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Die Erkundung der Welt Die großen Entdeckungsreisen von Marco Polo bis Humboldt von Sarnowsky, Jürgen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.08.2015
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Die Erkundung der Welt

Entdecker hat es überall gegeben. Aber warum haben die Europäer die Welt systematisch vermessen und erobert? Jürgen Sarnowsky eröffnet in seiner kurzen Geschichte der Entdeckungsreisen das große Panorama eines Zeitalters, das wie besessen war von den Geheimnissen und Reichtümern jenseits der Meere. Auf der Grundlage zahlreicher Reiseberichte aus fünf Jahrhunderten zeigt das Buch, wie die Welt seit dem Spätmittelalter angetrieben von Neugier, Abenteuerlust und dem Wettlauf um Land und Reichtum erschlossen wurde. Der Autor erzählt von der frühen Erkundung Asiens und der afrikanischen Westküste, von Vasco da Gama, Kolumbus und Cortés, von den Südseereisen Magellans und Cooks, von der Suche nach der Nordwestpassage und den Forschungsreisen Alexander von Humboldts. Sein spannend geschriebenes Buch führt den Leser ganz nah an die Mentalität der Entdecker heran und lässt uns so die Geschichte der Globalisierung besser verstehen. Jürgen Sarnowsky ist Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Hamburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 28.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406681516
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 6169 kBytes
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Die Erkundung der Welt

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VERLOCKUNGEN

Die Reichtümer und Wunder Asiens
Zwischen Frömmigkeit und Neugier :
Die Jerusalempilger des späten Mittelalters

Für ein Verständnis der frühen europäischen Entdeckungen ist es unverzichtbar, sich zunächst den Reisenden des späteren Mittelalters zuzuwenden. Das Mittelalter gilt im populären Verständnis als eine Epoche geringer Mobilität, allerdings zu Unrecht. Gerade im späteren Mittelalter waren relativ große Teile der Bevölkerung in der einen oder anderen Weise auf den Straßen und Wasserwegen der Zeit unterwegs. Bauern, Handwerker und Händler reisten zu den Märkten, um Naturalien und Produkte auszutauschen; Herrscher und Adlige zogen mit ihrem Gefolge von Ort zu Ort, um in ihrem Herrschaftsbereich präsent zu sein; Mitglieder geistlicher Orden, Magister und Scholaren waren zu anderen Konventen und Bildungseinrichtungen unterwegs, um innerhalb ihrer Gemeinschaften neue Aufgaben wahrzunehmen, ihr Wissen an andere zu vermitteln oder an anderer Stelle zu vertiefen und zu ergänzen; Diplomaten und Vertreter von Ständen und Städten reisten zu Verhandlungen und Versammlungen, um gemeinsame Lösungen für politische und wirtschaftliche Fragen zu finden; und daneben gab es die Ärmsten, die als "wanderndes Volk" immer auf der Suche nach Lebensunterhalt waren.

Angehörige aller sozialen Schichten waren zudem unterwegs, um etwas für ihr Leben im Jenseits, für ihr Seelenheil, zu tun oder für vergangene Sünden Buße zu leisten. Die Ziele dieser Pilger waren sehr verschieden. Gerade regionale Pilgerziele besaßen - angesichts der hohen Kosten des Reisens - vielfach eine hohe Popularität, z.B. Canterbury in England und Wilsnack in Norddeutschland. Neben den mittleren Reisezielen wie Thann im Elsass gab es vor allem drei große Pilgerziele, peregrinationes maiores , nämlich Rom, Santiago de Compostela sowie Jerusalem, das Heilige Land und den Berg Sinai. Sucht man nach den Anfängen der Entdeckungsreisen, kommt zweifellos den Pilgern und ihren Berichten, ungeachtet ihrer ganz anderen Motivation, eine wichtige Rolle zu.

Gerade von den spätmittelalterlichen Jerusalempilgern haben sich zahlreiche Berichte erhalten, in deutscher, niederländischer und französischer, aber auch in italienischer, englischer und spanischer Sprache. Die Kosten und Mühen der Reise erlaubten es nur wenigen - meist reichen Bürgern, hochstehenden Geistlichen oder Adligen -, die Pilgerfahrt nach Jerusalem anzutreten. Sie waren von dieser Gruppe von Reisenden auch die Einzigen, die den europäischen Boden verließen und sich in einen anderen Kulturkreis, den islamischen, begaben. Dennoch haben ihre Berichte nur zum Teil persönlichen Charakter und geben eigene Beobachtungen wieder; vielmehr bauen sie häufig auf älteren Vorlagen auf und beschränken sich auf stereotype Urteile. Dem geistlichen Ziel der Reise entsprechend konzentrierten sich die Berichterstatter oftmals nur auf die Heiligen Stätten und die dort zu erlangenden Ablässe. Das fremde Land und seine Bewohner fanden kaum Berücksichtigung - oder nur als Hindernisse auf dem Weg zu einem möglichst hohen Gewinn für das eigene Seelenheil.

Dabei gab der meist stark reglementierte Ablauf dieser Pilgerreisen durchaus Gelegenheit zur Reflexion der eigenen Erleb nisse. Wenn man nicht, und das war die Ausnahme, von Venedig aus über Alexandria und den Sinai ins Heilige Land reiste, schloss man üblicherweise bei der Ankunft in Venedig einen Vertrag mit einem Patron, der die Details der Reise regelte. Über mögliche Zwischenstationen wie Rhodos und Zypern ging es nach Jaffa, wo die Pilgergruppe von Amtsträgern der Landesherren, der in Ägypten und Syrien herrschenden Mamluken, in Empfang genommen wurde. Vertreter dieser Kriegerkaste geleiteten die Pilger nach Jerusalem und zu den Heiligen Stätten. In Jerusalem selbst gab es seit 1336 einen Konvent der Franziskaner, die die Pilger aufnahmen und während ihres Aufenthalts kont

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