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Kleine Geschichte Chinas Reclams Ländergeschichten von Vogelsang, Kai (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.11.2014
  • Verlag: Reclam Verlag
eBook (ePUB)
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Kleine Geschichte Chinas

Kai Vogelsang hatte schon bei der Abfassung seiner fulminanten, großen 'Geschichte Chinas' (ISBN 978-3-15-010933-5) den Plan, auch eine anders akzentuierte, betont 'kleine', knappgefasste Geschichte Chinas zu ergänzen. Leserinnen und Leser, die rasch historische Information zu China suchen - sei es zur Vorbereitung auf eine Reise oder aus allgemeinem Interesse an Tradition, Kultur und Geschichte -, finden hier alle wesentlichen historischen Informationen. E-Book mit Seitenzählung der gedruckten Ausgabe - Buch und E-Book können parallel benutzt werden.

Kai Vogelsang ist Professor für Sinologie an der Universität Hamburg und Leiter der dortigen Abteilung für Sprache und Kultur Chinas.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 350
    Erscheinungsdatum: 12.11.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783159606514
    Verlag: Reclam Verlag
    Größe: 1365 kBytes
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Kleine Geschichte Chinas

[7] Einleitung

Eine kleine Geschichte Chinas? Nichts scheint unpassender am Anfang des 21. Jahrhunderts, das doch ein "chinesisches" Jahrhundert werden soll. China ist heute die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, auch politisch, militärisch und sportlich ist es zur Weltmacht aufgestiegen. Und je selbstbewusster der erwachte Drache in die Zukunft strebt, desto stolzer blickt er auf seine Herkunft. Ob in Staatsakten, Festreden oder gelehrten Publikationen: allenthalben wird auf Chinas glorreiche "5000jährige" Geschichte verwiesen. Während chinesische Politiker Statuen für historische Persönlichkeiten errichten und Gedenkzeremonien für mythische Kaiser abhalten, fördert die Tourismusindustrie die Renovierung histori scher Stätten, das Kino produziert aufwendige Geschichtsepen. In wissenschaftlichen Großprojekten werden Daten der frühesten Herrscher sichergestellt und die Geschichte der letzten Kaiserdynastie festgeschrieben. Im Ausland präsentieren spektakuläre Ausstellungen Chinas kulturelles Erbe, elder statesmen verneigen sich vor der Weisheit der chinesischen Kultur, Fernsehserien, Zeitschriftenbeiträge und Bücher dokumentieren Chinas große Geschichte. Die Geschichte Chinas, so scheint es, darf heute vieles sein: prächtig, episch, einzigartig - nur eins nicht: klein.

Es ist nicht leicht, sich der suggestiven Kraft dieses Geschichtsbildes zu entziehen. Schließlich vermitteln chinesische Historiker schon seit über 2000 Jahren das Bild einer homogenen Hochkultur, die sich im Rahmen eines mächtigen Einheitsreichs entfaltete. Zwar mochten dessen Herrscher im zyklischen Auf und Ab der Dynastien kommen und gehen, auch Grenzen sich hier und da verschieben, doch die Einheit der Tradition blieb unerschütterlich. "China hat politische Teilungen und Vereinigungen erlebt", so formulierten chinesische [8] Intellektuelle Mitte des 20. Jahrhunderts, "aber im Ganzen bildete stets eine große Linie das bestimmende Prinzip. [...] In China ist im wesentlichen ein kulturelles System durchgehend überliefert worden, daran besteht kein Zweifel." Das "Mandat des Himmels" wechselte, das Reich blieb sich gleich. Paradoxerweise führte dieses Geschichtsbild dazu, dass China weitgehend unhistorisch wahrgenommen worden ist. Im Europa der Aufklärung galt es als "ewiges China", Land des Stillstandes, in dem die Ereignisse sich wiederholen, ohne dass sich Grundlegendes ändert, kurz: als Land ohne Geschichte. Noch heute wirkt dieser Topos nach. In China wird die Erzählung vom Aufstieg des chinesischen Volkes (mitsamt den "Min derheitenvölkern", die seit je dazugehört hätten) und seiner Selbst fi ndung im Nationalstaat gep fl egt - als sei die chinesische Nation einfach zu dem geworden, was sie immer schon war. Und in Europa genügt oft der Verweis auf die chinesische "Tradition", um aktuelle Ereignisse in China zu erklären - als ob sich daran nie etwas geändert hätte. China scheint auf eigentümliche Weise dem Wandel der Zeiten überhoben zu sein.

Während dieses ahistorische Geschichtsbild fl eißig gep fl egt wird, haben sinologische Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte es Stück für Stück untergraben. Vor allem archäologische Funde legen nahe, dass Zivilisation in China von Anbeginn nicht durch Einheitlichkeit, sondern durch Vielfalt geprägt war. Ihre charakteristischen Ausprägungen sind nicht als Entfaltung ureigener Erbanlagen zu verstehen, sondern nur als Ergebnis eines Prozesses, in dem ganz verschiedene Lebensweisen zusammenkamen und sich einander anpassen mussten. China war stets von unterschiedlichen Kulturen umgeben und durchsetzt; das, was wir als "chinesisch" kennen, ist erst durch diese Kontakte entstanden. Die traditionelle Geschichtsschreibung hat diese Vielfalt so

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