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Von Helden und Opfern von Kaiser, Alexandra (eBook)

  • Erschienen: 13.09.2010
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (PDF)
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Von Helden und Opfern

Durch die Auslandseinsätze der Bundeswehr ist der Soldatentod wieder in der Diskussion. Erstmals stellt Alexandra Kaiser hier die Geschichte des Volkstrauertages dar, der vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge 1922 als Gedenktag für die im Ersten Weltkrieg gestorbenen Soldaten eingeführt wurde. Im Nationalsozialismus wurde er zum 'Heldengedenktag ', in der Bundesrepublik zum 'Gedenktag für alle Opfer von Krieg und Gewalt'. Der Volkstrauertag mit seinen sich wandelnden Inszenierungen und Bedeutungen erweist sich als Brennspiegel der deutschen Erinnerungskultur im 20. und 21. Jahrhundert.

Alexandra Kaiser, Dr. rer. soc., ist wissenschaftliche Volontärin im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Produktinformationen

    Größe: 48519kBytes
    Reihe (Teil): Campus Historische Studien Bd.56
    Herausgeber: Campus Verlag
    Untertitel: Eine Geschichte des Volkstrauertags
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 462
    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783593410067
    Erschienen: 13.09.2010
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Von Helden und Opfern

X. Vom Heldengedenktag zum "Gedenktag für alle Opfer von Krieg und Gewalt"? (S. 268-269)

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg erweiterte der Volksbund sein ursprüngliches Konzept des Volkstrauertags insofern, als dass er neben den gefallenen Soldaten nun auch die zivilen deutschen Kriegstoten in das Gedenken mit einschloss. Ab den 1960er und vor allem in den 1970er Jahren begann sich die Darstellung des Gedenktags in der Öffentlichkeit dann noch einmal deutlich zu wandeln. Aleida Assmann hat im Blick auf die deutsche Erinnerungskultur nach 1945 die Unterscheidung gemacht zwischen einem "Leidgedächtnis" der Familien und einem normativ konditionierten "Schuldgedächtnis" des Staates1 – im Volkstrauertag mussten beide Ebenen zusammenkommen.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, dessen Mitglieder sich zum Großteil aus ehemaligen Soldaten und Hinterbliebenen der deutschen Kriegstoten rekrutierten, agierte im Namen des deutschen "Leidgedächtnisses " – das Gedenken an die Opfer der Volksgemeinschaft standen aus dieser Perspektive eindeutig im Zentrum. Die Regierung als Exponentin des nationalen "Schuldgedächtnisses" hingegen sah es als ihre Aufgabe an, auch der ehemaligen NS-Verfolgten und derjenigen, die man im Dritten Reich als "Gemeinschaftsfremde" (Detlev Peukert) ausgegrenzt hatte, öffentlich zu gedenken.

Um dieser ihrer Aufgabe gegenüber den NS-Verfolgten nachzukommen, wollte die Regierung allerdings keinen besonderen Gedenktag einführen,3 sondern bevorzugte stattdessen, aller gewaltsam Getöteten der Jahre 1933 bis 1945 in einem gemeinsamen Ritual zu gedenken.Ein solcher konzeptioneller Ansatz war 1950 schon im Nationalen Gedenktag versucht worden und sollte nach dem Willen der Regierung auch auf den Volkstrauertag übertragen werden. Die Aufnahme der Toten der NS-Herrschaft in den offiziellen "Opferkanon" im Volkstrauertag geht also ursprünglich nicht auf den Volksbund, sondern auf die Vertreter von Staat und Regierung zurück.

Es war die zentrale Feierstunde des Volksbundes im Bonner Bundeshaus, die schon Anfang der 1950er Jahre in diesem Sinne von den Politikern als "Bühne" genutzt wurde, um einem veränderten Verständnis des Gedenktags Ausdruck zu verleihen; einen ersten Anstoß gaben die Gedenkreden von Bundestagspräsident Hermann Ehlers (CDU) und von Bundespräsident Theodor Heuss. Nachdem sich VDK-Ehrenpräsident, Wilhelm Ahlhorn, bei seiner Ansprache im Bundeshaus 1950 noch ganz auf die deutschen Kriegsverluste konzentriert hatte, erinnerte Ehlers im folgenden Jahr auch an diejenigen, die gegen das NS-System "Widerstand leisteten und dafür in Konzentrationslagern und am Galgen endeten".

Darüber hinaus wies der Bundestagspräsident ausdrücklich darauf hin, "dass es keinen vertretbaren Grund mehr gibt, der uns das Recht geben könnte, nur an die Toten unseres Volkes zu denken".6 Heuss erwähnte die KZ-Toten 1952 in seiner Ansprache ebenfalls; die Kriegsgräberfürsorge zitierte den Bundespräsidenten folgendermaßen: "Mit Absicht wolle er [Heuss, A. K.] die Gefallenen auf den Schlachtfeldern, die Toten der Bombenangriff, die Opfer in den Konzentrationslagern und die Toten auf den jüdischen Friedhöfen auf eine Stufe stellen. Hier endet jede Heroisierung, und es bleibt nur ein grenzenloses Leid.

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