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Deutsche Bankiers des 20. Jahrhunderts

  • Erscheinungsdatum: 03.07.2012
  • Verlag: Franz Steiner Verlag
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Deutsche Bankiers des 20. Jahrhunderts

In 30 prägnant gefassten Biografien beschäftigen sich renommierte Historiker und Finanzexperten mit führenden Persönlichkeiten aus allen Sparten des deutschen Kreditwesens. Der Kreis der Bankiers reicht dabei von Max M. Warburg über Hermann Josef Abs bis Jürgen Ponto. Über ihr Wirken im eigenen Unternehmen hinaus stellen die Beiträge auch ihr Engagement für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik heraus. In den individuellen Lebensläufen dieser exponierten Persönlichkeiten, die das Wirtschaftsleben entscheidend prägten, werden die Zäsuren und Brüche der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts in besonderer Weise fassbar.
"Ein kluger Sammelband, ... (der) zur Pflichtlektüre im Berliner Regierungs- und vor allem im Frankfurter Finanzviertel werden sollte" Die Welt
eine qualitativ gute Zusammenstellung von lesenwerten und forschungsrelevanten Portraits H-Soz-u-Kult

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 488
    Erscheinungsdatum: 03.07.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783515096164
    Verlag: Franz Steiner Verlag
    Größe: 11764kBytes
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Deutsche Bankiers des 20. Jahrhunderts

Karl
Blessing

[1900 - 1971]

von Dieter Lindenlaub

K arl Blessing, am 5. Februar 1900 in Enzweihingen (Württemberg) geboren und am 25. April 1971 in Rosteau (Frankreich) gestorben, war vom 1. Januar 1958 bis zum 31. Dezember 1969 Präsident der Deutschen Bundesbank. Er war der erste Präsident der Bundesbank, in die mit Gesetz vom 26. Juli 1957 die 1948 errichtete Bank deutscher Länder umgewandelt worden war. Die Bundesbank ist die Zentralbank der Bundesrepublik Deutschland. Die Aufgabe einer Zentralbank ist - anders als die von Geschäftsbanken - die Bereitstellung eines öffentlichen Gutes. In Deutschland war dies laut Bundesbankgesetz die Sicherung der Währung, die zunehmend vorrangig als Sicherung der inneren Kaufkraft der D-Mark verstanden wurde - als beste Voraussetzung für nachhaltig steigende Beschäftigung, Produktion und Einkommen. Die gesamtwirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung eines deutschen Zentralbankpräsidenten kann daher daran gemessen werden, inwieweit ihm die Sicherung der Preisstabilität und die diesem Ziel förderliche Reputation der Zentralbank gelungen ist. Wie steht es in dieser Hinsicht mit Karl Blessing?

Das Urteil der publizistisch-wissenschaftlichen Öffentlichkeit über Blessing ist gespalten. Kritik hat einmal Blessings Tätigkeit als Mitglied des Direktoriums der Reichsbank und als Unternehmensführer gefunden: David Marsh kennzeichnet Blessing als "ehrgeizigen Nazi-Technokraten" mit "scharfem Verstand und grenzenlosem Opportunismus". 1 Hjalmar Schacht, als Reichswirtschaftsminister und Reichsbankpräsident sein langjähriger Vorgesetzter, warf ihm im Nachhinein vor, als Mitglied des Beirats des Reichsbankdirektoriums (1939-1945) sechs Jahre lang die Inflation unterstützt zu haben. 2 Die wirtschaftswissenschaftliche und wirtschaftshistorische Literatur über die Ära Blessing der Sechzigerjahre beschäftigte sich kaum mit der Person Blessing, sondern ausschließlich mit der Geld- und Währungspolitik dieser Zeit; 3 ihre kritische Variante urteilt zusammenfassend, dass der relative Stabilitätserfolg dieser Jahre der Lohn- und Fiskalpolitik, nicht der Geldpolitik zu verdanken gewesen sei; 4 der Bundesbank habe es auch am vorrangigen Stabilitätswillen gefehlt. 5 Kritische publizistische Äußerungen über die Person Blessing als Bundesbankpräsident stellten einen Mangel an geld- und währungspolitischer Standfestigkeit heraus; so hielt ihm sein (teilweiser) Amtsvorgänger Wilhelm Vocke vor, er habe "schwer nein sagen" können. 6 Auf der anderen Seite schlugen Blessing aus dem nationalen und internationalen Raum Wellen der Zustimmung entgegen: Er galt als "das personifizierte Denkmal deutscher Geldwertstabilität", 7 der "gütige Unbequeme" der deutschen und internationalen Währungspolitik; 8 in den Augen des Vizepräsidenten der Federal Reserve Bank of New York, Charles Coombs, spielte er mit Mut und Verantwortungsgefühl eine überragende Rolle unter den europäischen Zentralbankgouverneuren und war ein wahrhaft großer Mann seiner Zeit. 9

Welches Bild ergibt Blessings Tätigkeit im "Dritten Reich"? Welchen "Erfolg" hat die Geld- und Währungspolitik der Bundesbank unter Blessings Leitung gehabt? Welche geld- und währungspolitischen Grundüberzeugungen standen hinter Blessings Präsidententätigkeit? Und wie hat Blessing diese Grundüberzeugungen bundesbankdienlich gegenüber der Politik und Interessengruppen sowie in der Öffentlichkeit vertreten? Diese Studie wird zu dem Ergebnis kommen, dass die "Ära Blessing" (und darauf liegt ihr Schwerpunkt) im internationalen Stabilitätsvergleich eine Erfolgsgeschichte gewesen ist und Blessing an der Reputationsmehrung der Bundesbank in dieser Zeit seinen Anteil hatte.
1920-1958: Währungspolitisches Lernen, Karriere, Politik

Blessings Werdegang bis zum Amtsantritt als Bundesbankpräsident soll hier nur kurz gestreift werden. Zunächst ein

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