiner frühen Oper "Rienzi, der letzte der Tribunen" an, deren flammende, wie in einem Feuerball endende Reden bekanntlich den jungen Hitler hinrissen.

Die frühere Forschung, an der deutschsprachige Gelehrte in besonderer Weise beteiligt waren, stellte die Gestalt des Tribunen in den Mittelpunkt und kam dabei, von Jacob Burckhardt ("von Anfang an ein armer verlorener Tor", eine "wunderliche Komödie") bis Konrad Burdach (der "überkühne Führer, der in das Zukunftsland der Sehnsucht den Weg bahnen wollte"), zu ganz unterschiedlichen Urteilen. Die neuere Forschung hingegen interessierte sich mehr für seine Wirkung: weniger für seine Person als für seinen gestaltenden und polarisierenden Einfluß auf Gesellschaft und Institutionen, weniger für den Mythos als für den Realitätsgehalt eines politischen Traums, der nur in Rom geträumt werden konnte. Für unseren vom Trecento ins Quattrocento gerichteten Blick muß diese Frage nach der Wirkung der Ansatzpunkt sein.[ 2 ]

Dazu muß man tiefer als früher in das römische Geflecht sozialer Gruppen, regionaler Klientelen, politischer Parteiungen eindringen und zu richtigen Zuordnungen kommen, die mit schema

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