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Die Strassmanns Schicksale einer deutsch-jüdischen Familie über zwei Jahrhunderte von Strassmann, Wolfgang P. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.02.2006
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (PDF)
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Die Strassmanns

1797 nimmt ein jüdischer Tuchhändler aus dem polnischen Rawicz den Namen Strassmann an. Seine Enkel studieren in Berlin Medizin - der Beginn eines rasanten sozialen Aufstiegs trotz aller Hindernisse, die ihnen wegen ihrer jüdischen Herkunft immer wieder in den Weg gelegt werden.

W. Paul Strassmann, Jahrgang 1926, emigrierte 1937 mit seinen Eltern und Schwestern in die USA. Er war Professor für Volkswirtschaft,an der Michigan State University. Vor zehn Jahren begab er sich auf die Suche nach den Spuren seiner Vorfahren in Deutschland, deren Geschichte er hier erzählt.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 408
    Erscheinungsdatum: 06.02.2006
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593402413
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 16994 kBytes
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Die Strassmanns

Wer immer Antonie begegnete, fühlte sich bezaubert. Antonies Geheimnis war, dass sie sich auf ihren jeweiligen Begleiter - sei es ein Liebhaber, ein Verwandter oder ein Freund - voller Leidenschaft und Intensität einließ. Sie gab sich ihrer augenblicklichen Aufgabe völlig hin, immer fair, immer begeistert, niemals oberflächlich, niemals intellektualistisch. In den zwanziger Jahren war sie für ihre Schauspielkunst, ihre sportlichen Erfolge und ihre Fliegerei berühmt geworden. Sie war temperamentvoll und konnte mit einem ironischen Zungenschlag schelten, doch meist reagierte sie lieber schlagfertig und geistreich-witzig, ohne jemals nachtragend zu sein. Sie war engagiert, aber nicht bis zur Rücksichtslosigkeit. Ihre Gesellschaft war ein Vergnügen.
Wie kann man Antonie in die Familiengeschichte der Strassmanns, in die Geschichte der zunichte gemachten Assimilation, einfügen? Vielleicht beweist Antonie durch ihre wieder und wieder erfolgreiche Anpassung ja das genaue Gegenteil. Sie fügte sich zunächst in die exklusive Welt der Theaterleute ein, dann in die internationalen Fliegerkreise mit ihren gefeierten neuen Stars und schließlich in die sehr speziellen Verhandlungsmethoden der Geschäftswelt. Nicht zu vergessen, dass sie sich von einer flachsenden Berliner Berühmtheit in eine kosmopolitische New Yorkerin wandelte - und beide Persönlichkeiten waren von Grund auf wirklich, waschecht, wie der Berliner sagen
würde. Hätte nur sie das vollbringen können, als die außergewöhnliche Frau, die sie war? Oder gemahnt uns ihr Fall, nicht vorschnelle
Schlüsse zu ziehen, selbst wenn es so scheint, als ob eine verschworene Gemeinschaft Außenseiter mit ihrem Assimilationswunsch
zurückzuweisen versucht? Lassen wir Antonies Leben für sich selber sprechen.
Erwin und ein Verwandter hatten Antonie auf ihren ersten Flug mitgenommen: in einem Korb, der unter einem gelben Leinwandballon hing, in der Dämmerung eines Maimorgens des Jahres 1925. Erwin, der während des Krieges Artilleriebeobachter in einer Balloneinheit gewesen war, hatte Ballonfahren zu seinem Hobby gemacht. Die drei verließen Bitterfeld, etwa 100 Kilometer südlich von Berlin gelegen, und fuhren per Ballon 300 Kilometer nach Westen, wo sie nach 14 Stunden in Marburg landeten. Drei Jahre später beschrieb Antonie das magische Gefühl, 'hoch über der Landschaft an einem festlichen Sonntag zu segeln und weit unten die Kirchglocken zu hören. Sonst ist alles still, kein Geräusch, nicht mal Wind'.
In den nächsten zwei Jahren verbrachte Antonie ihre Wochenenden mit Ballonfahrten und schloss auf diese Weise vielfältige Freundschaften mit Fliegern. Einer von ihnen, C. H. Edzard von der Firma Junkers, ein Weltrekordinhaber, lud sie ab und an zu Flügen in seinem zerbrechlichen Zweisitzer ein. Manchmal flogen beide nachts auf die friesischen Inseln und warfen dort Postsäcke ab. So begann Antonies langjährige Verbindung mit der Firma Junkers. Antonie sagte, dass diese Flüge in ihr nicht nur die Freude am Fliegen wachriefen, sondern einen regelrechten Durst danach. 'Einen Ballon kann man nicht kontrollieren, aber ein Flugzeug kann man beherrschen und dorthin steuern, wo man will.' Im September 1927 schrieb sich Antonie zur Ausbildung an der Flugschule Bornemann in Staaken ein, ein paar Kilometer westlich von Berlin.
Zu jener Zeit spielte sie die Königin Hippolyta im Sommernachtstraum im Berliner Theater am Bülowplatz. Die Aufführung dauerte drei Stunden, und Antonie war nie vor Mitternacht daheim in der Schumannstraße. Jeden Morgen stand sie um fünf Uhr auf und fuhr nach Staaken, um dort für fünf Stunden Fluglektionen und theoretischen Unterricht zu nehmen. Am Rande des Staakener Flugplatzes stand neben einem schlichten Hangar ein kleines Backsteingebäude mit einem riesigen Schild: 'Lernt Fliegen!' Im Inneren gab es einen Raum mit einem langen Tisch, auf dem sich Landkarten, Flugzeugmodelle und Instrumente befanden. In einem kleineren Raum daneben sta

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