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Der Königin Luise-Mythos Mediengeschichte des "Idealbilds deutscher Weiblichkeit", 1860-1960 von Förster, Birte (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.09.2011
  • Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
eBook (PDF)
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Der Königin Luise-Mythos

"Ein Idealbild deutscher Weiblichkeit" wurde die preußische Königin Luise (1776-1810) genannt. Der historische Mythos um ihre Person verband Geschlechterkonstruktion und Nationalismus, wie die Autorin nachweist. Sie beschränkt sich nicht darauf, zu beschreiben, wie in populären Unterhaltungsmedien zwischen 1860 und 1960 Deutungsmuster nationalisierter Weiblichkeit repräsentiert wurden, sondern gibt auch Auskunft über deren gesellschaftliche Bedeutung und Reichweite. Die mögliche Rezeption besonders populärer Darstellungen wird ebenso in die Analyse einbezogen wie die regionale und konfessionelle Verbreitung des Mythos und seine institutionelle Verankerung in Schulen. Festakte, Denkmalsenthüllungen sowie die Aktivitäten des Bundes Königin Luise zeigen gruppenspezifische Vereinnahmungen und soziale Praktiken. Die Arbeit ist die erste historische Untersuchung des Königin Luise-Mythos, die seine Adressaten und ihre jeweiligen Interpretationen, seine medienspezifischen Ausformungen und seine soziale, regionale und konfessionelle Verbreitung berücksichtigt.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 492
    Erscheinungsdatum: 14.09.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862348107
    Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
    Serie: Formen der Erinnerung Bd.46
    Größe: 4008 kBytes
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Der Königin Luise-Mythos

V Epilog 1949 – 1960: Bedeutungsverlust in der frühen Bundesrepublik (S. 385-386)

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor der Königin Luise-Mythos trotz verschiedener "Wiederbelebungsversuche" seine Bedeutung als Vorbild weiblicher Nationalidentität. Dies zeigen sowohl die sinkende mediale Präsenz und die weitgehend ausbleibende Transformation des Mythos wie auch das nahezu vollkommene Fehlen von Erinnerungsfeiern und -publikationen anlässlich des 150. Todestages im Jahr 1960. In der Unterhaltungskultur war der Mythos zwar durch Neuauflagen der Romane von Mikeleitis,1 Molo und Naso noch präsent, neu veröffentlicht wurden jedoch nur zwei Romane, und diese unterschieden sich inhaltlich nicht wesentlich von den bereits genannten.

Eine Anpassung der mythischen Narration an die bundesrepublikanische Gegenwart fand in diesen Schriften nicht statt. Allenfalls der Spielfilm Königin Luise (1957) leistete dies in Ansätzen; er war die vorerst letzte Anpassung des Königin Luise-Mythos, die ein größeres Publikum erreichte und bis heute erreicht.3 Institutionell war der Mythos nicht mehr verankert: Aus dem Schulunterricht war Königin Luise fast vollständig verschwunden, der wiedergegründete Bund Königin Luise konnte nicht an seine früheren Mitgliederzahlen anknüpfen und löste sich alsbald auf.

Dass derMythos substantiell an Bedeutung verlor, hatte fünf Gründe, die zum Teil auf die veränderte geopolitische Situation, zum Teil auf soziokulturelle Veränderungen zurückzuführen sind. Grundlegend war erstens die allgemeine "Entlegitimierung des Nationalismus"4 angesichts der jüngsten nationalsozialistischen Vergangenheit. Damit einher ging der Verlust etablierter Deutungsmuster. 5 Der Topos der Verpflichtung gegenüber "der Nation", der in politischen Debatten der Weimarer Republik und zu Beginn des Nationalsozialismus genauso wie in Bestsellern eine zentrale Rolle gespielt und den der Königin Luise- Mythos historisch untermauert hatte, entfiel nun. Gerade diese Argumentation hatte eineModernisierung desMythos jedoch ungemein gefördert:

Die Königin konnte aufgrund dieser Interpretation selbst in einen rechtskonservativen Deutungsrahmen als aktive Politikerin geschildert werden. An diese Formen einer antimodernen Modernisierung konnte nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wieder angeknüpft werden, was die wenig erfolgreicheNeugründung des Bundes Königin Luise deutlich belegt. Eine weitere Modernisierung sowohl ihrer Institution als auch ihrer Vorbildfigur gelang den Mitgliedern des Bundes nicht. Schließlich war es angesichts der deutschen Teilung und des "Provisoriumpostulats "6 schwierig, auf bereits bestehende Symbole zurückzugreifen. Auch andere Versuche, nationalstaatliche Symbole wiederzubeleben, scheiterten, wie Edgar Wolfrum am Beispiel politischer Feste am sogenannten "Hermannsdenkmal" in den 1950er Jahren gezeigt hat.

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