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Lynchjustiz in den USA von Berg, Manfred (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.03.2014
  • Verlag: Hamburger Edition HIS
eBook (PDF)
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Lynchjustiz in den USA

Lynchjustiz - bis heute verbunden mit Rassismus, Terror und Gewalt, mit dem berüchtigten Ku-Klux-Klan und dem amerikanischen Süden - kostete im Lauf der amerikanischen Geschichte Zehntausende Menschen das Leben. Im Namen der 'Gerechtigkeit', der 'Selbstverteidigung des Volkes' und der 'Vorherrschaft der weißen Rasse' wurden Menschen geteert und gefedert, gefoltert, gehängt oder verbrannt. Mehr oder weniger organisierte Gruppen, die den Anspruch erhoben, im Namen lokaler Gemeinschaften und einer höheren Gerechtigkeit zu handeln, nahmen sich das Recht heraus, angebliche Verbrecher zu bestrafen. Manfred Berg erzählt die Geschichte der Lynchjustiz von ihren Anfängen in der Kolonialzeit und während der Revolution bis in die Gegenwart. Die rassistische Lynchjustiz gegen schwarze Amerikaner nimmt breiten Raum ein, aber der Historiker erinnert auch an andere, lange Zeit vergessene Opfergruppen wie Mexikaner und Chinesen. Er berichtet vom Widerstand gegen die Lynchjustiz und untersucht, warum sie um die Mitte des 20. Jahrhunderts aufhörte und welches Erbe sie in der amerikanischen Kultur hinterlassen hat. Wer verstehen will, warum das staatliche Gewaltmonopol in den USA eine vergleichsweise geringe Akzeptanz findet und die USA die drakonischste Strafjustiz der westlichen Welt praktizieren, aber auch welche Kontinuitäten zwischen dem Lynchen und der Praxis der Todesstrafe bestehen, findet in diesem Buch Antworten. Manfred Berg legt die erste deutschsprachige Gesamtdarstellung der Geschichte der Lynchjustiz in den USA vor, erweitert den Blick aber auch auf die aktuelle und weltweit geübte Praxis des Lynchens.

Manfred Berg, Curt-Engelhorn-Stiftungsprofessor für Amerikanische Geschichte am Historischen Seminar und am Heidelberg Center for American Studies der Universität Heidelberg. Als Wissenschaftler war er u. a. am John F. Kennedy-Institut für Nordamerikanstudien der Feien Universität Berlin und am Deutschen Historischen Institut in Washington D.C., tätig. Von 2003 bis 2005 war Berg Direktor des Zentrums für USA-Studien an der Stiftung Leucorea der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 275
    Erscheinungsdatum: 12.03.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783868546200
    Verlag: Hamburger Edition HIS
    Größe: 2276 kBytes
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Lynchjustiz in den USA

Einleitung:
Amerikas "nationales Verbrechen"?

Im Jahr 1905 begann der amerikanische Soziologe James Cutler sein Buch "Lynch-Law: An Investigation into the History of Lynching in the United States" mit folgender Feststellung:

"Es wird gesagt, dass Lynchen das "nationale Verbrechen" unseres Landes ist. Wir geben das nicht gerne zu, und es mag unpatriotisch erscheinen, dies zu tun, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass das Lynchen eine Form der Kriminalität ist, die eine Besonderheit der Vereinigten Staaten darstellt. Die Praxis, dass Mobs Personen ergreifen, die eines Verbrechens verdächtigt werden, [...] und sie ohne Gerichtsverfahren exekutieren, ohne dafür Bestrafung fürchten zu müssen, findet sich in keinem anderen hoch zivilisierten Land. Krawalle und tödliche Mobgewalt gibt es auch in anderen Ländern, aber nirgendwo kommt das, was man Volksjustiz [ popular justice ] nennen könnte, so häufig vor wie in den Vereinigten Staaten." 1

Obwohl Cutlers Studie natürlich seit langem überholt ist, ist seine Charakterisierung des Lynchens als popular justice noch immer der beste Ausgangspunkt, um den Gegenstand dieses Buches zu definieren. Eine klare Definition muss auch deshalb am Anfang stehen, weil der Begriff "lynching" im heutigen amerikanischen Sprachgebrauch oft als polemische Kennzeichnung für besonders empörende rassistisch motivierte Verbrechen benutzt wird. Der Historiker Christopher Waldrep, der beste Kenner der Begriffsgeschichte der Lynchjustiz, hat daraus den Schluss gezogen, das Wort sei ein "rhetorischer Dolch" und lasse sich überhaupt nicht definieren. 2 Jedoch tritt bei näherer Betrachtung der Geschichte des Lynchens und des Selbstverständnisses der Lyncher das entscheidende Merkmal der Lynchjustiz durchaus klar zutage. Beim Lynchen handelt es sich um die extralegale Bestrafung angeblicher Verbrecher durch mehr oder weniger organisierte Gruppen, die den Anspruch erheben, im Namen lokaler Gemeinschaften und einer höheren Gerechtigkeit bzw. Notwendigkeit zu handeln. Ihrem Anspruch nach ist die Lynchjustiz also keineswegs gesetzlose Mobgewalt, sondern im Gegenteil die gemeinschaftliche Verteidigung von Recht und Ordnung, wenn und solange die Staatsgewalt dazu nicht bereit oder in der Lage ist.

Die Lynchjustiz als ein Akt kollektiver Bestrafung muss im Kontext der amerikanischen Geschichte begrifflich unterschieden werden von sogenannten hate crimes einerseits und race riots andererseits. Für Gewalttaten, die von Individuen oder kleinen Gruppen aus Hass gegen rassische, ethnische, religiöse und sexuelle Minderheiten verübt werden, hat sich seit den 1980er Jahren in den USA der Begriff hate crimes eingebürgert. Die Täter behaupten in der Regel gar nicht, dass sie ihre oft willkürlich ausgewählten Opfer für irgendwelche konkreten Handlungen bestrafen wollten, und sie können längst nicht mehr mit öffentlicher Billigung rechnen. Der recht euphemistische Begriff race riots – meist als "Rassenunruhen" ins Deutsche übersetzt – bezeichnet pogromartige Attacken weißer Mobs auf schwarze Gemeinden, die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in zahlreichen amerikanischen Städten stattfanden und oft Dutzende Todesopfer forderten. Auch für riots gilt, dass es den Randalierern nicht darum ging, eine bestimmte Person für ein bestimmtes Verbrechen zu bestrafen, sondern ihrem Hass auf die afroamerikanische Bevölkerung insgesamt freien Lauf zu lassen. In der historischen Wirklichkeit lassen sich hate crimes, race riots und Lynchings freilich nicht immer klar vonei

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