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Lateinamerika und die USA Von der Kolonialzeit bis heute von Rinke, Stefan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.06.2012
  • Verlag: WBG Academic
eBook (ePUB)
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Lateinamerika und die USA

Beim Gedanken an den amerikanischen Kontinent hat man sofort die Vorstellung von der Supermacht USA und ihrem lateinamerikanischen Hinterhof präsent. Vergessen wird dabei leicht, dass die USA einstmals der ?Wilde Westen? waren, während Mittel- und Südamerika auf alten Hochkulturen aufbauten und die Schatzkammern Spaniens und Portugals waren. Stefan Rinke nimmt den ganzen Kontinent in den Blick und schreibt eine Geschichte der Verflechtungen und Konfliktlinien zwischen den Räumen. Die Beziehungen zwischen diesen Teilen der Amerikas haben die Geschichte beider Großräume bis auf den heutigen Tag entscheidend geprägt, wobei sich insbesondere seit Ende des 19. Jahrhunderts eine enorme und schnell fortschreitende Verdichtung erkennen lässt, die allerdings auch die Polarität verstärkte. Diese spannende und komplexe rund 500-jährige Geschichte wird übersichtlich und komprimiert dargestellt, wobei der Schwerpunkt auf dem 19. und 20. Jahrhundert liegt.

Stefan Rinke, geb. 1965, lehrt seit 2005 als Professor für Geschichte Lateinamerikas am Lateinamerika-Institut und am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin. Er gilt als ausgewiesener Kenner der Geschichte des amerikanischen Kontinents.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 144
    Erscheinungsdatum: 01.06.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534723010
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 1626 kBytes
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Lateinamerika und die USA

Einleitung

"Schert Euch zum Teufel, Scheiß-Yankees!" ( "¡Váyanse al carajo, Yankees de mierda!" ), diese wenig diplomatischen Worte benutzte der venezolanische Staatspräsident Hugo Chávez am 11. September 2008, als er unter Protest gegen die US-amerikanische Politik gegenüber Bolivien den Botschafter Washingtons außer Landes verwies. Aggressive Äußerungen und Handlungen wie diese sind Ausdruck des schwierigen Verhältnisses, das die anglo- und lateinamerikanischen Teile des Doppelkontinents miteinander verbindet. Die Beziehungen zwischen Nord und Süd in Amerika basieren auf einer langen und zumeist konfliktreichen geteilten Geschichte mehrerer Jahrhunderte, die sich von der Kolonialzeit bis auf den heutigen Tag erstreckt. Dieses Spannungsfeld hat sich seit dem 19. und 20. Jahrhundert parallel zum machtpolitischen Aufstieg der Vereinigten Staaten und ihrer weltweiten Machtentfaltung vertieft. Es entstand das Bild vom armen "Hinterhof", den die hegemonialen USA quasi naturgesetzmäßig dominierten. Für die Geschichte des unabhängigen Lateinamerikas, die in diesem Buch im Mittelpunkt steht, ebenso wie für die der USA waren und sind die Beziehungen zu den amerikanischen Nachbarn bis in die Gegenwart hinein grundlegend.

Was sich in den drastischen Worten von Chávez Bahn brach, war eine Mischung aus Wut und Frustration, die für die Haltung vieler Lateinamerikaner gegenüber dem großen Nachbarn im Norden spätestens seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts lange Zeit bezeichnend war. Sie spiegelt die sich stetig vertiefende ungleiche Machtverteilung und die Erfahrungen der Unterlegenheit gegenüber dem "Koloss des Nordens" wider. Allerdings ist dies nur eine Seite der Medaille, denn die Wahrnehmung der anderen Amerikaner im Norden war stets mit Bewunderung und Hochachtung gepaart. Wenn auch oft nur zähneknirschend, so wurden die USA doch als Vorbild angesehen.

Außerdem war Lateinamerika nie nur passives Objekt in den interamerikanischen Nord-Süd-Beziehungen, sondern gestaltete diese aktiv mit. Dies ist bislang noch zu wenig bekannt, denn lange Zeit dominierte eine Wissenschaftstradition, die sich mit dem Thema aus Sicht der Vereinigten Staaten beschäftigte - zunächst affirmativ, später kritisch. In der Tat war die Lateinamerikapolitik der USA schon in der Entstehungszeit der Lateinamerikastudien als neuer Forschungsrichtung um den Ersten Weltkrieg ein sehr wichtiges Thema der Geschichtsschreibung. Ihr kam seitdem erhebliche tagespolitische Relevanz zu als Argument im Kampf um die öffentliche Meinung. Erstaunlich ist, dass es bisher noch kaum Überblicksdarstellungen zu diesem Gegenstand aus der lateinamerikanischen Perspektive gibt. Wenn aus dieser Sicht wissenschaftlich dazu gearbeitet wurde, dann mit Blick auf bilaterale Beziehungen. In diesem Buch wird daher die Perspektive der Region Lateinamerika im Mittelpunkt stehen, ohne die US-amerikanischen Motive zu vernachlässigen, denn das Gesamtbild lässt sich nur erkennen, wenn man die Wechselbeziehung im Blick behält. Dabei ist zu bedenken, dass der Begriff "Lateinamerika" eine Einheit impliziert, die der Realität nur sehr eingeschränkt entspricht. Die seit Mitte des 19. Jahrhunderts so bezeichnete Region zeichnet sich ja gerade durch ihre Vielfalt und ihre enormen internen Unterschiede aus.

Eine zentrale Frage, die vor dem Hintergrund der Diskussionen um den Begriff des Empire seit einigen Jahren wieder an Relevanz gewonnen hat, ist die nach dem Charakter der Beziehungen zwischen den USA und Lateinamerika, oder kurz: Gab und gibt es noch immer einen US-amerikanischen Imperialismus in Lateinamerika? Die Antwort auf diese Frage hängt von der Definition ab. In der klassischen US-amerikanischen Historiographie bis in die 1950er-Jahre wurde sie verneint, wenngleich die so genannten Realisten einräumten, dass um 1898 ein kurzes imperialistisches Zwischenspiel zu verzeichnen gewesen sei. Die Vereinigten Staaten hätte

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