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Die Ordnung des Sozialen Väter und Familien in der amerikanischen Geschichte seit 1770 von Martschukat, Jürgen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.04.2013
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (ePUB)
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Die Ordnung des Sozialen

Aus einem völlig neuen Blickwinkel präsentiert Jürgen Martschukat die Geschichte der USA. Er schildert zentrale Themen wie die Sklaverei, die Besiedelung des Westens, die Einwanderung aus Europa oder die Große Depression anhand einzelner Familien. Dabei stehen vor allem die Väter im Mittelpunkt. Jedes Kapitel zoomt nah an die Personen heran: an den Sklavenvater, der nur einen Teil seiner Familie freikaufen kann, an das Mädchen, das mit seinem Vater gen Westen aufbricht, oder an den Arbeitslosen, der die Aufgabe des Ernährers an seine Frau abgeben muss.
Diese Geschichten fügen sich zu einem historischen Gesamtbild, das Menschen in vielfältigen Lebensentwürfen darstellt. Und doch, so zeigt sich, war das familiäre Ideal vom männlichen Ernährer und der Hausfrau und Mutter stets präsent. So wurde und wird mittels der Familie eine Ordnung des Sozialen hergestellt, an der die Menschen auf unterschiedliche Weise teilhaben - eine Erkenntnis, die den Kern amerikanischer Geschichte und Gegenwart offenlegt.

Jürgen Martschukat ist Professor für nordamerikanische Geschichte an der Universität Erfurt. Bei Campus erschien von ihm in der Reihe "Historische Einführungen" der Band "Geschichte der Männlichkeiten" (zusammen mit Olaf Stieglitz), ausgezeichnet 2009 als Historisches Lehrbuch des Jahres bei H-Soz-u-Kult (2. Platz).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 474
    Erscheinungsdatum: 18.04.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593419572
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 5942 kBytes
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Die Ordnung des Sozialen

Einleitung
Familienwerte allerorten: Was auch hierzulande ein großes Thema ist, hat in den USA noch einmal eine ganz andere Dimension. Dort vergeht kein Tag, ohne dass politische Debatten und Predigten, Feuilletons und Blogs, Spielfilme und Fernsehshows um family values kreisen. Dabei werden Familien wieder und wieder von Sprecherinnen und Sprechern unterschiedlichster Couleur als Fundament der freiheitlichen amerikanischen Kultur und Gesellschaft beschworen. Gemeint sind dann in aller Regel sogenannte "Kernfamilien" mit Kindern, in denen der Vater als breadwinning dad und die Mutter als homemaking mom jeweils verschiedene Aufgaben erfüllen, die ihrem Geschlecht als angemessen beschrieben werden, und beklagt wird vor allem ein Verlust von Vätern.
In diesem Buch verorte ich die Bedeutung und Funktion von Familien in den USA historisch, wobei ich meinen Blick besonders auf Väter richte. Dazu werden meine Betrachtungen durch die US-amerikanische Geschichte von der Revolution bis heute mäandern und darlegen, wie sich freiheitliche Gesellschaften über Familien organisieren und Konturen geben. Das Bild der "Kernfamilie" als Fundament, das so gerne in politischen Debatten angerufen wird, weil es Stabilität verheißt und zugleich - sobald sich Risse zeigen - zur wirkmächtigen Beschwörung von Untergangsszenarien einlädt, scheint zu einem solchen Vorhaben jedoch wenig geeignet. Denn will man soziokulturelle Ordnungen verstehen, ist es angemessener und ergiebiger, genau solche vermeintlichen Selbstverständlichkeiten zu historisieren und nicht eine spezifische Form von Familie als evident vorauszusetzen und als Sockel der Gesellschaft zu predigen. Nicht die "Kernfamilie", die letztlich erst mit der Familiensoziologie des 20. Jahrhunderts und insbesondere im Kernzeitalter der atomaren Bedrohung den Nimbus des Unverrückbaren erhielt, sondern die Vielfalt familiärer Lebensformen und Vaterfiguren ist Ausgangspunkt meines Denkens. Familien sind dann in all ihrer Mannigfaltigkeit weniger als Fundament, denn als komplexe Schaltstellen, die Individuen auf vielfältige Art und Weise zu einer Ordnung des Sozialen verweben, in den Blick zu nehmen.
Analog zur Familie soll hier auch das Soziale mit Bruno Latour nicht als "homogenes Ding" verstanden werden, sondern als ein Ensemble veränderlicher Verknüpfungen zwischen heterogenen Elementen, die über das Relais der "Familie" in eine Ordnung gebracht werden - so das zentrale Argument, das ich auf den folgenden rund 400 Seiten in den unterschiedlichsten Zusammenhängen entfalte. Und: Wer die Geschichte der USA verstehen will, muss verstehen, wie über Familie regiert wird. "Regieren", und dies erläutere ich im ersten Kapitel genauer, meint hier kein souveränes Top-down-Verfahren, sondern ein Modellieren von Möglichkeiten sowie von Denk- und Handlungsweisen. Familien regulieren, wer auf welche Weise an Gesellschaft partizipiert: Wer welchen Platz einzunehmen vermag, welche Rechte für sich reklamieren kann, auf welche Ressourcen zugreifen darf und welche Aufgaben zu erfüllen hat. Dies wird einerseits in Familien und über deren spezifische Ordnung austariert, andererseits über die Einbindung unterschiedlicher Lebensformen in Gesellschaft ausgefochten. Die Verortung von Menschen in Familien und von Familien in Kultur und Gesellschaft reguliert maßgeblich die Verhältnisse, die Menschen zu sich selbst und anderen ausprägen, sowie deren Einbindung in historische Konfigurationen.
Die jüngere Sozial- und Kulturgeschichtsschreibung vor allem US-amerikanischer Prägung hat gezeigt, dass Art und Grad dieser Einbindung maßgeblich davon abhängen, ob man als männlich oder weiblich, jung oder alt, schwarz oder weiß gilt, ob man aus West- oder Osteuropa oder Asien stammt, aus der Stadt oder vom Land kommt, christlich oder jüdisch glaubt, viel oder wenig Geld verdient, Männer oder Frauen oder beide oder gar niemanden begehrt. Die Macht der Kategorien entfaltet sich im Leben von Mensche

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