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Die seltsamsten Orte der Welt Geheime Städte, Wilde Plätze, Verlorene Räume, Vergessene Inseln von Bonnett, Alastair (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.08.2015
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Die seltsamsten Orte der Welt

Spätestens seit Google Earth ist die Welt bis in den letzten Winkel erforscht und vermessen. Es gibt keine unbekannten Orte mehr, keine unberührten Eilande, nichts mehr zu entdecken - oder etwa doch? Alastair Bonnett stellt in diesem Buch faszinierende und außergewöhnliche Orte vor, die unsere Vorstellungen von der Welt gehörig durcheinanderbringen. Sie tauchen auf und unter, wie die Inseln im Gangesdelta, verschwinden von Satellitenbildern, wie Sandy Island vor der australischen Küste, oder verstecken sich unter Gebüsch und Gestrüpp, das alle Spuren überwuchert, wie auf der britischen Halbinsel Arne. Unterhaltsam und leichtfüßig werden Orte wie Bir Tawil in Ostafrika beschrieben, die partout keine Nation haben will, oder Orte, die scheinbar zu zwei Nationalstaaten gleichzeitig gehören. Berichtet wird von versteckten Labyrinthen, unterirdischen, verlassenen oder überbauten Städten ebenso wie von ihrer historischen Entwicklung. Lehrreich, aber nicht belehrend führt Bonnett durch geographische Kuriositäten und zeigt, dass auch für den heutigen Menschen das Entdecken nie aufhört. Alastair Bonnett ist Professor für Sozialgeographie an der Universität Newcastle.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 296
    Erscheinungsdatum: 03.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406674938
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Originaltitel: Off the Map. Lost Spaces, Invisible Cities, Forgotten Islands, Feral Places, and What They Tell Us About the World.
    Größe: 6799 kBytes
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Die seltsamsten Orte der Welt

Einleitung

Unsere Faszination für ungewöhnliche Orte ist so alt wie die Geographie. In seiner um 200 v. Chr. verfassten Schrift Geographika nimmt uns Eratosthenes mit auf eine Reise zu zahlreichen "berühmten" Städten und "bedeutenden" Flüssen. Und die siebzehn Bände von Strabos Geographie , die in den ersten Jahren des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung für Beamte im Römischen Reich geschrieben wurden, stellen ein erschöpfendes Kompendium von Reisen, Städten und Zielen dar. Mein Lieblingsort bei Strabo sind die Goldminen Indiens, die, so weiß er zu berichten, von Ameisen "nicht kleiner als Füchse" und mit Fellen, "die Pantherfellen ähnlich seien", gegraben würden. So alt unser Hunger nach kuriosen Erzählungen aus fernen Gegenden auch sein mag, so ist doch unser heutiges Bedürfnis nach einer geographischen Wiederverzauberung von ganz anderem Kaliber.

Meine Liebe zu Orten wurzelt in Epping. Das ist eine der vielen Pendlerstädte in der Nähe von London, eigentlich ganz nett, aber im Grunde austauschbar und ortlos. Dort kam ich zur Welt und dort wuchs ich auf. Wenn ich mit der Central Line nach Epping zockelte oder auf der Londoner Ringautobahn dorthin fuhr, hatte ich oft das Gefühl, als würde ich von Nirgendwo nach Nirgendwo reisen. Durch Landschaften zu fahren, die einem einmal etwas - manchmal sogar verdammt viel - bedeutet haben, die aber auf Transiträume reduziert wurden, wo alles temporär und jeder nur auf der Durchreise ist, erfüllte mich mit einem Gefühl des Unbehagens und weckte in mir den Hunger nach Orten, die von Bedeutung sind.

Man muss nicht weit in unsere geronnene Straßenlandschaft hineinlaufen, um zu erkennen, dass wir in den letzten gut einhundert Jahren überall auf der Welt deutlich besser darin geworden sind, Orte zu zerstören als sie zu schaffen. Die Titel einiger Bücher aus jüngerer Zeit - Real England von Paul Kingsnorth, Nicht-Orte von Marc Augé und The Geography of Nowhere von James Kunstler - zeugen von einer zunehmenden Angst. Diese Autoren verleihen einem verbreiteten Gefühl Ausdruck, wonach die Ersetzung einzigartiger und spezifischer Orte durch generische blandscapes , also austauschbare, nichtssagende Landschaften, unsere Verbindung zu etwas sehr Wichtigem kappt. Edward Casey, Professor für Philosophie an der Stony Brook University, New York, und einer der weltweit bedeutendsten Theoretiker des Orts, vertritt die Ansicht, die "Ausbreitung einer unterschiedslosen Gleichortigkeit im globalen Maßstab" nage an unserem Selbstempfinden und sorge dafür, dass sich "das menschliche Subjekt nach Ortsvielfalt sehnt". Mit skeptischem Blick verfolgt Casey die intellektuelle Abkehr vom Nachdenken über den Ort. Im antiken und mittelalterlichen Denken stand er häufig im Mittelpunkt, er war Grundlage und Kontext für alles andere. Aristoteles war der Meinung, der Ort müsse allen anderen Dingen "vorgeordnet" sein, denn er gebe der Welt eine Ordnung. Er "sei das unmittelbar Umfassende für das, dessen Ort er ist", heißt es in der Physik . Doch die universalistischen Ansprüche der ersten monotheistischen Religion sowie später dann der Aufklärung machten aus dem Ort etwas Provinzielles, eine prosaische Fußnote im Vergleich zu den großangelegten, aber abstrakten Visionen globaler Einheit. Die meisten modernen Intellektuellen und Wissenschaftler interessieren sich so gut wie gar nicht mehr für den Ort, denn sie halten ihre Theorien für universell anwendbar. Der Ort wurde an den Rand gedrängt und ersetzt, wobei der Aufstieg des etwas pompöseren und abstrakteren geographischen Rivalen, nämlich die Vorstellung vom "Raum", seinen Teil dazu beitrug. Raum klingt auf eine Weise modern, wie das für den Ort nicht gilt: der Begriff lässt an Mobilität und an das Fehlen von Beschränkungen denken; er verspricht leere Landschaften voller Verheißungen. Sahen sich moderne Gesellschaften mit der inhärenten

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