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Südtirol im 20. Jahrhundert Vom Leben und Überleben einer Minderheit von Steininger, Rolf (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.01.2016
  • Verlag: Studienverlag
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Südtirol im 20. Jahrhundert

Wie in einem Brennglas findet sich in der Geschichte Südtirols die Geschichte des 20. Jahrhunderts wieder: Vergewaltigung einer Minderheit durch die Faschisten, das Zusammenspiel der Diktatoren Hitler und Mussolini, das 1939 mit der 'Option' zur 'ethnischen Säuberung' führen sollte. Nach 1945 in den Mühlen des Kalten Krieges, keine Rückkehr nach Österreich, dafür eine Autonomie, die sich als Scheinautonomie erwies. Dann Bomben, Tote, Terror und mit dem 'Paket' 1969 der zweite Versuch einer Autonomie, der heute von vielen Modellcharakter zugesprochen wird. Rolf Steininger legt mit seinem neuen Buch erstmals eine Gesamtdarstellung der Südtirolfrage vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart vor. Für wichtige Bereiche - z.B. Bombenkrieg, Gruber-De Gasperi-Abkommen, Erstes Autonomiestatut 1948, die Entwicklung bis 1969 - verwendet der Autor bislang nicht zugängliches Material aus verschiedenen Archiven. Ergänzt wird der Band durch 155 Fotos, von denen zahlreiche erstmals veröffentlicht werden, ein ausführliches Literaturverzeichnis, einen bibliographischen Essay, 44 Fragen und Thesen sowie eine detaillierte Zeittafel und ein Personenregister. Ein wichtiges Buch für alle Freunde Südtirols, das durch seinen klaren Aufbau und die verständliche Sprache auch dem Nichthistoriker einen Einstieg in die jüngste Geschichte Südtirols ermöglicht. Über den Autor: Dr. Rolf Steininger, geboren 1942, ist Universitätsprofessor und Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck. Steininger gilt als einer der profundesten Kenner der Geschichte Südtirols im 20. Jh., die er in zahlreichen, in der Öffentlichkeit oft heftig diskutierten Publikationen behandelte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 624
    Erscheinungsdatum: 14.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783706557887
    Verlag: Studienverlag
    Größe: 1031 kBytes
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Südtirol im 20. Jahrhundert

I. Kapitel

November 1918 - Juli 1919:
Die Militärregierung

1. Kriegsende und Besatzung

2. Ettore Tolomei (I)
1. Kriegsende und Besatzung

Am 3. November 1918 wurde in der Villa Giusti in Abano in der Nähe von Padua der Waffenstillstand zwischen Österreich-Ungarn und Italien geschlossen. Anschließend begann die kampflose Besetzung Südtirols durch italienische Truppen, die bereits am 4. November Salurn, den Mendelpaß und Schluderns erreichten. Es war zwar Waffenstillstand, aber die Lage war alles andere als friedlich. Die k.u.k. Truppen lösten sich im Chaos auf. Erschöpft und hungernd strömten sie durch Südtirol über den Brenner nach Österreich zurück. Raub und Plünderungen waren an der Tagesordnung. Wie chaotisch die Situation damals war, wird in der Pfarrchronik von Kastelruth anschaulich beschrieben:

"Allerseelenwoche [...]. Zug auf Zug fährt gegen den Brenner, vollgepfropft mit den Soldaten. Auf den Waggonstiegen, Perrons, Wagendächern - alles voll Soldaten. Manche werden abgestreift in den Tunnels, überfahren, niemand kümmert sich. Auf der Straße - alles voll Soldaten, endlose Reihen, Tag und Nacht. Die Züge hören auf zu fahren, aber auf dem Bahngleise dafür endlose Reihen von Soldaten, müde zum Umfallen, hungrig, verdrossen, verzweifelt ziehen sie einher. Ein Bild zum Weinen. Manche schießen wild umher. Es ist lebensgefährlich." 1

In der Zeitung "Der Tiroler" hieß es am 8. November über die Lage in Gries bei Bozen:

"Was Gries seit dem Allerseelentage durch die zurückflutende Soldateska gelitten hat, ist gar nicht zu sagen. Das waren nicht mehr Soldaten, sondern eine wilde Horde, welche einer Lawine gleich alles vernichtete und verwüstete. Die hohen Herren Stabsoffiziere der k.u.k. Heereskorpskommandos hatten sich und ihre Damen bereits am Freitag, den 1. November, mit dem Wiener Schnellzug in Sicherheit gebracht, und nun konnten die herrenlosen Truppen in Gries rauben und plündern, wie sie wollten [...]. Straßen und Wege waren voll von Fuhrwerken! [...] Wie es in den Straßen aussieht, ist unbeschreiblich. Dies ist ein Ende, ein Ende mit Schrecken!" 2

Das Kommando der 11. österreichisch-ungarischen Armee ersuchte den italienischen Generalstabschef Armando Diaz, die Eisenbahnlinien Trient-Brenner und Franzensfeste-Bruneck zu besetzen, um so einen geordneten Durchzug der k.u.k. Truppen zu ermöglichen, was dann auch geschah. Andere italienische Truppenverbände drangen über das Stilfser Joch in den Vinschgau ein und besetzten am 5. November Meran. Von der Mendel kommend erreichte eine Kavalleriepatrouille am 6. November Bozen, am nächsten Tag schließlich besetzten Truppen der 7. Armee die Stadt. Aus Südtiroler Sicht stellte sich das folgendermaßen dar:

"Heute, Donnerstag, vormittags, sind italienische Truppen in der Stärke von einigen Bataillonen Infanterie sowie etwas Kavallerie in Bozen eingerückt. Sie besetzten vor allem die Wachtposten und den Bahnhof, um den geregelten Abtransport der österreichisch-ungarischen Truppenteile nach Norden zu sichern, sowie die Reichsstraße, um dafür Sorge zu tragen, daß das auf dem Heimmarsch befindliche österreichische und ungarische Militär auf der Marschstraße bleibt und etwa zu Plünderungen geneigte Individuen von Ausschreitungen gegen die Bevölkerung abgehalten werden, so daß unsere Gegend Hoffnung hat, vor Furchtbarem verschont zu werden, welches gar viele Häuser an der Heeresstraße, insbesondere im Eisacktal betroffen hat [...]. Die unhaltbaren Zustände, welche sich allerorts durch den regellosen, in vollständiger Auflösung erfolgten Rückzug der eigenen Truppen, insbesondere in Bozen herausgestellt haben, bildeten eine ungeheure Gefahr für Leben und Eigentum der Bevölkerung. Die Heeresleitung, insofern sie überhaupt noch vorhanden war, sah sich der Lage völlig machtlos gegenü

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